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Im Rahmen der Nationalen Aktionstage Behindertenrechte findet ein inklusiver Schreibwettbewerb statt. Organisatorin Iris Andreska erzählt, wie es dazu kam und wie man mitmachen kann. 

Von  Bianca Schellander , 
Die Illustrationen zum Inklusions-Schwerpunkt im Juniheft hat Yolanda Zingg gemacht.

«Wenn du ständig ‹NIE› sagst, wird das ‹NIE› auch bleiben. Es wird eine unsichtbare, unüberwindbare Mauer für dich.» Mit diesem Satz beschreibt Iris Andreska, wie sie versucht, die Lernblockaden ihrer Schüler:innen zu lösen. Seit vier Jahren unterrichtet die St.Gallerin mit Tessiner Wurzeln ehrenamtlich Deutsch als Nachhilfe oder für Fremdsprachige. Es gibt ihr eine Tagesstruktur und stellt eine «sinnvolle Beschäftigung dar, die mich rausholt».

Aufgrund einer psychischen Erkrankung bezieht die 49-Jährige seit 2008 eine IV-Rente. Sie kann nur in kleinen Pensen arbeiten und weiss, wovon sie spricht, wenn sie erzählt, dass einem die Stimme verloren gehen kann. Sie konnte zu ihren schlimmsten Zeiten selbst nicht mehr sprechen. Und sie war kommunikativ herausgefordert, andere Wege zu finden, wenn denn die Kraft blieb. Die ehemalige Leiterin eines Behindertenwohnheims kämpft sich seit 16 Jahren zurück in ein «normaleres» Leben. Dabei unterstützt sie ihr Begleithund Ella. Ella hilft ihr, sich besser zurecht zu finden. Und gleichzeitig erschwert sie es ihr, eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt zu finden.

Davon lässt sich Iris Andreska aber nicht abhalten. Sie hat seit März den Fachausweis für Ausbildner:innen. Derzeit bildet sie sich zur Schreibpädagogin weiter und unterrichtet punktuell Mitarbeiter:innen in einem Behindertenwohnheim und in einem Autismusverein zum Thema UNO-Behindertenheimrechtskonvention. Ausserdem hat sie den Verein VALEO gegründet. Der Name (lateinisch für «ich bin stark») bezieht sich darauf, dass jede Person ihre Stärken hat und man allen mit Wertschätzung begegnen soll. Der Verein will soziale Ungleichheiten reduzieren durch Bildungsangebote und Beratungen, die auf die Gesundheitsförderung und Prävention sowie die Förderung der Selbstbestimmung von Menschen ausgerichtet sind.

Sendet euren Kurztext (max. 4500 Zeichen inklusive Leerschläge) oder Gedicht (max. 46 Zeilen) zum Thema «Ich & Wir» per Post an VALEO Verein, Rosenbergstrasse 77, 9000 St.Gallen oder per E-Mail an valeo-verein@bluewin.ch. Legt dem Text bitte ein kurzes Motivationsschreiben bei, warum ihr am Wettbewerb teilnehmen möchtet und was der eingereichte Text für euch bedeutet. Und vergesst nicht, euren vollständigen Namen und eure Kontaktdaten (Adresse, E-Mail und/oder Telefon) mitzuliefern.

Einsendeschluss ist der 30. Juni 2024. Drei Texte werden von einer inklusiven Jury ausgewählt und in der Septembernummer des Saiten-Magazins publiziert.

Die Schönheit der Sprache

Gerade in ihrer Arbeit mit autistischen Menschen hat Iris Andreska gemerkt, wie wichtig und zum Teil auch unbeachtet unterschiedliche Formen der Kommunikation sind. Sie ist in Kontakt mit Menschen, denen es schwer fällt, sich in Gruppen verbal zu äussern, und deren Stimme dadurch in den Hintergrund rückt, deren Gedanken nicht gehört werden. Gleichzeitig erhält sie von ebendiesen Menschen Mails, die sich eines vielfältigen und teils sehr präzisen Wortschatzes bedienen. Das löst bei ihr immer wieder Gänsehaut aus. Sie bewundert die Schönheit dieser Sprache und bedauert, dass der Rest der Welt sie nie zu Gesicht bekommen wird. Denn alleine durch die Präsenz anderer Menschen verfallen viele in Schweigen. «Man weiss gar nicht, was für ein Schatz in ihnen steckt», sagt Iris Andreska.

Ein Teilnehmer einer Gruppe schrieb ihr vor wenigen Wochen: «Du bist wie das Wasser im Fluss, du kannst meine Worte so klären, dass sie bei den anderen so ankommen, wie ich das meine, und nicht so, wie sie es verstehen.» Dieser Satz lässt Iris Andreska nicht mehr los. Und diesen reichen Schatz an Worten, der in so vielen Menschen steckt, will sie jetzt bergen.

Dazu entwickelte sie die Idee eines inklusiven Schreibwettbewerbes im Rahmen der Nationalen Aktionstage Behindertenrechte. Teilnehmen können alle, die eine Kurzgeschichte, ein Gedicht oder etwas Ähnliches zum Thema «Ich & Wir» verfassen möchten. Die Interpretation dieses Themas ist allen Teilnehmer:innen selbst überlassen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Text als geschützter Raum

Die Texte werden von einer Jury gelesen, in der auch Iris Andreska sitzt. Drei ausgewählte Texte werden in der Septemberausgabe von Saiten veröffentlicht. So können sie von vielen Menschen gelesen werden. Gleichzeitig können potenziell überfordernde Situationen für die Verfasser:innen vermieden werden, weil es keine öffentliche Lesung oder sonstige Veranstaltung geben wird. Die Wettbewerbs-teilnehmer:innen müssen nirgendwo hingehen und exponieren sich einzig über ihren persönlichen Text.

Mit ihren eigenen Erfahrungen hat Iris Andreska ein besonderes Gespür für sensible Situationen entwickelt. Sie weiss, wie man Fragen stellen muss, damit das Antworten leichter fällt. Wie wichtig ihr Inklusion ist, und wie sehr sie versucht, an alles zu denken, merkt man im Gespräch mit ihr. Ihr eigenes Erleben der Exklusion hat sie geprägt. Ihr ist bewusst, «wie schnell man sich wieder ausgeschlossen fühlt, gerade mit einer Behinderung». Mit ihren neuen Ausbildungen begleitet sie nun Menschen, die «sonst immer aus dem Raster fallen». Und dieser Schreibwettbewerb ist ein weiterer Schritt hin zu einem inklusiveren St.Gallen.

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
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