Kategorie
Autor:innen
Jahr

Strassenhund trifft Kinderherz

Im Kinderbuch «Pablos Reise» von Julia Heier geht es um einen kleinen italienischen Streuner, der das Herz eines Mädchens erobert und heimlich mit ihr an den Bodensee reist. Wir haben mit der Autorin gesprochen.
Von  Veronika Fischer
Julia Heier. (Bild: zvg)

Saiten: Worum geht es in Pablos Reise?

Julia Heier: Vordergründig taucht man ein in die Geschichte des kleinen Strassenhundes Pablo, der durch unglückliche Umstände seine Mutter verliert, sich im chaotischen Gemenge einer Grossstadt verirrt und schliesslich durch die Freundschaft zum Mädchen Karla eine abenteuerliche Reise an den Bodensee unternimmt. Dabei trifft er immer wieder auf Personen, die ihm helfen, weiterzukommen. Die Themen, die hinter der Erzählung stehen, sind der Verlust von Heimat, die Trennung von den eigenen Eltern, die Kraft der Freundschaft und die treibende Sehnsucht nach Geborgenheit.

Meistens spielen Kinderbücher ja an neutralen Orten. Sie hingegen beschreiben Neapel und den Bodensee unverwechselbar. Wie kam diese Wahl zustande?

Der Bodensee ist für mich mein Zuhause, meine zweite Heimat, ein idyllischer Ort – ein kleines Paradies, das es zu hüten gilt. In Pablos Reise schreibe ich von grünen, weiten Wiesen, einem kristallklaren See, unzähligen Blumen und Apfelbäumen – nach denen sich der Protagonist allein durch die Erzählungen eines Kindes sehnt.

Die harmonisch geordnete Heimat steht in der Erzählung in Kontrast zu vielen anderen, wilderen und chaotischeren Orten auf dieser Welt, die ebenso wunderschön sind – beispielsweise das Eingangsbild, das sich von Süditalien abzeichnet, einem Ort des bunten Treibens, unendlicher Widersprüche und von einzigartiger Schönheit. Man braucht nur die erste Seite lesen, um zu merken, wie viel ich mit Neapel verbinde. Diese Erinnerungen stammen zu einem grossen Teil aus Reisen in meiner Kindheit, aus Goethes Italienischer Reise und auch aus den Jahren, in denen ich in Italien gelebt habe.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Kinderbuch zu schreiben?

Ich habe Germanistik und Romanistik studiert und unterrichte seit acht Jahren an der Kantonsschule Trogen und an der Universität Konstanz. Zudem bin ich Mutter einer dreijährigen Tochter und somit allabendlich mit dem Vorlesen von Kinderbüchern beschäftigt. Die ersten Texte zu Pablos Reise habe ich bereits vor der Geburt meines Kindes, auf einer Reise durch Sizilien entworfen. Ich hatte schon immer einen engen Bezug, eine grosse Bewunderung für die Kindheit und das Kindsein im Allgemeinen. Die Aufgabe, als Autorin die Menschen durch Geschichten in eine andere, in diesem Fall in eine wunderschön unberührte Welt, zurück zu führen, hat mir gefallen.

Für wen haben Sie Pablos Reise geschrieben?

Für all jene Kinder, deren Zuhause nicht immer der schönste Ort im Leben ist und sich aus irgendeinem Grund von Eltern, Heimat oder bekannten Strukturen trennen und irgendwo ganz neu anfangen müssen. Pablos Reise soll zeigen, dass dies auch ganz schön gut ausgehen kann…

Für welche Altersgruppe eignet sich Ihre Erzählung?

Im Besonderen eignet sie sich als Vorlesebuch für Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren. Darauf wurde auch die Gestaltung abgestimmt: Auf der linken Seite ist im Querformat jeweils der Text eines Kapitels platziert und auf der rechten Seite findet sich ein grosses, die ganze Seite ausfüllendes Bild. Durch diese klare Struktur kann sich das Kind auf die Bilder konzentrieren.

Pablos Reise: ab Ende August im Buchhandel. Vorbestellung mit kostenloser digitaler Version: lene-verlag.de

Gab es eine reale Vorlage für Pablo und Karla oder sind beide Figuren frei erfunden?

Pablo gab es wirklich, allerdings habe ich ihn als Jugendliche in einem neapolitanischen Tierheimzwinger entdeckt und ihn im Zug, zusammen mit meiner besten Freundin, einfach mitgenommen. Mit ihm habe ich viele Abenteuer erlebt.

Die Geschichte der Reise, die Pablo in der Erzählung ganz alleine antritt, und die den Hauptplot bildet, ist fiktiv. Ich habe darin allerdings viele Erzählungen aus meiner Arbeit mit unbegleiteten jugendlichen Geflüchteten verwoben, die mich sehr berührt haben. Für mich war klar, dass die Reise über Wasser gehen muss und dass der kleine blinde Passagier trotz aller Widrigkeiten, Ängste und unüberwindbar scheinenden Hürden immer wieder auf Menschen trifft, die ihm helfen und die «gut» sind. Nur so schafft er es letztlich, heil an sein Ziel zu kommen und zu Karla zurückzufinden.

Sie haben Ihr Werk selbst verlegt. Warum?

Zum einen, weil ich so frei über meinen Text, die Bilder, die Gestaltung und die Buchform entscheiden konnte, zum anderen, weil ich damit einen grossen, unheimlich spannenden Einblick in die Arbeit der Illustratorin, der Gestaltungs- und Webagentur, den Buchdruck sowie in den Buchhandel allgemein bekommen habe – und mir nun zudem die Möglichkeit offensteht, weitere Bücher zu veröffentlichen.

Wie hat sich die Suche nach passenden Illustrationen gestaltet?

Ich habe einige Illustratoren angefragt und bin schliesslich doch bei einer befreundeten Künstlerin gelandet, Helena Haslach. Sie ist im Allgäu bereits für ihre Kalender bekannt, die sie jährlich mit viel Liebe gestaltet. In ihren wundervoll bunten, handgezeichneten und vor Details wimmelnden Bildern verlieren sich Kinder oft und gerne – und ihr ist es meiner Meinung nach am besten gelungen, die vielen verschiedenen Stimmungen auf Pablos Reise einzufangen und trotz allen Herausforderungen eine kleine und am Ende doch heile Pablo-Welt zu entwerfen.

Ist eine Fortsetzung geplant?

Ein Folgeband ist in Arbeit. Es geht um Pablos Ankunft, das Leben am Bodensee und die Ein- und Umgewöhnung in fremde Orte und Kulturen. Dass dies nicht immer auf Anhieb gelingt, muss auch Pablo erkennen…

Jetzt mitreden: 2 Kommentare
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
gundy,  

Hat uns(mir +Enkelin) sehr gut gefallen und warten sehnsüchtig auf das nächste Buch.

Willi Eugster,  

Das scheint ein sehr schönes Buch zu werden. Das Thema ist sehr aktuell. Manchmal mag man kaum mehr daran glauben, aber es gibt immer noch sehr viele helfende Menschen. Ich freue mich auf das Buch, welches ich auch meiner Enkelin vorlesen werde.

Sehn­sucht nach Frei­heit

Das Thur­gau­er Pop-Phä­no­men Noe­mi Be­za ver­öf­fent­licht An­fang Ju­ni ih­re neue EP. You’ll Find Me The­re ver­eint Coun­try-Vi­bes mit ast­rei­nem Pop – was man ein we­nig ver­misst, sind Ecken und Kan­ten.

Von  Jeremias Heppeler
1 Pressefoto Noemi Beza Youll Find Me There

Kolumne: Stimmrecht im Juni

Back to the Fu­ture

Von  Liliia Matviiv

Ausstellung in Herisau

70 Jah­re und 70 Pup­pen

Von  Vera Zatti
70 Jahre SG Ausstellung

«Gros­ses Lob für die­sen Kel­ler»

Nach 22 Jah­ren gibt Mat­thi­as Pe­ter die Lei­tung der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne ab. Vom Raum ist er nach wie vor be­geis­tert. Aber dem Ka­ba­rett ging es auch schon bes­ser, er­zählt er im Ge­spräch.

Von  Peter Surber
2606 Redeplatz Matthias Peter

Für ei­nen Mo­ment be­rührt

Die Thur­gau­er Künst­le­rin Mi­cha Stuhl­mann be­fasst sich in ih­rem neu­en Pro­jekt mit dem Da­sein im Mo­ment. Am 7. Ju­ni fin­det da­zu ein Work­shop in St.Gal­len statt und am 26. Ju­ni zeigt sie mit ih­rem En­sem­ble die fi­na­le Per­for­mance in Kreuz­lin­gen. 

Von  Vera Zatti
Martin Schweingruber DA SEIN Vorpremiere 20260509 tgkultur 31 von 49

Mu­si­ka­li­sches Fest zum 150.

Die Ton­hal­le Wil wur­de 1876 er­öff­net. Seit­her be­rei­chert sie prak­tisch un­un­ter­bro­chen das kul­tu­rel­le Le­ben der Äb­te­stadt. An den kom­men­den zwei Wo­chen­en­den wird ge­fei­ert.

Von  Roman Hertler
DSC2639

Lau­te Ein­sam­keit

Jo­nas Ul­rich taucht mit sei­nem ers­ten Spiel­film in die Black-Me­tal-Welt ab. Wol­ves ist ei­ne bild­star­ke Ge­schich­te über Ein­sam­keit und das Da­zu­ge­hö­ren, vol­ler Ge­gen­sät­ze und mit et­was holp­ri­gen Dia­lo­gen.

Von  Daria Frick
001 wolves

Das Ge­dächt­nis der Zu­kunft

St.Gal­len be­wahrt nicht mehr nur 1000-jäh­ri­ge Hand­schrif­ten. Mit dem In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht hier ein Ar­chiv für Web­sei­ten, künst­li­che In­tel­li­genz und das di­gi­ta­le Ge­dächt­nis der Zu­kunft.

Von  Philipp Bürkler
2606 Internet Archive 01
Heftvorschau 06/26
archive.org, Generalverdacht, 80er-Aufbruch

Mit In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht in St.Gal­len ein Ab­le­ger des gröss­ten Ar­chivs für Web­si­ten und Künst­li­che In­tel­li­genz welt­weit. Aus­ser­dem im Ju­ni­heft: Män­ner un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht, das gros­se St.Gal­ler 80er-Buch, das Ab­schieds­in­ter­view mit dem lang­jäh­ri­gen Kel­ler­büh­nen­chef und die Fla­schen­post aus Ve­ne­dig.

Saiten 2606 01 Cover

«Han­deln wi­der bes­se­res Wis­sen ist wie­der po­pu­lär»

Der WWF St.Gal­len wird 50 Jah­re alt. Sein Ge­schäfts­lei­ter Lu­kas In­der­maur zieht bei der Be­ur­tei­lung der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on von Na­tur und Um­welt ei­ne durch­zo­ge­ne Bi­lanz.

Von  Reto Voneschen
2605 Redeplatz Lukas Indermaur

Freu­de am Ma­chen

«Urs Frei. A – Z» im Kunst­mu­se­um St. Gal­len ist die ers­te Re­tro­spek­ti­ve zum aus­ser­or­dent­li­chen Schaf­fen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Ar­bei­ten ge­ben Ein­blick in ein Werk, das kaum zu fas­sen ist. Das ge­hört zu sei­ner Qua­li­tät.

Von  Ursula Badrutt
Urs frei online

Ideen für die Zu­kunft

Wie wol­len wir künf­tig le­ben und un­se­re Nah­rungs­mit­tel pro­du­zie­ren? Die Aus­stel­lung «How goes To­mor­row» der Ost­schwei­zer Künst­le­rin Clau­de Büh­ler in der Shed­hal­le in Frau­en­feld sen­si­bi­li­siert für nach­hal­ti­ge Hand­lungs­stra­te­gien. 

Von  Vera Zatti
IMG 9114

Vom Un­glück der Frau, die ihn ge­bo­ren hat

«Das Kind zu­rück­las­sen? Wie kann man so dumm und herz­los sein», schreibt der Schwei­zer Au­tor Lu­kas Bär­fuss über sei­ne Mut­ter, die kei­ne Mut­ter für ihn sein konn­te. In sei­nem neu­en Buch schaut er in die Ver­gan­gen­heit und hat Ver­ständ­nis, nicht für die Mut­ter, aber doch für die­se Frau, die nie Glück und im­mer zu we­nig Geld hat­te.

Von  Sieglinde Wöhrer
Jhqzg1tg 1 1 Stefano de Marchi

Lau­sanne-Ouchy vs. FCSG – St. Gal­len ist end­lich Cup­sie­ger!

Gaal, Gört­ler und Wit­zig schies­sen St. Gal­len zum lang­ersehn­ten Cup­sieg!

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bis­se am Bo­den­see­ufer

Die Me­di­ka­men­ten­ver­su­che von Müns­ter­lin­gen als Teil ei­nes Vam­pir-Mu­si­cals? Auf die Idee muss man erst ein­mal kom­men. Die Büh­ne Mam­mern wagt den Ver­such. Ab 29. Mai im Zir­kus­zelt.

Von  Michael Lünstroth
Cast landscape

Zwi­schen Gleis, Ge­gen­wart und Ge­sell­schaft

Die dies­jäh­ri­ge Kul­tur­lands­ge­mein­de fin­det ent­lang der Bahn­li­nie zwi­schen Gos­sau und Was­ser­au­en statt. Es ist ein in­ter­dis­zi­pli­nä­res Ex­pe­ri­m­ent­zwi­schen Kunst, Ge­sell­schaft und Ak­ti­vis­mus. Aus­ser­dem stellt die Kul­tur­lands­ge­mein­de künst­le­risch und or­ga­ni­sa­to­risch die Wei­chen für die Zu­kunft.

Von  Philipp Bürkler
KULA Vorstand Oleksandra Tsapko

Ein Fes­ti­val für Punk­rock

Am Sams­tag fin­det in St.Gal­len erst­mals das Punk­fes­ti­val El Car­tel statt. Es soll da­zu bei­tra­gen, die Sze­ne zu stär­ken. Da­bei fehlt es ge­ra­de in St.Gal­len an Nach­wuchs.

Von  David Gadze
Yellow tales grabepunk

Wy­bora­da: Die fe­mi­nis­ti­sche Bi­blio­thek der Ost­schweiz

Seit 40 Jah­ren macht die Bi­blio­thek Wy­bora­da in St.Gal­len sicht­bar, was lan­ge fehl­te: Li­te­ra­tur von und über Frau­en. Heu­te sind Au­torin­nen und fe­mi­nis­ti­sche The­men zwar stär­ker prä­sent in der Öf­fent­lich­keit, doch die Re­le­vanz der Bi­blio­thek ist nach wie vor gross.

Von  Marion Loher
2605 Wyborada Laura Tura room

Or­ches­trier­ter An­griff ge­gen ex­ter­nen Auf­klä­rungs­un­ter­richt 

Mit ei­ner In­ter­pel­la­ti­on grei­fen SVP und EDU im St.Gal­ler Kan­tons­rat den aus­ser­schu­li­schen Auf­klä­rungs­un­ter­richt an. Und mit Un­ter­stüt­zung des «Leh­rer­netz­werks Schweiz» wol­len El­tern aus Büt­schwil ei­ne Mit­ar­bei­te­rin der Fach­stel­le für Aids- und Se­xu­al­fra­gen vor Ge­richt brin­gen. Da­hin­ter steckt ei­ne or­ches­trier­te Ak­ti­on.

Von  René Hornung
2502 Aufklaerung Badges Inv nr 1300

Brü­cke zwi­schen mu­si­ka­li­scher und sprach­li­cher Tra­di­ti­on

«Die­ci», die ita­lie­ni­sche Zahl für zehn, ist das Mot­to des dies­jäh­ri­gen Hei­den-Fes­ti­vals. Es ver­weist da­bei nicht nur auf das Ju­bi­lä­um, son­dern auch auf ei­ne kul­tur­po­li­ti­sche Hal­tung.

Von  Lilli Kim Schreiber
Heiden Festival Nicoals Senn Tom Rigney USA