«Dergin Tokmak ist Tänzer. Er tanzt auf eine ganz besondere Art. Dergin Tokmak tanzt auf Krücken. Oder im Rollstuhl.» So, in Leichter Sprache, stellt die Fachhochschule St.Gallen Dergin Tokmak im Programm des Kulturzyklus Kontrast vor. Tokmak erkrankte als Kind an Kinderlähmung. Beziehungsweise Kinder-lähmung, wie man in Leichter Sprache schreibt.
Dass das ganze Programm des Kulturzyklus sowohl in «normaler» als auch in Leichter Sprache publiziert wird, ist für Stefan Ribler, Dozent an der FH und Initiant der Veranstaltungsreihe, ein programmatischer Entscheid: «Wenn es um Behinderung und Barrierefreiheit geht, dann soll auch die Verständlichkeits-Barriere möglichst tief gehalten sein.» Das Publikum gibt ihm recht: Rund die Hälfte der Besucherinnen und Besucher der vergangenen «Kontrast»-Veranstaltungen waren selber Betroffene mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen.
Dergin Tokmak performt The Rising Sun. (Bild: sixsteps.com)
Die Motivation zum «Kontrast»-Programm umschreibt Stefan Ribler so: An der Fachhochschule für Soziale Arbeit sei Behinderung zwar ein selbstverständliches Lernthema. Aber statt über Defizite zu reden, wollte man für einmal die künstlerischen Leistungen von Menschen mit Beeinträchtigung ins Zentrum stellen.
Vor fünf Jahren fand das einwöchige Mini-Festival zum ersten Mal statt. Womit Ribler selber nicht gerechnet hatte: Wie gross die Zahl solcher Kunstschaffenden ist, und dies in allen Sparten. Inzwischen habe sich der Zyklus einen Namen verschafft, die Kunstschaffenden kommen mit Anfragen auf die FH zu.
Neben Dergin Tokmak, dem Tänzer aus Deutschland, ist dieses Jahr das Zürcher Theater Hora zu Gast, das zu den internationalen Pionieren der Theaterarbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung zählt und in St.Gallen seine neue Produktion spielt: Katastrophenfilm. «Um was geht es? Das ist noch geheim», steht dazu im Programm.
Szene aus dem Stück Human Ressources, das 2015 vom Theater Hora aufgeführt wurde. (Bild: hora.ch)
Ein weiterer prominenter Gast ist der Autist Josef Schovanec, Autor des autobiografischen Buchs Durch den Wind. Der Film Draussen in meinem Kopf handelt von der Begegnung eines Pflegers mit dem Muskelschwund-Patienten Sven. Schliesslich ist auch eine Ausstellung Teil des Programms: Das Living Museum Wil, das sich als «Kunstasyl» für Menschen mit psychischen Erkrankungen bezeichnet, zeigt Arbeiten aus den vier Ateliers des Museums. Nach jeder Veranstaltung gibt es ein Gespräch mit den Künstlerinnen und Künstlern.
Kulturzyklus Kontrast: 6. bis 10. November, Fachhochschule St.Gallen
fhsg.ch
Diversität sei für die Fachhochschule nicht nur gegen aussen, sondern auch intern ein wichtiges Anliegen, sagt Stefan Ribler. Studierende mit Beeinträchtigung sind entsprechend willkommen – allerdings sei das je nach Art der Handicaps eine Herausforderung für den Unterricht. Wissensvermittlung mit visuellen Hilfsmitteln etwa stösst bei Sehbehinderten natürlich an Grenzen. Noch immer gelte in vielen Institutionen: «Behinderung findet fast nicht statt.» Der Kontrast-Zyklus trägt in diesem Sinn seinen Namen mit Recht.
Dieser Beitrag erschien im Oktoberheft von Saiten.
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.