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Stimmbürger:innen entscheiden über Tempo 30 auf Hauptstrassen

Vertreter:innen der Verbände und Parteien, die gegen das Tempo-30-Verbot auf Hauptverkehrsachsen kämpfen, reichten am Montagmittag bei der St.Galler Staatskanzlei 5140 gültige Referendumsunterschriften ein. (Bilder: Reto Voneschen) 

Vertreter:innen der Verbände und Parteien, die gegen das Tempo-30-Verbot auf Hauptverkehrsachsen kämpfen, reichten am Montagmittag bei der St.Galler Staatskanzlei 5140 gültige Referendumsunterschriften ein. (Bilder: Reto Voneschen) 

Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden. 

Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee ge­gen den IX. Nach­trag zum Stras­sen­ver­kehrs­ge­setz des Kan­tons St.Gal­len hat am Mon­tag über 5000 be­glau­big­te Un­ter­schrif­ten bei der Staats­kanz­lei de­po­niert. Fürs Zu­stan­de­kom­men des Re­fe­ren­dums und da­mit ei­ner Volks­ab­stim­mung wä­ren 4000 Un­ter­schrif­ten nö­tig ge­we­sen. Jetzt liegt der Ball bei der Kan­tons­re­gie­rung: Sie muss das Zu­stan­de­kom­men des Re­fe­ren­dums fest­stel­len und den Ab­stim­mungs­ter­min fest­le­gen. Vor der Ab­ga­be der Un­ter­schrif­ten stell­ten sich am Mon­tag­mit­tag Ver­tre­ter:in­nen der be­tei­lig­ten Ver­bän­de und Par­tei­en den Me­di­en.

Ins­ge­samt ha­ben VCS, Um­ver­kehr, Pro Ve­lo, Fuss­ver­kehr Schweiz, SP, Grü­ne und Grün­li­be­ra­le so­wie Ju­so, Jun­ge Grü­ne und Jun­ge Grün­li­be­ra­le in­nert 30 Ta­gen 5500 Un­ter­schrif­ten ge­sam­melt. Da­von wur­den 5140 als gül­tig be­glau­bigt. Al­le Be­tei­lig­ten hät­ten un­ter er­schwer­ten Be­din­gun­gen gan­ze Ar­beit ge­leis­tet, wür­dig­te Rue­di Blu­mer (Gos­sau) als Spre­cher des Re­fe­ren­dums­ko­mi­tees die Be­mü­hun­gen der Un­ter­schrif­ten­samm­ler:in­nen. Auch das Be­glau­bi­gen der Un­ter­schrif­ten ha­be we­gen Fe­ri­en­ab­we­sen­hei­ten ei­ni­ge klei­ne­re Ge­mein­den vor ech­te Pro­ble­me ge­stellt.

Ab­stim­mung erst im nächs­ten Jahr

1700 oder ein Drit­tel der Un­ter­schrif­ten ge­gen das Tem­po-30-Ver­bot auf Haupt­stras­sen stam­men aus der Stadt St.Gal­len. Es ha­be aber auch aus al­len an­de­ren Ge­mein­den im Kan­ton Un­ter­schrif­ten da­bei, hielt Blu­mer fest. Wie es wei­ter geht, ist of­fen. Für die eid­ge­nös­si­schen Ab­stim­mungs­ter­mi­ne im lau­fen­den Jahr (27. Sep­tem­ber und 29. No­vem­ber) dürf­te es nicht mehr rei­chen. Die nächs­ten Blan­ko­ter­mi­ne des Bun­des für Ur­nen­gän­ge sind der 28. Fe­bru­ar und der 6. Ju­ni 2027. Da­mit wird die Tem­po-30-Fra­ge im Kan­ton St.Gal­len ver­mut­lich En­de Fe­bru­ar des nächs­ten Jah­res ent­schie­den.

Haupt­ar­gu­ment der Geg­ner:in­nen des neus­ten Nach­trags zum St.Gal­ler Stras­sen­ge­setz ist die Be­wah­rung der Ge­mein­de­au­to­no­mie. Mit der Re­vi­si­on wür­den den Ge­mein­den we­sent­li­che Kom­pe­ten­zen in ih­rer Ver­kehrs­po­li­tik ent­zo­gen, er­läu­ter­te Rue­di Blu­mer am Mon­tag­mit­tag auf dem Klos­ter­platz. Die Ein­füh­rung von Tem­po 30 wer­de näm­lich nicht nur auf Kan­tons-, son­dern auch auf Ge­mein­de­stras­sen ers­ter Klas­se un­ter­sagt. Das sei­en aber Stras­sen, die von den Ge­mein­den sel­ber fi­nan­ziert und un­ter­hal­ten wür­den.

Transparente und anderes Material warten am Montagmittag am Rand des Klosterplatzes auf die Übergabe der Referendumsunterschriften gegen das neue Strassenverkehrsgesetz an die Staatskanzlei.

Transparente und anderes Material warten am Montagmittag am Rand des Klosterplatzes auf die Übergabe der Referendumsunterschriften gegen das neue Strassenverkehrsgesetz an die Staatskanzlei.

