Textilmuseum: Jetzt gilts ernst
Heute entscheidet das St.Galler Stadtparlament über den städtischen Beitrag von rund 7 Millionen Franken an die Sanierung und Erweiterung des Textilmuseums. An der Budgetsitzung Ende 2024 hatte es ihn noch aus der Investitionsplanung gekippt. Nun deutet vieles darauf hin, dass es ihm zustimmen wird
Unter dem Textilmuseum soll der neue Ausstellungssaal mit 1300 Quadratmetern entstehen. (Collagen: DOME, RAS)
In den kommenden Wochen gilt es Ernst für das Textilmuseum und dessen geplantes Erneuerungsprojekt im Umfang von 48 Millionen Franken: Am Dienstag kommt die Vorlage für den städtischen A-fonds-perdu-Beitrag von 7,25 Millionen Franken ins St.Galler Stadtparlament, ehe der Kantonsrat in der Wintersession ab 1. Dezember in der zweiten Lesung den Kantonskredit von 13,9 Millionen beraten wird.
Mit Spannung wird vor allem der Entscheid des St.Galler Stadtparlaments erwartet. Dieses hatte in der Budgetdebatte vom vergangenen Dezember mit einer deutlichen Mehrheit von 39 Ja- zu 20 Nein-Stimmen (bei zwei Enthaltungen und zwei Abwesenheiten) den städtischen Beitrag aus der Investitionsplanung gekippt – zwar ein rein symbolischer Akt, der für den Stadtrat nicht bindend ist, aber doch ein klares Signal. Stadtpräsidentin Maria Pappa hatte schon damals angekündigt, die Vorlage werde dennoch wie geplant in diesem Jahr dem Parlament vorgelegt.
Auch die Geschäftsprüfungskommission des Stadtparlaments hatte damals dafür votiert, den Beitrag aus der Investitionsplanung zu streichen, wenn auch knapp mit 6:5 Stimmen. Inzwischen sieht es anders aus: «Wir sind diesem Projekt gegenüber sehr positiv eingestellt und werden beantragen, dem städtischen Beitrag zuzustimmen», sagt GPK-Präsident Beat Rütsche (Mitte). Das Projekt sei eine «riesige Chance für die Stadt und den Kanton» und habe das Potenzial, zu einem «Leuchtturm» zu werden.
Den Stellenwert des Textilmuseums unterstreiche auch die Tatsache, dass es das Bundesamt für Kultur in den Kreis von 20 Schweizer Museen – darunter auch die Stiftsbibliothek – aufgenommen hat, die in der Förderperiode 2017–2020 Bundesgelder erhalten. Es bekommt in diesem Zeitraum 150’000 Franken jährlich.
Woher dieser Sinneswandel? Warum ist man plötzlich «sehr positiv»? Die GPK – bei der seit der neuen Legislatur, die am 1. Januar 2025 begonnen hat, vier von elf Mitgliedern neu sind – habe im Rahmen der Budgetdebatte in erster Linie aufgrund der angespannten finanziellen Lage der Stadt St.Gallen die Streichung des Beitrags aus der Investitionsplanung beantragt, sagt Rütsche.
Nur: An der finanziellen Lage der Stadt hat sich seither nichts verändert. Das sei richtig, sagt Rütsche. Wenn man sparen müsse, beginne man damit jedoch nicht bei kleineren Ausgabeposten, sondern bei den grossen. Ausserdem sei das Projekt damals noch «abstrakt» gewesen. Jetzt liege eine überzeugende Vorlage da, ausserdem sei es aussergewöhnlich, dass sich Private in diesem Umfang beteiligten – sie finanzieren rund die Hälfte der 48 Millionen, also etwa gleich viel wie die öffentliche Hand.
Allerdings wird die GPK einen Abänderungsantrag stellen: Da der Kantonsrat in der Herbstsession dem Antrag der vorberatenden Kommission gefolgt war und den Kantonsbeitrag von 14,5 Millionen Franken um 600'000 Franken gesenkt hatte, weil er die Reserve von 15 Prozent als ohnehin zu hoch erachtete, soll der Beitrag der Stadt um 300'000 Franken sinken, von 7,25 auf 6,95 Millionen. Damit würde der vereinbarte Kostenteiler von 2:1 gewahrt.
Die Fraktionen von SVP und FDP/JF waren an der Budgetsitzung dem Antrag der GPK, den städtischen Beitrag ans Textilmuseum aus der Investitionsplanung zu kippen, nicht gefolgt. Die SP/Juso/PFG-Fraktion hingegen hatte sich, durchaus überraschend, dafür ausgesprochen. Damals sei es «einfach eine Zahl im Bericht des Stadtrats» gewesen, sagt Co-Fraktionspräsidentin Angelica Schmid-Baerlocher. Gleichzeitig habe der Stadtrat als Folge des Sparpakets «Fokus25» diverse Ausgabenkürzungen vorgesehen, die aus linker Sicht nicht hinnehmbar gewesen seien und rückgängig gemacht werden mussten, etwa die Streichung des Weihnachtsgelds für Sozialhilfeempfänger:innen oder der Stellenabbau bei den Bademeister:innen. «Demgegenüber standen diese 7,5 Millionen, zu denen wir damals noch nichts Näheres wussten.»
