Kategorie
Autor:innen
Jahr

Spitäler: Hoffnung für Walenstadt und Wattwil

Gnadenfrist für Walenstadt, Umnutzung für Wattwil, Lichter aus in Altstätten, Rorschach und Flawil: Das ist die leicht abgeänderte Strategie «4 plus 5» der St.Galler Regierung in Sachen Spitalschliessungen. Im April und Mai kommt sie in den Kantonsrat. Die SP kündigt bereits Widerstand an.
Von  Peter Surber
Spitalplanung: auf dem richtigen Gleis? Schild am Bahnhof Wattwil.

Spitäler schreiben Defizite, immer mehr Eingriffe werden ambulant durchgeführt, es gibt Überkapazitäten und leere Betten, und die rasante Spezialisierung hat zur Folge, dass Fachkräfte fehlen: All das seien keine rein st.gallischen Probleme, sondern schweizweite, sagte an der heutigen Medienkonferenz Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann.

Die Antworten auf die «Spitalfrage» sind kontrovers. Mehr dazu, samt Kritik an der rein ökonomischen Betrachtungsweise, war im Februarheft von Saiten zu lesen.

Die Antwort der St.Galler Regierung heisst Strategie «4 plus 5». Sie hat in den letzten Monaten heftige Emotionen und Reaktionen ausgelöst; über hundert Stellungnahmen gingen allein in der Vernehmlassung ein. Diese habe die Regierung intensiv geprüft. Das Ergebnis, welches Hanselmann zusammen mit Finanzdirektor Beni Würth und Baudirektor Marc Mächler präsentierte, hält im Grundsatz an den Spitalschliessungen fest – allerdings mit Korrekturen am ursprünglichen Plan.

Diese betreffen die Standorte Walenstadt und Wattwil: wohl nicht zufällig jene Regionen, die sich am vehementesten öffentlich gegen die geplante Schliessung und die Umwandlung der Regionalspitäler zu Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) zur Wehr setzen.

Walenstadt: Entscheid aufgeschoben

Walenstadt erhält eine Gnadenfrist bis 2024: Bis dahin will die Regierung zusammen mit den Nachbarkantonen Graubünden und Glarus herausfinden, ob ein stationäres Angebot doch noch sinnvoll und finanzierbar sei. Erst am Vortag hatten fünf Ostschweizer Kantone eine Absichtserklärung unterzeichnet, die auf gemeinsame Spitallisten und eine koordinierte Planung abzielt.

Und diesen Samstag rufen die Regionsgemeinden zu einer «Landsgemeinde» in Walenstadt auf, um gegen die geplante Schliessung zu protestieren. Mit dabei sind die sechs neuen Kandidatinnen und Kandidaten für den St.Galler Regierungsrat – pikanterweise wird einem oder einer von ihnen aller Voraussicht nach die Gesundheitsdirektion zufallen. Und damit die Verantwortung für die Zukunft des Spitals Walenstadt und die Umsetzung der Strategie.

Wattwil: Zentrum für hochspezialisierte Pflege

Wattwil soll nach dem Willen der Regierung zum «Kompetenzzentrum für spezialisierte und hochspezialisierte Pflege» werden. Sie will das eben erst erweiterte Spital an eine private Trägerin, die Solviva AG verkaufen, die sich auf Themen wie Pflege und Spital-Umnutzungen spezialisiert hat und in Grenchen eine ähnliche Institution, den «Sunnepark» betreibt.

Betreut werden sollen unter anderem Tetraplegiker – oft junge Unfallopfer, die nicht in ein Pflegeheim gehörten und für die es schweizweit an Pflegeplätzen mangle, wie Hanselmann sagte. Zusammen mit Stationen für Psychiatrie- und Suchtpatienten (wie heute schon) und für Hochdemenz rechnet das Modell mit rund 60 Betten.

Der im Herbst eingeweihte neue Trakt des Spitals Wattwil. (Bilder: Su.)

Ergänzt um die Notfall- und Gesundheitsdienste könnten in Wattwil damit breite Leistungsangebote und Arbeitsplätze erhalten bleiben. Das Projekt würde eine Nische füllen, ist die Regierung überzeugt – und unterscheide sich nicht sehr vom Modell einer «Integrierten Versorgung Toggenburg», welches die Gemeinde selber vorgeschlagen hatte.

Und Wil? Und Flawil?

Eine Aufhebung des Spitals Wil zugunsten von Wattwil habe die Regierung geprüft; die voraussichtlichen Patientenströme sprächen jedoch dagegen. Statt nach Wattwil würden die meisten Leute nach St.Gallen, Winterthur oder Frauenfeld ausweichen, sodass das Spital Wattwil trotzdem nicht auf die geforderten Fallzahlen käme.

