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Talken mit der neuen Schweiz

Die Schweiz braucht mehr migrantische Perspektiven. Bei «We Talk. Schweiz ungefiltert» diskutieren Menschen mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrungen über Themen, die beschäftigen. Am 10. März startete die erste Folge mit der Frage, wie Politik emanzipiert und damit gerechtere Verhältnisse für alle geschaffen werden können. von Sandra Cubranovic
Von  Gastbeitrag
Juristin Lejla Medii und Stadtpräsidentin Maria Pappa im Palace St.Gallen. (Bilder: Raumsinn)

«Wir müssen das bisherige Narrativ nicht übernehmen. Es heisst nicht Schweizer*innen gegen Ausländer*innen. Es ist mehr eine antirassistische, feministische, progressive Kraft gegen Ideen, deren Zeit schon lange abgelaufen ist», sagt der St.Galler Historiker Cenk Akdoğanbulut über die antirassistische Bewegung.

Im neuen Diskussions-Format «We Talk. Schweiz ungefiltert» sind Menschen mit Migrationsgeschichte Gäste, Gastgeber*innen und Produzent*innen. Die Plattform soll Raum für mehr Selbstermächtigung, Repräsentation, Mitsprache und politische Teilhabe schaffen.

Cenk Akdoğanbulut

In der ersten Online-Ausgabe diskutieren Cenk Akdoğanbulut, die Juristin Lejla Medii, die Black Lives Matter-Aktivistin Samantha Wanjiru und St.Gallens Stadtpräsidentin Maria Pappa mit Moderator Mardoché Kabengele, was es heisst, eine Migrationsgeschichte zu haben, über strukturellen Rassismus und darüber, dass Entscheidungen, die nicht gefällt werden, auch Entscheidungen sind.

Gesellschaftspolitische Ohnmacht und Spaltung überwinden

Empowerment ist der Begriff der unausgesprochen in der Luft schwebt – es geht um den Prozess der Selbstermächtigung. «Wir möchten nicht mehr vage skizziert werden, warten oder sogar darauf hoffen, dass wir nach unserer Meinung gefragt werden oder diese korrekt wiedergegeben wird», sagt das Kollektiv.

Samantha Wanjiru

Mehr als ein Drittel der in der Schweiz lebenden Menschen haben Migrationsgeschichte, zeitgleich wird dieses Drittel im öffentlich gesellschaftlichen Leben oder in den Medien unterrepräsentiert oder stereotypisiert dargestellt. Die Initiant*innen von «We Talk. Schweiz ungefiltert» – ein Zusammenschluss der Initiative Berner Rassismusstammtisch, dem Kollektiv Ostwind – Ostschweiz mit Migrationsvorsprung und dem Förderverein des Instituts Neue Schweiz – wollen das ändern.

Ziel der Bestrebungen ist es, den Diskurs in die Richtung von Diversität und dem damit verbundenen Gewinn an Reichtum von Wissen, Erfahrungen und Begabungen zu lenken.

«Verschiedenste Menschen aus unserem Kollektiv sind in den Bereichen Antirassimus, Migration und Feminismus lokal und national breit vernetzt. Seit der Ermordung von George Floyd und der Black Lives Matter-Bewegung ist eine neue antirassistische Selbstverständlichkeit da, welche dank jahrzehntelanger Vorarbeit von Aktivist*innen, Forscher*innen und Menschen in Politik, Bildungs- und Kulturarbeit gegen den zunehmenden Rechtspopulismus nun spürbar und breiter gelebt wird», erklärt das Kollektiv.

Legitimierter Rassismus in Institutionen

«Seien es Universitäten, die SBB, Polizei, Kitas, Spitäler oder Verwaltungen – keine dieser Institutionen würde von sich behaupten, institutionell oder gar strukturell rassistisch zu sein oder dementsprechend zu handeln. Dennoch lässt sich feststellen, dass Menschen mit Migrationsvorsprung und -geschichte, weniger an Universitäten vertreten sind, häufiger von der Polizei kontrolliert werden und durchschnittlich länger auf Zusagen, sei es für den Job oder eine neue Wohnung, warten müssen oder sie schlichtweg nicht als ‹richtige› Schweizer*innen gelten», so das Kollektiv.

Moderator Mardoché Kabengele

Reale Praxis in der Schweiz ist etwa das Racial Profiling. Es bezeichnet ein nach Stereotypen und äusserlichen Merkmalen basierendes Agieren von Polizeibeamt*innen, nachdem eine Person aufgrund nationaler Herkunft, Religion oder ethnischer Zugehörigkeit als verdächtigt eingestuft wurde.

Bezüglich der Chancen auf dem Arbeitsmarkt wurde mit einer Studie der Neuenburger Universität von 2020 bestätigt, dass Schweizer*innen mit ausländischer Herkunft 30 Prozent mehr Bewerbungen einreichen müssen, um zu einem Gespräch eingeladen zu werden. Besonders zwei Gruppen sind davon betroffen: Menschen mit balkanischen und afrikanischen Namen.

«We Talk. Schweiz ungefiltert» ist ab sofort zweiwöchentlich mit immer neuen Themen als Video- und Audiopodcast online.

we-talk.ch

instagram.com/wetalk.ch

facebook.com/WeTalk.Kollektiv

Die alte Idee der Differenz

Struktureller Rassismus, auch institutionalisierter Rassismus genannt, ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Er äussert sich unter anderem durch ein gesellschaftlich legitimiertes Klassifikationssystem, in Form von Gesetzen und Normen, das Menschen, einer binären Logik folgend, für dazugehörig oder nicht einstuft. Diese Ausschlussmechanismen bieten oder verbieten Zugang zu materiellen oder symbolischen Ressourcen.

«Es gilt zu verstehen, dass diese tief verankerte und verinnerlichte gesellschaftliche Struktur, diese Denk- und Handlungsweisen des Ungleichmachens – die wir alle kennen – von wenigen Privilegierten geschaffen und von uns allen akzeptiert wurden», sagen die Mitglieder des Kollektivs We Talk.

Und genau darum braucht die Schweiz mehr Geschichten aus migrantischer Perspektive. Um diese alten Ideen, von denen Akdoğanbulut spricht, deren Zeit wirklich schon lange abgelaufen ist, endgültig in die Tonne zu hauen.

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
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Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
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Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
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«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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