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«Spitäler verweigern uns den Zutritt zum Gelände»

Mit einer grossen Standaktion wird der internationale Tag der Pflege am 12. Mai auch in St.Gallen begangen. VPOD-Sekretärin Alexandra Akeret im Gespräch über den Pflegenotstand, Spitalschliessungen und das schwierige Unterfangen, gewerkschaftliche Betriebsgruppen aufzubauen.
Von  Roman Hertler
Alexandra Akeret. (Bild: hrt)

Saiten: Worum gehts am 12. Mai?

Alexandra Akeret: Am internationalen Tag der Pflege geht es darum, die Aufmerksamkeit auf die Sorgen und Nöte in der Pflege zu richten. Es hat in diesem Rahmen schon Pflegemärsche und diverse andere Veranstaltungen gegeben.

Was ist dieses Jahr in St.Gallen geplant?

Gewerkschaften und Verbände werden mit Ständen präsent sein. Konkret sind das der SBK, SBV TOA, Syna, Siga, Unia, VPOD, VRS und VSAO sowie der Verein Pflegedurchbruch. Mehr oder weniger das Bündnis, das auch an der Aktionswoche im Herbst beteiligt war. Rund ums Vadiandenkmal kann sich die Bevölkerung über die verschiedenen Sparten und Bereiche des Pflegeberufs informieren. Andererseits soll aber auch ein erstes Mal auf die Pflegeinitiative, über die die Schweiz vermutlich im Herbst abstimmen wird, aufmerksam gemacht werden. Auch für den Erhalt des Spitals in Wattwil soll natürlich nochmals Stimmung gemacht werden. Das kantonale Referendum dazu ist am 13. Juni.

Das klingt etwas nach Aktionstag auf Sparflamme.

Wir mussten das Programm extrem abspecken, weil wir nicht wissen, wie sich die Coronasituation entwickelt. Wir hätten viele schöne Ideen gehabt, beispielsweise ein Altstadt-Rennen mit Krankenbetten oder mit Rollstühlen inklusive Infusionsständer. Oder einen Patienten-Parcours, bei dem die Bevölkerung die komplette Behandlung einer Verletzung «nachspielen» kann und so an den einzelnen Stationen die verschiedenen Pflegeberufe von der Rettung bis zur Reha kennenlernt. Aber aufgrund der Pandemiesituation steht Vorsicht an oberster Stelle, und wenn es ums Gesundheitspersonal geht, sowieso. Aber Tag der Pflege ist schliesslich jedes Jahr!

Die Standaktion zum Tag der Pflege findet am 12. Mai von 10 bis 16 Uhr beim Vadiandenkmal in St.Gallen statt. Natürlich entsprechend den geltenden Massnahmen coronakonform.

vpod-ostschweiz.ch

pro-spital.ch

pflegeinitiative.ch

Kommt der Pflegenotstand erst noch oder haben wir ihn schon?

Ein zentrales und gut sichtbares Element am 12. Mai werden zwei grosse Transparente sein, die wir mit Korkzapfen 10’000 Mal bestempelt haben. Das ist die ungefähre Anzahl von Mitarbeitenden, an denen es schon heute landesweit in der Pflege mangelt. Und das wird sich in den nächsten Jahren nicht verbessern. Wenn die Politik nicht entschieden Gegensteuer gibt, wirds zu weiteren Privatisierungen und auch Spitalsschliessungen kommen. Wir haben ein grundsätzliches Problem im Gesundheitswesen: Solange die Privaten nicht dieselben Leistungen erbringen müssen wie die öffentlichen Spitäler, können die Öffentlichen im künstlich geschaffenen Wettbewerb nur verlieren.

Wo sehen Sie die grössten Probleme in den Pflegeberufen?

In der Ausbildung muss einiges passieren. Die Weiterbildung an der Höheren Fachschule muss sich für Interessierte rascher beim Lohn bemerkbar machen. Viele erwägen einen Diplomlehrgang allein aus finanziellen Überlegungen gar nicht erst. Die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden. Je nach Spital ist zum Beispiel die Umkleidezeit anders geregelt. Wo diese neu als Arbeitszeit zählt, wurde einfach andernorts verdichtet. Unter dem Strich muss also immer mehr Arbeit in immer kürzerer Zeit verrichtet werden. Darunter leidet natürlich die Qualität.

Das sind klassische Gewerkschaftsthemen. Sie müssten sich eigentlich die Hände reiben. Warum lässt sich das Gesundheitspersonal aber so schlecht mobilisieren?

Es ist wirklich schade, wie wenig Leute sich tatsächlich engagieren. Ich kann es mir nur in Teilen erklären. Vermutlich sind viele einfach abgelöscht und haben die Hoffnung aufgegeben, dass sich etwas ändern könnte. Und vielleicht spielt auch Angst vor Repression seitens der Vorgesetzten mit. Wobei diese Angst angesichts des Personalmangels ja eigentlich unbegründet wäre. Die Betriebe sind auf jede einzelne Person angewiesen.

Wie entwickeln sich die Mitgliederzahlen in ihrer VPOD-Sektion?

Die Zahlen sind einigermassen stabil, tendenziell leicht rückgängig. Aktuell sind es 826 insgesamt und 251 beim Gesundheitspersonal. Wir versuchen gerade, möglichst dezentral agierende Betriebsgruppen aufzubauen. Das ist aber enorm schwierig. Gerade im Thurgau oder in Appenzell Ausserrhoden wird uns aber nicht einmal erlaubt, auf dem Gelände der Spitäler Werbung für den VPOD zu machen. Viele ältere Mitglieder sind froh, dass jetzt wieder etwas mehr läuft als auch schon. Aber das ist eben auch ein Problem: Viele ältere Pflegende verlassen den Beruf. Diese Vorbilder fehlen den Jüngeren.

Inwiefern ist die Konkurrenz unter den Gewerkschaften hinderlich bei der Mobilisierung?

Klar, wir leben von unseren Mitgliedern. Aber grundsätzlich gilt: Organisiert euch! Da ist es schon fast egal, bei wem. Nur mit einer breiten Basis bekommen unsere politischen Forderungen das nötige Gewicht. Wir jagen uns nicht gegenseitig die Mitglieder ab, wir alle müssen wachsen. Eine Mitgliedschaft bei uns ist halt nicht ganz gratis zu haben, aber wir brauchen das Geld. Dafür unterstützen wir unsere Leute beispielsweise auch juristisch, nötigenfalls bis vor Bundesgericht. Wir müssen im Personal an den Solidaritätsgedanken appellieren, das ist absolut entscheidend. Ich bin ja nicht nur für mich Mitglied, sondern auch für die anderen.

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