, 12. Juni 2018
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St.Galler Leihvelos ab 2020

Grosse Sympathie des St.Galler Stadtrates für den Aufbau eines Veloverleihsystems: Ab Frühling 2020 sollen die ersten E-Bikes rollen und frei in der Stadt parkiert werden können.

Gut Ding will Weile haben – aber nun soll es klappen: Die Stadt St.Gallen soll ein Veloverleihsystem bekommen, wie es bereits viele andere Städte eingeführt haben. Der Stadtrat hat eben den Postulatsbericht zu einem fast zehn Jahre alten Vorstoss der Stadtparlamentarierinnen Doris Königer (SP), Thomas Brunner (GLP) und Stefan Rosenblum (CVP) veröffentlicht.

Nägel mit Köpfen

In einer ersten Etappe sollen in St.Gallen ab Frühling 2020 rund 150 E-Bikes für den Verleih bereit stehen – in der hügeligen Stadt sollen alle Leihvelos motorisiert sein. Weil der Stadtrat keine fixen Stationen will und höchstens an neuralgischen Punkten wie am Bahnhof, an der Universität, beim Kantonsspital oder bei grossen Unternehmen speziell bezeichnete Abstellplätze markieren will, gibt es ein klar favorisiertes System: Die in Zürich bereits fahrenden Smide-E-Bikes.

Der Stadtrat will aber auch Dinge, die Smide nicht anbietet: Man solle die Velos auch ohne vorherige Registrierung spontan nutzen können, via Smartphone-App und Kreditkarte. Bei Smide ist eine Registrierung nötig, denn dabei handelt es sich um schnelle E-Bikes der Firma Stromer, deren Motoren bis zum Tempo von 40 km/h unterstützen. Deshalb sind Fahrausweis und Helm obligatorisch. Den herkömmlichen Velos gleichgestellt sind nur E-Bikes, die bis zu 25 km/h schnell sind.

Der Stadtrat hat auch schon weiteres abgeklärt. Er plädiert in einer ersten Phase für 150 Velos. Die Zahl könnte sich bei guter Nutzung verdoppeln. Namentlich dann, wenn sich die Region Appenzell AR / St.Gallen / Bodensee mit insgesamt 43 Gemeinden für das gleiche System entscheiden würde. Die Stadt will aber die Velos nicht selbst beschaffen und setzt auch beim Betrieb auf Drittanbieter. Erst die Submission wird zeigen, ob Smide all diese Anforderungen erfüllen kann. Bei der Gründung dieses Anbieters war die Mobiliar-Versicherung Geburtshelferin – inzwischen hat das Management die Firma übernommen.

Enkeltauglich und konzepttreu

Der Stadtrat plädiert ganz grundsätzlich für ein Veloverleihsystem. Zwar können schon heute in der Velostation unter der Fachhochschule Fahrräder ausgeliehen werden, die Nutzung werde aber deutlich besser, wenn Velos überall in der Stadt bereit stehen und abgestellt werden können. Das sei dann auch eine Massnahme zur Umsetzung des Reglements für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung.

Diese Reglement wurde erst im März in der Volksabstimmung indirekt bestätigt: Die Stimmberechtigten haben die «Mobilitätsinitiative» der bürgerlichen Parteien, die dieses Reglement aufheben wollte, mit 68 Prozent deutlich abgelehnt. Mehr Velo- und weniger motorisierter Verkehr entspreche auch dem Mobilitätskonzept 2040 und dem Energiekonzept 2050 der Stadt, argumentiert der Stadtrat.

Ausserdem werde ein Veloverleih das Image der Stadt als fortschrittliches Zentrum der Ostschweiz untermauern – selbst dann, wenn sich am sogenannten Modalsplit (der Aufteilung der Fahrten auf die verschiedenen Verkehrsträger) nur marginal etwas ändern werde. Im nationalen Vergleich ist gemäss Studien (Infos hier oder hier) St.Gallen weiterhin eine Autostadt.

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