Und Flawil? Verkaufen will die Regierung das Spital nicht – ein Verkauf wäre für den dortigen Spitalverbund «desaströs», ein allfälliger privater Betreiber würde nur die Überkapazitäten weiter verschärfen, hiess es an der Medienkonferenz. Dass die heutige Palliativabteilung in Flawil erhalten bleiben könnte, ist für den Verwaltungratspräsidenten der Spitalverbunde, Felix Sennhauser, zumindest nicht ganz ausgeschlossen, wie er auf Saiten-Nachfrage erklärte.

Die Hausärzte sollen den Lead haben

In den künftigen fünf Gesundheits- und Notfallzentren, die voraussichtlich an den bisherigen Spitalstandorten stehen werden, sollen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ein entscheidendes Wort mitreden. Wichtig sei ein garantierter Notfalldienst, rund um die Uhr an 365 Tagen die Woche und wohnort-nah innert maximal 20 Minuten erreichbar. Dies verlange die Bevölkerung; im übrigen könnten die GNZ aber regional unterschiedlich ausgestattet werden.

Damit nimmt die Regierung die verschiedentlich geäusserte Kritik auf, dass die Spitalverbunde den Hausärzten zuviel Konkurrenz machten. Im ambulanten Bereich dürften die Spitalverbunde künftig nur ergänzend zur niedergelassenen Ärzteschaft tätig werden, «wenn eine bedarfsgerechte Versorgung nicht hinreichend durch private Leistungserbringer sichergestellt wird».

Sparmillionen – aber zuerst Notmillionen

Von der Reduktion auf noch vier Vollspitäler verspricht sich die Regierung Einsparungen von 40 Millionen Franken; weitere 19 Millionen sollen durch «betriebliche Optimierungen» eingespart werden. Der Kanton soll zudem 20 Millionen Franken für den Service public und die Notfallversorgung an die Spitalverbunde zahlen. Damit könnten die vier Spitalverbunde den betriebswirtschaftlichen Idealwert (Ebitda) von 10 Prozent erreichen (dass dieser allerdings umstritten ist, kann man im Februarheft von Saiten nachlesen, zum Beispiel hier).

Die Schlagzeilen heute dominieren nicht Spitalfinanzen, sondern das Coronavirus. Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann lädt drum morgen Freitag bereits zur nächsten Medienorientierung: nachmittags um 16 Uhr, auch für die Bevölkerung per Livestream übertragen auf facebook.com/kantonsg.

Einmalig soll hingegen der Staat Sanierungsbeiträge im Gesamtbetrag von 88 Millionen Franken an die defizitären AGs leisten. Zur Spitalregion Fürstenland Toggenburg (10 Millionen plus 46 Millionen Darlehen, das in Eigenkapital umgewandelt werden soll) kommt inzwischen auch die Region Rheintal Werdenberg Sarganserland hinzu mit einem Darlehen von 32 Millionen.

Die heutigen roten Betriebszahlen der Spitalverbunde  (2019: rund 20 Millionen Franken) seien kein einmaliger Ausreisser, sondern hätten sich über die letzten drei Jahre kontinuierlich verschlechtert, sagte Finanzdirektor Würth. Deshalb gehe es nicht ohne Massnahmen, um die Spitäler als grössten Arbeitgeber im Kanton nachhaltig zu finanzieren.

SP warnt vor Engpässen – zum Beispiel bei einer Pandemie

In einer ersten Reaktion kritisiert die SP die regierungsrätliche Strategie harsch: «Die bürgerlich dominierte Regierung argumentiert weiterhin rein finanzpolitisch und ignoriert die Sorgen der Menschen in den einzelnen Regionen dieses Kantons. Zudem blendet sie die volkswirtschaftliche Dimension der kantonalen Spitalpolitik beinahe komplett aus», schreibt Regierungsrats-Kandidatin Laura Bucher.

Mit der Schliessung von Altstätten, Rorschach und Flawil werde die wohnortnahe Versorgung aufgegeben. Es drohten Engpässe, befürchtet die SP und verweist auf die aktuelle Bedrohung durch das Coronavirus. «Bei einem solchen Ereignis wie einer Pandemie oder auch bei Naturkatastrophen werden die öffentlichen Regionalspitäler eine wichtige Funktion für die Quarantäne und die Erstversorgung übernehmen müssen. Mit mehreren Standorten kann man flexibler und schneller auf solche Herausforderungen und Veränderungen reagieren. Ein System wie von der Regierung in der Botschaft gefordert ist ein System, das von Anfang an am absoluten Limit läuft.»

 

 

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv