Auf die Frage, ob die Beteiligten mit den Fortschritten zufrieden sind, gab es die Note 2,8 von einer maximalen 5. Kein Triumph – aber er habe auch keine bessere Bewertung erwartet, kommentierte Kantonsbaumeister Michael Fischer die bescheiden ausgefallene Bewertung der Zwischenergebnisse. Auch das Begleitgremium sei sich im Klaren, dass es noch viele offene Fragen gebe. Immerhin haben die vier eingeladenen Planungsteams nach zwei Zwischenbesprechungen nun unterschiedliche Lösungen vorgestellt.
Doch was sind eigentlich die Eckwerte? Geht es darum, den umstrittenen Autobahnanschluss Güterbahnhof zu planen und nebenan ein neues Quartier zu bauen? Oder wird prioritär ein Quartier mit Wohnen und Gewerbe geplant, und der Verkehr muss später mit jenen Flächen Vorlieb nehmen, die ihm bleiben? Letzteres wohl nicht.
Vortritt für den Verkehr? Oder fürs Leben?
Für die Befürworter des neuen Autobahnanschlusses war weniger wichtig, wie die Häuser hier einmal stehen werden; für sie muss prioritär der Verkehr funktionieren. Dagegen geht es für die Verteidiger einer qualitätsvollen Stadtentwicklung um ein wohnliches Umfeld. Die Testplanung kann diese Grundsatzfragen nach den Prioritäten nicht wirklich beantworten. Es gehe zuerst um Stadträume und erst danach um die Nutzungen, stellte Kantonsbaumeister Fischer fest. Doch damit bleibt das Ganze ziemlich abstrakt.
Darum auch lauter Konjunktive: Man könnte lange Riegel aufs Areal stellen und einen Boulevard entlang der Güterschuppen einrichten. Man könnte sich aber auch eine Punktbebauung vorstellen mit einem oder mehreren hohen Häusern à la Fachhochschule. Man könnte den Autobahnzubringer in Richtung Stadt auf dem inzwischen aufgegebenen Trassee der Appenzellerbahn führen. Man könnte ihn aber auch unterirdisch bis vor die Leonhardsbrücke leiten.
Oder – ziemlich kühn gedacht – man könnte das Malik-Gebäude abbrechen und dort mit dem Autobahnzubringer in die Geltenwilenstrasse einmünden. Wie der Verkehr Richtung Westen in die Oberstrasse eingeführt werden könnte, wurde übrigens am Sounding-Board gar nicht erst vorgestellt.
Die Testplanungen der Teams von yellow z, Salewski Kretz und agps. (von oben)
Kein Wunder, gab es Warnungen vor «Riesen-Verkehrsknoten». Aber es gab auch Pros und Contras zu langen Zeilenbauten, zu öffentlichen Räumen. Velorouten wurden diskutiert: eine neue Verbindung auf der Südseite unter der Leonhardsbrücke hindurch – auf der Nordseite gibt es diese Verbindung ja schon. Man könnte… doch man müsste noch genauer überprüfen…. Man möchte, sollte … Die Konjunktive beherrschten die Diskussion.
Definitives folgt im Mai
Noch haben die Planungsteams ein paar Wochen Zeit, ihre Vorschläge zu schärfen. Im Mai sollen dann die definitiven Resultate vorgestellt werden. Doch bis auf dem Güterbahnhofareal – angesichts des Grundsatzstreits um Sinn oder Unsinn eines weiteren Autobahnanschlusses – etwas passiert, wird es wohl Jahrzehnte und nicht nur Jahre dauern. Und bis dann könnte die aktuelle Testplanung längst Makulatur sein.
Die St.Galler Stadtplanung müsste eigentlich wissen, was aus solchen Planungspapieren werden kann – und dass eben oft nichts daraus wird. Zur Erinnerung: 1992 erhielt die Stadt den Wakkerpreis für ihre damaligen Quartierplanungen. Schaut man sich diese inzwischen 30 Jahre alten Papiere an stellt man fest: Heute ist das alles Makulatur. Die Vorschriften, die Planungsprozesse, die Ziele einer Planung – alles hat sich inzwischen verändert.
Wenn allenfalls 2040 wirklich der Autobahnzubringer in Betrieb gehen sollte und dann das Areal Güterbahnhof überbaut werden kann, wird man womöglich für die heute erarbeiteten Pläne nur noch ein müdes Lächeln übrig haben.
Der Stadtrat will wie erwartet zwei weitere Tiefgarage bewilligen und setzt sich damit über den Volkswillen hinweg.
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann