, 3. September 2013
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Swansea City: Mehr als ein Klub

Swansea City, Gegner des FC St.Gallen, ist kein normaler Fussballklub: Er hat eine ungewöhnliche Geschichte und besondere Besitzverhältnisse.

«Swansea City, le Barça version anglaise» – so titelte der Walliser «Nouvelliste» vor rund einem Jahr einen Bericht über den Gegner des FC St.Gallen in der Europa League.

In den englischen Medien heisst der Klub auch «Swanselona» oder «Swansea Triangles». Der traditionelle Name ist aber: «The Swans».

Grund für die Vergleiche mit Barelona ist der Stil der Mannschaft. Sie spielt schier endlos kurze Pässe, läuft viel und versucht, sich immer im Dreieck zu organisieren. Kein Wunder gibt es im Kader nicht wenige Spanier. Einer der herausragenden Akteure ist der Mittelfeldspieler Michu, 2011 für 2,5 Mio. Euro von Rayo Vallecano verpflichtet. In der letzten Saison erzielte er 18 Tore. Als er erstmals nach Swansea reiste, musste er bei der Mutter des Zeugwarts übernachten. Die Klubverantwortlichen hatten vergessen, ihn abzuholen.

Glaubt man der «BBC»-Doku «Swansea City – The Fall and Rise», wurde der Spielstil aus der Not geboren: Der Klub hatte kein Geld, um sich im britischen Markt mit qualitativ guten und gross gewachsenen Spielern einzudecken. Also setzte man auf ein System, für das es bezahlbare Spieler gab. Erfinder war Roberto Martinez, der bereits als Spieler dafür sorgte, dass Swansea überhaupt noch sportlich existierte und später Trainer wurde. Die Fans mussten sich umgewöhnen: «With Roberto, we scored four, when they scored three.» Sein Nachfolger hiess Brendan Rogers, inzwischen Manager in Liverpool. Seit letzter Saison ist Michael Laudrup Trainer in Swansea. Der bisher grösste Erfolg des Klubs (neben diversen walisischen Cupsiegen) war der Sieg im Ligacup 2013, im Wembley vor 83’000 Zuschauern.

Doch Swansea ist mehr als ein Klub mit einer spielstarken Mannschaft. Ungewöhnlich sind die Besitzverhältnisse: Swansea City gehört den Fans und lokalen Geschäftsleuten. Auslöser war eine Fanbewegung gegen den ungeliebten Investor Tony Petty, der den maroden Klub 2002 für nur ein Pfund übernommen hatte. Der Widerstand war breit, anhaltend – und letztlich erfolgreich. Im BBC-Film sind Plakate zu sehen auf denen stehen unter dem Titel «Enemy No. 1» zwei Namen: Osama bin Laden (ist durchgestrichen), Tony Petty.

Irgendwann hatte Petty genug und zog sich zurück. Seither sind die Anhänger, die sich in einem «Supporters Trust» organisiert haben, mit 20 Prozent am Klub beteiligten und auch im Vorstand vertreten. Als es kurz nach der Übernahme in einem entscheidenden Spiel darum ging, ob Swansea nochmals absteigen und sich aus dem Profi-Fussball verabschieden muss, war der Rückhalt riesig. Im Film erzählt einer, wie er seinen Job verlor, weil er ans Spiel ging, leider aber auf einem Zeitungsfoto vor dem Stadioneingang sehen war. Hat sich das trotzdem gelohnt? «Natürlich!»

Das Spiel hatte James Thomas entschieden, der zuvor bei den Blackburn Rovers engagiert war, aber in die walisische Heimat zurückkam, als die Not am grössten war. Thomas schoss drei Tore, das letzte ein wunderbarer Heber.

Danach ging es rasch aufwärts mit Swansea City. Seit 2006 wird im neuen The Liberty Stadion mit 20’000 Plätzen gespielt. 2011 gelang der Aufstieg in die Premiere League und deshalb spielt die Mannschaft nun «against Europe’s finest Clubs», wie es die BBC formuliert.

Noch heute ist vieles anders in Swansea. Trainiert wird in einer öffentlichen Sportanlage. In der Garderobe treffen die Fussballer auf Leuten, die sich umziehen, um Tennis zu spielen oder zu klettern. Die Nähe zu den Anhängern ist wichtiger, als eine perfekte Vorbreitung. Dem «Spiegel» erzählte der deutsche Torhüter Gerhard Tremmel, das erst seit kurzem vor dem Anpfiff keine Kinder mehr in die Garderobe gelassen würden. «Alle hatten Trikots an, wollten Autogramme und ein gemeinsames Foto, was für ein Chaos!»

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