Da­mit grei­fe der Nach­trag zum kan­to­na­len Stras­sen­ge­setz in die Au­to­no­mie der Ge­mein­den ein, kri­ti­sier­te Blu­mer. Die­se wüss­ten aber am bes­ten, wel­che Kreu­zun­gen zu ge­fähr­lich und wel­che Stras­sen zu laut sei­en. Da­her be­stimm­ten Ge­mein­den heu­te sel­ber über das Ver­kehrs­re­gime. Die­se Pra­xis ha­be sich be­währt. Es brau­che in die­ser Fra­ge nun wirk­lich kei­ne Be­vor­mun­dung der Ge­mein­den durch den Kan­ton. Ganz ab­ge­se­hen da­von, dass Tem­po 30 dort ein­ge­führt ge­hö­re, wo es aus Grün­den von Lärm- und Kli­ma­schutz so­wie aus Rück­sicht auf die Le­bens­qua­li­tät nö­tig sei.

We­ni­ger schnell, da­für mit we­ni­ger Lärm

Das The­ma von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen bringt die Ge­mü­ter im Kan­ton St.Gal­len seit ei­ni­ger Zeit in Wal­lung: Ein­zel­ne Ge­mein­den wol­len aus Si­cher­heits­grün­den und zur Ein­hal­tung der Lärm­schutz­vor­schrif­ten Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen ein­füh­ren. Die­se Mass­nah­me ist nicht nur wir­kungs­voll, son­dern er­heb­lich kos­ten­güns­ti­ger als lan­ge und häss­li­che Lärm­schutz­wän­de oder «Flüs­ter­be­lä­ge». Trotz­dem sind die bür­ger­li­chen Kan­to­nal­par­tei­en da­ge­gen. Da sie im Kan­tons­rat ei­ne kla­re Mehr­heit ha­ben, wol­len sie die­ser Mass­nah­me auf Ge­mein­de­ebe­ne ge­ne­rell ei­nen Rie­gel schie­ben.

Aus­ge­löst ha­ben den Kreuz­zug ge­gen Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen Plä­ne der Stadt St.Gal­len. Sie will das Tief­tem­po flä­chen­de­ckend ein­füh­ren. Das Kon­zept wur­de an­fäng­lich vom Kan­ton mit­ge­tra­gen, dann aber durch ei­ne Kehrt­wen­de der Kan­tons­re­gie­rung fürs ers­te ver­hin­dert. Im bür­ger­lich do­mi­nier­ten St.Gal­ler Kan­tons­par­la­ment wur­den die Plä­ne der Kan­tons­haupt­stadt als all­ge­mei­ner An­griff auf den mo­to­ri­sier­ten Ver­kehr ver­stan­den. Das lös­te hef­ti­ge, teils auch emo­tio­na­le und po­le­mi­sche Ge­gen­re­ak­tio­nen aus. 

So wur­den die bis­her im Rah­men ei­ner Aus­nah­me­re­ge­lung weit ge­fass­ten Kom­pe­ten­zen der Stadt St.Gal­len zur Fest­le­gung des Ver­kehrs­re­gimes be­schnit­ten. Und im Herbst 2023 wur­de ei­ne Mo­ti­on ge­gen Tem­po 30 auf so­ge­nann­ten ver­kehrs­ori­en­tier­ten Stras­sen über­wie­sen. Als sol­che gel­ten Kan­tons­stras­sen so­wie Ge­mein­de­stras­sen ers­ter Ord­nung. Die Kan­tons­re­gie­rung hat­te Nicht­ein­tre­ten auf die Mo­ti­on be­an­tragt, un­ter­lag aber im Kan­tons­rat. Mit dem jetzt per Re­fe­ren­dum be­kämpf­ten IX. Nach­trag zum Stras­sen­ver­kehrs­ge­setz setz­te sie den Mo­ti­ons­auf­trag des Par­la­men­tes um.

Tem­po-30-Be­für­wor­ter:in­nen im Ge­gen­wind

Wie die Stimm­be­rech­tig­ten ver­mut­lich En­de Fe­bru­ar 2027 über die Tem­po-30-Fra­ge ur­tei­len wer­den, ist schwer zu sa­gen. Klar ist, dass Ver­bän­de und Par­tei­en, die sich für Tem­po 30 auf Haupt­ach­sen ein­set­zen, in länd­li­chen Re­gio­nen und in der Ag­glo­me­ra­ti­on mit dem Tief­tem­po­kon­zept im Ge­gen­wind ste­hen. Ob sie mit der von ih­nen ar­gu­men­ta­tiv in den Vor­der­grund ge­stell­ten Fra­ge der Ge­mein­de­au­to­no­mie ent­schei­dend Ge­gen­steu­er ge­ben kön­nen, ist of­fen. Punk­ten wird das Nein-Ko­mi­tee si­cher in der Gal­lus­stadt und teils auch in stark ver­kehrs­be­las­te­ten Re­gio­nal­zen­tren. 

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Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
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