, 14. Juni 2013
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SPAR-Streik in St.Gallen

Der Streik des Tankstellenshop-Personals im Aargau betrifft auch St.Gallen. Weil hier die SPAR-Zentrale liegt.

Donnerstag mittag im Industrieviertel zwischen St.Gallen und Gossau: Gleich beim Schlachthof um die Ecke liegt die grosse SPAR-Zentrale. Alle paar Minuten kurven die Lastwagen des Grossverteilers heran.

Im Schatten der Bäume beim Parkplatz haben sich ungebetene Gäste versammelt: Streikende des Tankstellenshops in Dättwil AG sind in Begleitung von Unia-Gewerkschaftern nach St.Gallen gekommen. «Wenn Stefan Leuthold nicht zu uns kommt, kommen wir halt zu ihm», so die Devise der Streikenden.

Stefan Leuthold (54) ist der Verwaltungsratspräsident der SPAR-Gruppe in der Schweiz. Sein Vater hatte 1989 die Lizenz von der niederländischen SPAR-Gruppe für die Schweiz erhalten. Und damit ein grosses Geschäft gemacht. Der Schweizer SPAR-Konzern macht mit seinen Filialen, TopCC-Läden und Tankstellenshops heute über eine Milliarde Franken Umsatz.

Und das in einem hart umkämpften Markt mit Migros/Denner, Coop und nun auch noch Lidl und Aldi als Konkurrenten. Dass SPAR in diesem Umfeld noch wachsen konnte, hat für die Gewerkschaft Unia vor allem einen Grund: tiefe Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen. Verkäuferinnen werden mit 3’600 Franken brutto im Monat abgefertigt, viele Stellen sind bloss Teilzeitjobs und unterbesetzt.

Bereits zwölf Tage dauert der Arbeitskampf im Aargau. Zwar gab es Gesprächskontakte zwischen SPAR-Managern und der Unia. Doch die Hinhaltetaktik war offensichtlich. Am Tag, bevor die Streikenden nach St.Gallen zogen, hatten sie die fristlose Kündigung in der Hand, plus eine Verzeigung wegen Nötigung. Ein Gericht ordnete die Zwangsräumung der blockierten Tankstelle an. SPAR fährt die harte Tour.

Wer gewinnt? Die Frage ist offen. Jedenfalls zeigt die Kontroverse, dass im Detailhandel noch keine Sozialpartnerschaft herrscht, sondern einseitig von den Chefs dekretierte Machtverhältnisse. Der SPAR-Boss ist dafür ein gutes Beispiel: Statt mit den Gewerkschaften zu verhandeln und Verträge über faire Arbeitsbedingungen abzuschliessen, holt er Justiz und Polizei. Am Donnerstag waren auch Autos der Kapo vor dem Hauptsitz zu sehen. Geschehen ist nichts. Doch im Detailhandel ist viel in Bewegung.

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