«Als Kulturschaffender ist man ohnehin schon ein bisschen am Rande der Gesellschaft, heutzutage wo nur noch Geld und Erfolg zu zählen scheint, doch ohne Kultur könnten wir auch wieder zurück auf die Bäume mutieren.» So drastisch drückt einer seinen Unmut aus, der die städtische Kultur seit Jahrzehnten belebt: Louis de Saint-Gall. Andere sagen es freundlicher, etwa Dirigent Rudolf Lutz: «Ich schätze eine differenzierte und ausführliche Berichterstattung im Tagblatt.»
«Kultur muss sichtbar bleiben»
Im Grundsatz sind sich die zahlreichen Kommentare zur Online-Petition einig: Die lokalen Kulturseiten in der Stadtausgabe («St.Galler Kultur») und in der Thurgauer Zeitung müssen bleiben. Die vermutlich bevorstehende Zusammenlegung in eine in den Mantelteil integrierte Seite «Regionkultur» würde die Kultur schwächen – und die Zeitung. Der Gymnasiallehrer Stefan Stirnemann schreibt ausdrücklich: «Mit dem Abbau würde nicht nur die Kultur verlieren, sondern auch eine gute Zeitung an Wert einbüssen.»
Die heute in Baar lebende, lange in St.Gallen tätige Schriftstellerin Theres Roth-Hunkeler kommentiert aus Distanz: «Kultur muss sichtbar bleiben – und sie blüht auch in der Region. Darüber zu berichten ist die Chance einer regionalen Tageszeitung.» Und aus der Nähe die Stimme von Schauspieler Marcus Schäfer: «Tagblatt ist das einzige Printmedium, das sich an ein breites Publikum richtet und sich in dieser Ausführlichkeit täglich der ‚StadtKultur‘ widmet. Beim Wegfall der Seite droht der Verlust dieser urbanen Berichterstattung, Kultur würde weiter in Nischen abgedrängt, von denen nur die Leute mitbekommen, die eh schon Teil der Nische sind.»
Diese Meinung teilen offensichtlich viele. Als erster hatte Alex Meszmer reagiert: Auf die Berichte in Saiten und im Onlineforum thurgaukultur.ch hin lancierte der in Pfyn tätige Künstler am 10. Juni eine Petition zur Erhaltung der lokalen Kulturseiten. 500 Unterschriften waren das Ziel – erreicht war es bereits nach einem Tag. Und am Freitag mittag, drei Tage nach Petitionsstart, hatten bereits rund 1050 Personen die Bittschrift unterzeichnet.
Ein Mail an den Chefredaktor
«Kultur ist offensichtlich ein wichtiges Anliegen für die Leserschaft des Tagblatts», bilanziert Meszmer in einem Mail an dessen Chefredaktor Philipp Landmark , und weiter: «Die Petition wird noch eine Woche weiter laufen und ich hoffe, dass wir Sie dazu bewegen können, der Kultur im Tagblatt den Stellenwert zu geben, den sie auf Grund ihrer Vielfalt und ihrer Reichhaltigkeit verdient.» Anschliessend will Meszmer Landmark die Petition überreichen.
Vielleicht nützt sie etwas – immerhin äussern sich viele Leute positiv zur heutigen Kultur-Berichterstattung, darunter auch die in Trogen lebende Puppenspielerin Kathrin Bosshard: «Das St.Galler Tagblatt trägt Mitverantwortung für das kulturelle und soziale Lebens in St.Gallen. Umfangreich über dieses zu berichten, zu informieren und dieses dadurch mit lebendig zu halten und zu fördern, das ist Pflicht für eine Zeitung, die so konkurrenzlos und prominent für die Region steht. Die Stadt-Kulturseiten und Focus müssen erhalten bleiben wie sie jetzt sind. Ich bitte sehr darum.»
Sollte die Petiton hingegen ohne Erfolg bleiben, dann sieht einer wie der Theatermann Oliver Kühn schwarz: «Sonst können wir die Ostschweiz demnächst ganz einstellen.»
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