Kategorie
Autor:innen
Jahr

Stadtprojektionen zum Fünften

Die fünfte Ausgabe der St.Galler «Stadtprojektionen» zeigt am Einkaufszentrum Grossacker, am nahen Schulhaus und an drei weiteren Gebäuden Werke von neun Kunstschaffenden. Parallel dazu ist eine Publikation mit Werken der bisherigen Ausgaben erschienen.
Von  René Hornung
Guy Ben Ner: Moby Dick, 2000, Stummfilm, 12:16 Min., Pausenhof Primarschule Grossacker

Die beiden St. Galler Kunsthistorikerinnen Anna Vetsch und Nina Keel kennen sich vom Studium. Beide beschäftigen sich mit dem öffentlichen Raum und mit Architektur. Seit 2016 haben sie bereits vier Mal «Stadtprojektionen» organisiert, jetzt folgt die fünfte Ausgabe. Nach der Altstadt, dem Linsebühl, der Lachen und dem Familien- und Frauenbad Dreilinden sind die Projektionen dieses Jahr in St.Fiden zu seheh: am Grossackerzentrum, an drei Nachbargebäuden und im Areal der Primarschule Grossacker.

Kultige Ikonen

Die Kuratorinnen haben ikonische Gebäude ausgewählt, die wichtige Etappen der Stadtsanktgaller Baugeschichte repräsentieren. Das Primarschulhaus Grossacker mit seinen Pavillons und den grosszügigen Grünflächen wurde 1956/57 gebaut. Entworfen hat es das Architekturbüro von Ziegler, Balmer, Bärlocher und Unger. Die «Schweizerische Bauzeitung» lobte die Anlage schon vor dem Baustart. Das Projekt zeige, «dass in St. Gallen die Zeit nicht stillgestanden ist». Die Schulanlage wird als schützenswert beurteilt und soll erhalten bleiben, auch wenn das benachbarte Areal des Kinderspitals teilweise neu überbaut wird (mehr dazu auf hier). Die Schule ist auch im ISOS (Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz) in der höchsten Schutzkategorie.

Stadtprojektionen V:
19. bis 22. September

Vernissage: 19. September, 19 Uhr, Pausenplatz ­Primarschule Grossacker. Rundgang mit den Kuratorinnen: 20. und 22. September, 19:30 Uhr, Treffpunkt auf der Südseite des Schulhauses, Zugang von der Flurhofstrasse

Das zweite ikonische Gebäude, das als «Leinwand» dient, ist das Einkaufszentrum Grossacker mit dem Silberturm. Es wurde 1973–1977 nach Plänen des St. Galler Architekten Heinrich Graf gebaut. Die beiden Kuratorinnen wählen an solchen Bauten die Projektionsflächen aus: Unter dem Haupteingang zum Silberturm werden KI-generierte Arme an die Decke projiziert, die symbolisch das Gewicht mittragen.

Mélodie Mousset: HanaHana, 2016/2024, Video, 15 Min., Eingang Silberturm

Auf der Terrasse des Einkaufszentrums und an einem Fenster an der Falkensteinstrasse sind weitere Bilder zu finden. Drei Projektionen befinden sich im Areal des Primarschulhauses Grossacker. Dort ist auch die Vernissage angekündigt. Weitere Werke sind im Innenhof des Blocks auf der Westseite des Grossackerzentrums zu sehen und weiter ostwärts an der Falkensteinstrasse – auch in der ehemaligen Metzgerei Wegmann.

Wechselspiel zwischen Kunst und Architektur

Alle diesjährigen Projektionen sind typisch fürs Konzept der beiden Kuratorinnen. Immer wieder laufen sie durch die Stadt und suchen nach Wänden, auf die sie Bilder und Filme projizieren können. So entsteht das Wechselspiel zwischen Kunst und Architektur. «Die Standorte und die dort gezeigten Werke bringen wir bei unseren Stadtwanderungen zusammen. Wir sind ständig im Austausch, welche Kunstwerke wir zeigen möchten – und wo», schildert Anna Vetsch den Entstehungsprozess. «So verbinden wir die Orte und deren Geschichte mit den Kunstwerken», ergänzt Nina Keel.