Ausserdem habe das Textilmuseum ein paar Jahre zuvor erklärt, die Sanierung ohne öffentliche Gelder finanzieren zu wollen. Man sei also davon ausgegangen, dass eine Pinselrenovation genügen sollte. «Deshalb wollten wir, dass der Stadtrat eine Vorlage dazu vorlegt, bevor wir diesem Betrag zustimmen», sagt Schmid-Baerlocher.
Das erklärt zwar immer noch nicht, warum die SP/Juso/PFG-Fraktion den Betrag aus der Investitionsplanung strich, denn die Vorlage wäre, wie angekündigt und nun umgesetzt, so oder so gekommen – und hätte dann immer noch abgelehnt werden können. Stattdessen setzte sie mit ihrer grundsätzlichen Kritik am Projekt ein etwas irritierendes Zeichen, zumal zu jenem Zeitpunkt längst bekannt war, dass es eine Pinselrenovation nicht tun würde. Angelica Schmid-Baerlocher relativiert: «Für uns ist Kultur wichtig. Und es ist unbestritten, dass man sie fördern muss. Dass die Stadt die Sanierung und Erweiterung des Textilmuseum mit einem Beitrag unterstützt, ist richtig.» Die Vorlage begründe nun schlüssig, warum so viel Geld nötig sei. Die SP/Juso/PFG-Fraktion werde den Antrag der GPK, den städtischen Beitrag gemäss dem ausgehandelten Kostenteiler anteilmässig zu kürzen, voraussichtlich grossmehrheitlich zustimmen.
Zu reden gab allerdings sowohl in der GPK als auch in der SP/Juso/PFG-Fraktion, dass der Kanton von seinem Beitrag von 13,9 Millionen Franken deren 3,4 aus dem Lotteriefonds finanziert. Ein Teil der Mitglieder störe sich daran, sagt GPK-Präsident Beat Rütsche. Der andere Teil argumentiere, es sei egal, aus welchem Kässeli der Kanton seinen Beitrag leiste.
Angelica Schmid-Baerlocher teilt diese Ansicht nicht, im Gegenteil: «Während die Stadt ihren Beitrag vollumfänglich aus Steuergeldern bezahlt, nimmt der Kanton einfach einen Teil aus dem Lotteriefonds, in den ein grosser Teil aus der Stadt fliesst.» Es sei zwar richtig, dass der Lotteriefonds genau dazu da sei, um gemeinnützige Kulturprojekte zu fördern. Indem der Kantonsrat über die Verteilung der Lotteriefondsgelder bestimme – ein schweizweites Unikum –, werde dieser Topf zu einem politischen Instrument.
Stadtpräsidentin Maria Pappa hatte schon an der Budgetsitzung im Dezember angekündigt, die Vorlage werde dem Parlament 2025 vorgelegt, der Stadtrat werde aber «die Hinweise berücksichtigen». Inwiefern beeinflusste der damalige Entscheid also die Vorlage, die jetzt ins Parlament kommt? Zum einen erkläre die Vorlage nun detailliert, warum so viel Geld für die Sanierung und Erweiterung des Textilmuseums notwendig sei. «Der Wettbewerb hat gezeigt, welchen Mehrwert der neue Ausstellungsraum im Untergeschoss und die Neuaufteilung des bestehenden Gebäudes hätte», sagt Pappa. Zum anderen sei im Budget der gesamte Betrag für dieses Jahr eingestellt gewesen. Dieser werde nun gestaffelt über mehrere Jahre ausbezahlt.
Zur Kritik der GPK und der SP/Juso/PFG-Fraktion an der teilweisen Finanzierung des Kantonsbeitrags aus dem Lotteriefonds sagt Pappa, die Stadtregierung könne keinen Unterschied machen, aus welchen Topf der Kanton das Geld nehme. Wichtig sei jedoch, den Kostenteiler beizubehalten. Deshalb sei es richtig, dass die GPK die Kürzung des städtischen Beitrags beantrage. «Wenn der Kanton nun beim Textilmuseum sparen will, heisst das nicht, dass die Stadt das abdecken muss.»
Nach einem erneuten Nein des Stadtparlaments zum Textilmuseum sieht es also nicht aus. Sollte das Stadtparlament den Beitrag jedoch ablehnen, wäre gemäss Maria Pappa auch der kantonale Beitrag vom Tisch – und umgekehrt. «Wir müssen zwar sparen, aber gewisse Investitionen müssen wir uns trotzdem leisten, damit wir uns als Stadt entwickeln können. Dieses Museum ist einzigartig und hat unmittelbar mit der textilen Geschichte der Stadt zu tun. Wir können es nicht nicht unterstützen.»
Auch GPK-Präsident Beat Rütsche warnt vor einem Nein: Lehne das Parlament den städtischen Beitrag ab, könne man nicht das Gefühl haben, dass sich Private auch bei einem Neuanlauf in einigen Jahren in gleichem Umfang beteiligen würden. «Wir haben jetzt diese einmalige Chance.»
Das St.Galler Stadtparlament hat am Dienstag an der Budgetsitzung den Beitrag an die Sanierung des Textilmuseums aus der Investitionsrechnung gekippt. Dies ist zwar ein symbolischer Akt, aber auch ein unmissverständliches Zeichen, dass es die Vorlage schwer haben wird.
Die Stadt lud zum jährlichen Kulturgespräch. Das Gespräch kam nur stockend in Gang – dabei hätte der Ort, wo es stattfand, Grund zu Debatten gegeben: das Textilmuseum.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See