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Sprache ist der Schlüssel zur Integration

Migration verlangt von den Zugewanderten, dass sie die Sprache des Gastlandes beherrschen. Schätzungsweise ist bei zehn Prozent der in die Schweiz eingewanderten Bevölkerung diese Voraussetzung nicht vorhanden. Eine öffentliche Forumsveranstaltung mit Workshops am St.Galler Begegnungstag am Samstag im Katharinensaal, an der sich viele Migranten beteiligten, stand unter dem Motto: «Wie viel Sprache braucht Integration?» Für […]
Von  Harry Rosenbaum
nadia baghdadi: "Sprache hat einen festen Platz in der Ausländerpolitik

Migration verlangt von den Zugewanderten, dass sie die Sprache des Gastlandes beherrschen. Schätzungsweise ist bei zehn Prozent der in die Schweiz eingewanderten Bevölkerung diese Voraussetzung nicht vorhanden. Eine öffentliche Forumsveranstaltung mit Workshops am St.Galler Begegnungstag am Samstag im Katharinensaal, an der sich viele Migranten beteiligten, stand unter dem Motto: «Wie viel Sprache braucht Integration?»

Für Nino Cozzio, St.Galler Stadtrat mit italienischen Wurzeln, ist Sprache die Grundlage aller Entwicklung. Sie beeinflusst die Arbeitsteilung und wirkt auf das Zusammenleben der Individuen. Sie ist für fremdsprachige Zugewanderte die Integrationsbedingung schlechthin. Die Sprache des Gastlandes zu erlernen, brauche viel Energie und guten Willen, ist sich Cozzio bewusst.

Sprache hat einen festen Platz in der Ausländerpolitik
Nadia Baghdadi, seit zehn Jahren in der Migrationsarbeit tätig, Islamwissenschaftlerin und Dozentin an der Fachhochschule St.Gallen (FHS), sieht in der Sprache den Schlüssel für die Integration. Erst durch Sprache können Probleme wahrgenommen und gelöst werden. Migration, so Baghdadi, meine den dauerhaften Aufenthalt im Gastland. Die damit nötige Integration könne nur durch die Förderung des Spracherwerbs bewältigt werden. «Sprache hat einen festen Platz in der Ausländerpolitik», sagte Baghdadi. «Offiziell wird Integration als friedliches Zusammenleben und Teilhaben an wichtigen gesellschaftlichen Ereignissen, als Chancengleichheit, verstanden. Das bedingt seitens der Ausländer den Willen und seitens der Schweizer die Offenheit.»

Die FHS-Dozentin sieht in der schweizerischen Gesellschaft gewissermassen «das Haus der Integration». Die Tür zu diesem Haus lasse sich mit dem Schlüssel Sprache öffnen, weil Sprache Teilhabe an Wirtschaft, Bildung und Kultur bedeute, sagte Baghdadi. Wer als Zugewanderter die Sprache seines Gastlandes nur mangelhaft beherrsche, erwecke den Eindruck, dass sein Wille, sich zu integrieren, ebenfalls mangelhaft sei. Dies sei einer der Nachteile des hohen Stellenwertes der Sprache bei der Integration. Diese Anforderungen an den Spracherwerb könnten zum Ausschluss, zur Selektion und Stigmatisierung jener führen, die nicht in der Lage seien, mitzuhalten.

Zur schweizerischen Position im Migrationsprozess meinte Baghdadi, dass es nachvollziehbar sei, wenn sich das «Haus Schweiz» zu schützen versuche. Unter dieser Art von Selbstschutz versteht die FHS-Dozentin, dass vom Beherrschen einer der Landessprachen die nationale Identität und Integrität abhängig gemacht wird. «Integration zusammen mit Spracherwerb ist ein gesamter und umfassender gesellschaftlicher Prozess», lautet das Fazit der FHS-Dozentin.

Bedeutung des Spracherwerbs
Eine Gruppe von Studentinnen und Studenten der FHS präsentierte eine Arbeit über die Bedeutung des Spracherwerbs am Arbeitsplatz. Dabei sind zwanzig Arbeitgeber aus den Sektoren Dienstleistung, Bau und Industrie befragt worden. Mehrheitlich gilt der Faktor Sprache im Verhältnis zu den beschäftigten Migranten als «problemlos». Wenn es denn aber trotzdem Probleme gibt, sind diese nicht durch die Herkunft des Arbeitnehmers bestimmt, sondern durch den Typ.

Bei zehn der befragten Betriebe ist die Beherrschung der Sprache eine Voraussetzung für die Anstellung, bei sieben teilweise und bei drei spielt dies keine Rolle. Im Dienstleistungs- und Industriesektor wird Sprachkompetenz von den zugewanderten Mitarbeitenden verlangt, im Sektor Bau geht man damit etwas legèrer um. Die Umfrage habe gezeigt, dass sich die Arbeitgeber ihrer Integrationsrolle noch zu wenig bewusst seien, lautete das Fazit der FHS-Studenten.

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