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Spielereien am Bahnhof Nord

Ab nächster Woche wird im Gebiet Bahnhof Nord experimentiert: Auf einem Modell soll ausprobiert werden, was dort alles möglich ist. Ausserdem ist bekannt, was der Erhalt des Klubhauses kosten würde.
Von  Urs-Peter Zwingli

Ab nächster Woche kann man sich auf dem Gebiet Bahnhof Nord ein bisschen wie Godzilla fühlen: Vom 4. bis 9. April stellt die Stadtverwaltung dort nämlich ein begehbares Modell des Gebiets auf – samt verschiebbaren Gebäuden. So sollen sich alle Interessierten vor Ort «spielerisch auf die Entwicklung des Gebietes einlassen», wie der Stadtplanungschef Florian Kessler am Donnerstag vor den Medien sagte.

Es war die gefühlt x-te Medienkonferenz zum Thema. Seit der Planungsprozess rund um den Bahnhof Nord auch von der Stadt als partizipativ – also: viele bis alle dürfen mitreden – verstanden wird, informieren die Behörden nämlich fast pflichtschuldig alle paar Monate zum Stand der Dinge. Löblich, aber irgendwie überfordern die vielen Infos zur bürokratisch-komplizierten Planung auch.

Bis zu 5 Millionen fürs Klubhaus

Aber eben: Konkret und unbürokratisch steht nächste Woche das Spielen auf dem Plan in der sogenannte «WerkStadt» beim Bahnhof Nord (Details dazu hier). Und kurz darauf, am 25. April, findet um 19 Uhr in der Lokremise das «Themen-Forum» statt.

Dieses steht allen Interessierten offen. Hier kann jeder – ob Bewohner, Passantin, FHS-Studi etc. – Ideen einbringen, was mit dem Bahnhof Nord passieren soll. Eine spezielle Organisation der Diskussionen in Kleingruppen und eine geschulte Moderatorin sollen verhindern, dass sich Interessenvertreter an dem Abend lautstark in den Vordergrund drängen könnten. Die so gesammelten Vorschläge werde dann in das Testplanungsverfahren einfliessen. (Details zum Themen-Forum hier.)

Ein Thema, über das am Bahnhof Nord immer wieder diskutiert wird, ist das Spanische Klubhaus. In bisherigen Umfragen hat sich gezeigt, dass quer durch alle Anspruchsgruppen der Konsens besteht, dass die Institution Klubhaus in irgendeiner Form erhalten bleiben soll. In welcher Form genau, als renoviertes Gebäude oder in einem Neubau, ist dabei unklar.

Gestern präsentierte Stadträtin Patrizia Adam Zahlen dazu: Für den Erhalt und Betrieb des Klubhauses auf die nächsten zehn Jahre müsste die Stadt 2,5 bis 3 Millionen Franken aufwerfen. Für eine umfassende Sanierung und den langfristigen Erhalt wären es bis zu 5 Millionen Franken. «Aus meiner Sicht ist das sehr viel, ja zu viel», sagte Adam vor den Medien.

Auf Nachfrage sagte sie, dass erst der Prozess über das weitere Schicksal des Klubhauses entscheiden werde, auch ihre Meinung sei «noch offen». Auf jeden Fall sei das Gebäude in einem schlechten Zustand.

Vier Architekten bringen Entwürfe

Seit dem vergangenen Herbst wurden in einer Bestandesaufnahme Passanten, Quartierbewohner und Grundeigentümer befragt. Auf diesen Analysen sowie den Inputs aus dem Themen-Forum baut dann das sogenannte «dialogische Testplanungsverfahren» auf: Vier Architekturbüros werden in diesem bis im Oktober Entwicklungsvarianten für den Bahnhof Nord erarbeiten. Aus St.Gallen sind dies die Büros Thomas Kai Keller und Barão Hutter, aus Zürich Meili & Peter sowie Boltshauser Architekten.

Diese Szenarien werden wiederum von einem Gremium bewertet, in dem Grundeigentümer, Stadtregierung und -parlament, externe Expertinnen, Vereine und Quartiernutzer sitzen. Und schliesslich werden die Szenarien in einem Ergebnis-Forum im Herbst der Bevölkerung vorgestellt.

Verwirrend? Durchaus. Kompliziert? Oh ja. Aber ein Prozess, in dem x Anspruchsgruppen in einem äusserst vielseitigen Quartier berücksichtigt werden müssen, wird zwangsläufig zum Eiertanz. Ein erster Gradmesser dürfte das Themen-Forum am 25. April werden: Dann wird sich zeigen, ob es der Stadt gelingt, das Interesse der Bevölkerung zu wecken. Und ob die vielen Stammtischklopfer, die über Betonwüste und Planungschaos fluchen, die Chance mitzureden auch wirklich wahrnehmen.

 

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