Die bisherigen Ausgaben der Stadtprojektionen hätten gezeigt, dass sich viele Quartierbewohner:innen in den vier Nächten auf den Weg machen, um nahe Orte neu oder gar erstmals zu entdecken. Weil dieses Jahr drei Arbeiten rund ums Schulhaus gezeigt werden, sind auch Kunstvermittlungen für Schüler:innen geplant.

Unter den neun in diesem Jahr projizierten Arbeiten sind sieben Filme und zwei Fotoserien. Sie stammen von Zilla Leutenegger, Guy Ben Ner, Noha Mokhtar, Luisa Zürcher, Ilana Harris-Babou, Mélodie Mousset, Regula Engeler, Elisabeth Nembrini und Alexandra Bondi de Antoni. Die Anfragen der Kuratorinnen führen bei den Kunstschaffenden mitunter zu einem Umdenken, denn viele Arbeiten sind für andere Medien oder für Projektionen in geschlossenen Räumen entwickelt worden. Diese draussen und in neuen Dimensionen zu zeigen, löse manchmal bei Künstler:innen Irritationen aus. Kommt dazu, dass die unterschiedlichen Projektionsflächen die Werke verändern: «Plötzlich ist da ein Lüftungsgitter mitten im Bild, oder eine Strassenlampe stört», so Nina Keel. «Kunstschaffende müssen deshalb bereit sein, die Kontrolle über ihre Werke ein Stück weit abzugeben», ergänzt Anna Vetsch.

Die Initiantinnen der St. Galler Stadtprojektionen haben eine Dokumentation in Buchform herausgebracht, die einige der bisher gezeigten Werke – auch solche der erst noch stattfindenden fünften Ausgabe – dokumentieren. Vorgestellt werden die fünf unterschiedlichen Umgebungen in den Quartieren, dazu werden ausgewählte Arbeiten in Bild und Text dokumentiert. Gestaltet hat den Band Laura Prim.

Im Buch finden sich zwei längere Texte von Kunsthistorikerinnen. Yasmin Afshar stellt unter anderem fest, dass während der Nächte der Stadtprojektionen eine temporäre Gemeinschaft in der Stadt entsteht und es zu mehr spontanem Austausch in den Strassen kommt. Dort, wo die Beamer in Wohnungen platziert werden, niste sich das Projekt wortwörtlich in Wohn- und Schlafzimmern ein. Lauren Elkin schreibt in ihrem Beitrag, dass Stadträume männlich geprägt seien und die Projektionen dazu einen Gegenpol bildeten. Sie betont, dass die Kuratorinnen bewusst feministische Themen in den öffentlichen Raum tragen.

Bestellungen: post@stadtprojektionen.ch, Fr. 28.–

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB

Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene

Mehr Platz für Bü­cher und Ma­te­ri­al­mus­ter

Ei­nes der vie­len Ge­bäu­de des Sit­ter­werks, die vor ge­nau 100 Jah­ren er­bau­te Schwarz­fär­be­rei, be­her­bergt heu­te die Kunst­bi­blio­thek und die Ma­te­ri­al­mus­ter­schrän­ke. Ei­ne Auf­sto­ckung soll künf­tig mehr Platz schaf­fen.

Von  René Hornung
Sittwerwerk Aufstockung Bibliothek

Sze­na­ri­en für die Vo­lie­re im St.Gal­ler Stadt­park

Noch bis in den Herbst hin­ein und auch in den zwei fol­gen­den Som­mern bleibt die Vo­lie­re im Stadt­park ei­ne Bu­vet­te. Ab 2029 wird sie zur «Mai­son des œufs», zum di­dak­ti­schen Hüh­ner­hof. Die ein­ge­reich­ten Ideen sa­hen noch ganz an­de­re Nut­zun­gen vor.

Von  René Hornung
Maison des oeufs 1

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595