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Stolze queere Stadt

Am Samstag findet in St.Gallen die erste Pride statt. Diese LGBTIQ-Demo wird ein Fest, macht aber auch politisch klare Ansagen – was in Zeiten wie diesen umso nötiger ist.
Von  Corinne Riedener
Illustration: Melissa Gutekunst, Pride St.Gallen

Pride-Demos: Es gibt kleine und grosse, sie sind laut und bunt und voller Glitzer, und fast jede Stadt, die etwas auf sich hält, hat eine. Nun gehört auch St.Gallen dazu, es war längst überfällig.

Diesen Samstag ist es so weit. «Zeit, Farbe zu bekennen», lautet das Motto der ersten St.Galler Pride. «Damit wollen wir ein Zeichen setzen und zeigen, dass queere Menschen auch in der Ostschweiz ein fester Bestandteil der Gesellschaft sind», sagt Andy Calzavara, Co-Präsidentin des Vereins St.Gallen Pride, den sie zusammen mit Andi Giger und Amanda Künzle führt. Gegründet wurde er erst vor einem Jahr.

Es gehe um weit mehr als um Sichtbarkeit, sagt Calzavara. «Die Pride ist politisch. Wir gehen nicht nur auf die Strasse, um unser buntes und reiches Leben zu feiern. Wir kämpfen: für die Gleichstellung und den Schutz vor Gewalt.»

Der Katalog ist lang. Unter anderem fordert Pride St.Gallen die Ausweitung des Diskriminierungsschutzes auf Geschlechtsidentitäten, eine nationale offizielle Erfassung von Hassverbrechen, ein Verbot von Konversationstherapien, besseren Schutz für queere Geflüchtete, einfacheren Zugang zu geschlechtsangleichenden Behandlungen, sichere Räume für queere Menschen und gleichen Zugang zu Samenspenden wie für Hetero-Paare. Hier der ganze Katalog.

Hetze führt zu Gewalt

Diese politische Ansage ist erfreulich. Die Forderungen sind intersektionell. St.Gallen Pride bezieht klar Stellung, auch in der teils hitzigen Debatte unter Feminist:innen, von denen manche ein grosses Problem mit der Gleichbehandlung von trans Menschen und insbesondere trans Frauen haben. Was völlig absurd ist, denkt frau an die eigenen Diskriminierungserfahrungen und früheren Kämpfe. Leider machen sich diese sogenannten Terfs (trans exclusive radical feminists) momentan zu dankbaren Helferinnen der Rechten in ihrem Kampf gegen «Wokeismus» und «Genderwahn».

Das laute Gender-Gebell von Rechts derzeit lässt sich im Übrigen nicht einfach mit «Wahljahr» abtun. Man hört es ja nicht nur in der Schweiz. In gefühlt allen westlichen Industriestaaten tut sich seit geraumer Zeit alles von Rechtsextrem über Radikalkonservativ bis weit in die sogenannte Mitte zusammen, um gegen queere und insbesondere trans Menschen zu hetzen. Dieses Anstacheln von rechter Seite führt zu immer mehr Gewalt, insbesondere zu stochastischer Gewalt.

Das zeigt sich auch in der hiesigen Statistik: Die Angriffe auf LGBTIQ-Menschen in der Schweiz haben einen neuen Höchststand erreicht. 2022 wurden fast 50 Prozent mehr körperliche und verbale Angriffe auf Schwule, Lesben oder trans Menschen gemeldet als im Vorjahr. Betroffen sind vor allem junge Menschen und auch immer mehr trans Personen. Das zeigt der im Mai erschienene Hate-Crime-Bericht von Pink Cross, der Lesbenorganisation LOS und dem Transgender Network Schweiz TGNS (der Bund erhebt im Gegensatz zu vielen anderen Ländern keine Hate Crime-Statistik). Oft handelt es sich um verbale Beleidigungen und Beschimpfungen, bei jedem fünften gemeldeten Fall ist körperliche Gewalt im Spiel.

Alle sind willkommen

Sich davon nicht einschüchtern zu lassen, ist einfacher gesagt als getan, vor allem im Alltag, im Ausgang, allein im Zug oder an der Bushaltestelle. Auch darum braucht es die Pride: Um zu zeigen, wie gross, bunt und stolz die LGBTIQ-Community auch in der Ostschweiz ist und um gemeinsam Kraft zu tanken. Andy Calzavara betont aber ausdrücklich, dass alle Menschen herzlich willkommen sind an der Pride, nicht nur die LGBTIQ-Community. «Wir sind familienfreundlich, barrierefrei und haben ein Awareness-Team für alle Fälle.»

St.Gallen Pride: 12. August

13 Uhr: Demo ab Kornhausplatz
15 Uhr: Reden St.Leonhardspark
20 Uhr: Afterpaty im Flon

Weitere Infos, Awareness und Barrierefreiheit: stgallenpride.ch

Sie rechnet mit 1000 bis 1500 Menschen am Samstag in St.Gallen. Natürlich sei es schwer einzuschätzen, auch weil gleichzeitig noch Street Parade ist, aber angesichts der breiten Zustimmung aus vielen Vereinen, Verbänden, Unternehmen und auch seitens der Behörden sei sie zuversichtlich. Unter anderem laufen Pink Cross, LOS, Otherside, UniGay, die Pädagogische Hochschule St.Gallen, der Verein PinkCop für queere Polizist:innen und auch diverse Private Unternehmen an der Demo mit.

Sie startet um 13 Uhr am Kornhausplatz und führt via Neugasse, Bären- und Gallusplatz zum St.Leonhardspärkli. Dort warten eine Bar, Essens- und Infostände. Ab 15 Uhr reden unter anderem Stadtpräsidentin Maria Pappa, Joel Müller, Anna Rosenwasser, Sylvie Keller und House of Poderosa, dazu gibt es Dragshows und Musik. Die Afterparty mit Stella Sanchez, Hund mit 8500PS, Fluidlake und Karaoke findet ab 20 Uhr im Flon statt.

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

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Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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