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St.Gallen hat eine Stadtpräsidentin – fast!

Das Parlament wird grünliberaler und Maria Pappa ist die grosse Siegerin im Wahlkampf um das St.Galler Stadtpräsidium. Zwar gibt es einen zweiten Wahlgang, aber der ersten Stadtpräsidentin in der Geschichte scheint nicht mehr viel im Weg zu stehen.
Von  Corinne Riedener , 
Maria Pappa, Peter Jans (rechts hinter ihr) und der SP-Juso-PFG-Fraktionspräsident Daniel Kehl (links) freuen sich.

Die Stimmbeteiligung in der Stadt war mit über 52 Prozent erfreulich hoch an diesem Sonntag. Alle vier bisherigen wurden im Stadtrat bestätigt: Peter Jans (SP) hat die Wiederwahl mit 14’850 am deutlichsten geschafft, gefolgt von Maria Pappa (SP) mit 14’150 Stimmen und Sonja Lüthi (GLP) mit 14’025 Stimmen. Deutlich abgeschlagen, aber ebenfalls wiedergewählt wurde der parteilose Markus Buschor. Er schaffte mit 12’183 Stimmen das absolute Mehr (11’451) eher knapp.

Der Wahlkampf ums Stadtpräsidium geht am 29. November in die zweite Runde. Das absolute Mehr lag bei 11’044 Stimmen. Maria Pappa holte 9116, Mathias Gabathuler von der FDP 7437 und Markus Buschor 4854 Stimmen.

«Darüber muss ich zuerst einmal schlafen»

Dieser zeigte sich nach der Bekanntgabe der Resultate im Athletikzentrum ernüchtert. Zwar freut er sich über die Wiederwahl, auch über jene der anderen drei Bisherigen, aber die Enttäuschung über seine Niederlage im Kampf ums Präsidium war ihm deutlich anzusehen.

Ob er im zweiten Wahlgang nochmals antritt, konnte er am Sonntag noch nicht sagen. «Darüber muss ich zuerst einmal schlafen.» Im Gespräch wirkte er nicht sonderlich optimistisch. «Woher sollen denn die fehlenden 4000 Stimmen kommen?»

Markus Buschor im Gespräch mit Noch-Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

12’000 Stimmberechtigte wollten Buschor wieder als Stadtrat, aber nur knapp 5000 trauen ihm offenbar das Stadtpräsidium zu. Dass er für den Stadtrat erst an vierter Stelle gewählt wurde, überrascht ihn nicht. «Die Medienberichterstattung, was das Thema Fehler betrifft, war bei mir sicher am intensivsten», sagt er.

Einen «Supertag» hat hingegen Maria Pappa, die das Athletikzentrum tanzend Richtung Wahlfeier verlässt. Sie liegt für den zweiten Wahlgang ums Stadtpräsidium deutlich vorne, auch wenn sie betont, dass die Karten jetzt nochmals neu gemischt werden. «Die vielen Stimmen haben mir gezeigt, dass die Stadt bereit ist für ein neues Gesicht, für eine neue Art von Führung und für eine neue Art der Repräsentation», sagt die Seconda.

Banges Warten vor der Bekanntgabe der Wahlresultate.

Auch Mathias Gabathuler ist «sehr zufrieden». Er hat mit 10’889 Stimmen das absolute Mehr von 11’451 nur knapp verpasst. Natürlich hätte er sich noch ein bisschen mehr gefreut, wenns bereits im ersten Wahlgang geklappt hätte für den Stadtrat, sagt er, aber sein Resultat sei trotzdem «sehr erfreulich». Und dass ihn doch fast 7500 Menschen als Stadtpräsident wollen, zeige, dass er im Wahlkampf Profil gezeigt und seine Positionen gut vertreten habe.

Stadtpräsidium: Buschor hats in der Hand

Wie und ob es im zweiten Wahlgang weitergeht, wollte Gabathuler am Sonntag noch nicht sagen, das entscheide er zu einem späteren Zeitpunkt zusammen mit der Parteileitung und mit seinem privaten Umfeld. Seinen Entscheid will er an einer Pressenkonferenz bekannt geben.

Mathias Gabathuler hat seine Familie mitgebracht.

Dass Gabathuler im zweiten Wahlgang für den Stadtrat noch einmal antritt, ist wohl gesetzt. Er war den anderen – Trudi Cozzio (CVP, 9’958 Stimmen), Karin Winter-Dubs (SVP, 6’946 Stimmen und Markus Müller (parteilos, 4’029) – voraus.

Wie hingegen der zweite Wahlgang fürs Stadtpräsidium ausgehen wird, hängt vor allem von Markus Buschors Entscheidung ab. Maria Pappa ist ihm über 4000 Stimmen voraus. Verzichtet er auf einen zweiten Wahlgang, was angesichts seines Resultats nachvollziehbar wäre, stehen die Chancen mehr als gut, dass Pappa einen Grossteil seiner Stimmen erbt – und damit zur ersten Stadtpräsidentin der Stadt St.Gallen gewählt wird.

Stadtparlament: Grünliberale rücken auf

Bei den Stadtparlamentswahlen setzt sich ein Trend der vergangenen Jahre fort. Die traditionellen Volksparteien haben es immer schwerer, ihre Sitze zu halten. Gemerkt haben das dieses Jahr die SP, die FDP, die CVP und die SVP, die je einen Sitz verloren. Einen Sitz dazugewonnen hat hingegen die Grünenfraktion.

Die neue Sitzverteilung sieht folgendermassen aus:

  • SP: 17
  • Juso: 1
  • PFG: 1
  • FDP: 10
  • JFDP: 1
  • CVP: 8
  • EVP: 1
  • SVP: 8
  • Grüne: 7
  • Jünge Grüne: 1
  • Grünliberale: 7
  • Junge Grünliberale: 1

 

Klare Wahlsieger sind die Grünliberalen. Sie gewinnen drei Sitze dazu und liegen mit ihren acht Fraktionsmitgliedern neu gleich auf mit CVP, SVP und der Grünenfraktion.

SP minus eins, Grüne plus eins. Für rot-grüne Mehrheiten im Parlament bleibt es schwierig. Die Grünliberalen waren schon in der letzten Legislatur oft das berüchtigte Zünglein an der Waage. Mal stimmten sie mit den Bürgerlichen, mal mit Links-Grün. Da war die GLP im Parlament noch zu fünft – die nächsten vier Jahre züngeln sie zu acht.

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

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