, 17. September 2022
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Seefahrende Seele

Seine Texte sind unvermindert stark und wach, auch mehr als ein Jahr nach seinem Tod. Zwei Publikationen würdigen noch einmal den St.Galler Autor Fred Kurer. Heute wird in St.Gallen das orte-Heft über ihn textlich und musikalisch gefeiert.

Unvergesslich, welche Vielfalt an Stimmlagen und Sprecharten er beherrscht hat: witzig und nachdenklich, frech und innig, philosophisch, gesprächig, melancholisch – Fred Kurer schien alles gleichermassen leicht und stilsicher von der Zunge zu gehen. Und so reich sein literarisches Schaffen, so grenzenlos war seine Neugier für die Welt.

Darüber gibt, ein Jahr nach dem Tod des St.Galler Autors, die Literaturzeitschrift «Orte» Auskunft. Mitte September wird sie in St.Gallen präsentiert.

Fred Kurer beim Gespräch mit Saiten, 2014. (Bild: Tine Edel)

«Unter mir die lange Strasse» ist die Hommage betitelt, herausgegeben von Kurers Wegbegleiter Richard Butz. Er zeichnet die literarische Biografie Kurers nach, vom ersten (und einzigen) Roman Abschied von… bis zu den letzten Gedichten. Und er lässt anhand von Fotos und Gedichten die zahlreichen gemeinsamen Reisen, 1993 bis 2019, noch einmal Revue passieren: Australien, Syrien, Kaukasus, Mittel- und Osteuropa, Nord-, Mittel- und Südamerika… Kurer spricht selber einmal von seiner «seefahrenden Seele».

Orte-Vernissage und Gedenkkonzert: 18. September, 10.30 Uhr (Matinée) und 17 Uhr (Konzert Peter Waters, Lucas Niggli), Centrum dkms St.Gallen

Unter mir die lange Strasse. Reisen, vermitteln, schreiben – Fred Kurer (1936-2021), Orte No 217, Fr. 18.-

In der Orte-Publikation kommen weitere Freunde und Freundinnen zu Wort: Heiko Strech, den mit Kurer die Verehrung für Joseph Conrad verband, Autorin Barbara Traber, Verlegerin Irene Bourquin, Kellerbühnen-Leiter Matthias Peter und Franz Hohler, der zu Kurers Ironie schreibt: «… sie war eine Schwester seines Humors, war oft von einem trockenen Lachen begleitet und legte einen kleinen Abstand zwischen ihn und die Realität».

Und gleich nochmal Kurer: Christoph Ferber hat eine Auswahl seiner Gedichte ins Italienische übersetzt und im Thurgauer Caracol-Verlag herausgebracht unter dem Titel Wenn Träume träumen könnten / Se i sogni sapessero sognare. Hier ist noch einmal der «ganze Kurer» drin, Hochdeutsch und Mundart.

Fred Kurer/Christoph Ferber: Wenn Träume träumen könnten / Se i sogni sapessero sognare, Caracol Verlag Warth 2022, Fr. 20.-

Besonders berühren seine Familien-Gedichte: die Hommage an die Mutter, an den Bernecker Grossvater oder jenes Gedicht, in dem sich das Kind ein Foto von Vater und Mutter von lange vor seiner Geburt anschaut – und den beiden heimlich nachgeht, bis es sich sicher ist: «Ihr Kind werde ich dereinst sein / Un giorno sao loro figlio». Das Gedicht heisst Sentimental – es ist genau jene Sentimentalität, die nie gefühlig wird und einem das Herz an einer besonders empfindlichen Stelle kratzt, wie es nur Kurer konnte.

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