Das verschlafene Hafenstädtchen Rorschach hat sich in den vergangenen paar Jahren zu einem Kulturplatz am See gewandelt, der auch wieder Besucher:innen aus der weiteren Region anzulocken vermag. An der Seemeile bieten die Strandfestwochen, das Zelt-Werk, das Haus Würth und das Sandskulpturen-Festival vielfältige Kunst und Kultur. In der Stadt veranstalten das Treppenhaus, die Musigbar Mariaberg und der Jazzclub erfolgreich, und im Westen ist mit der Industrie 36 ein Kulturlokal aufgegangen, das auch grössere internationale Acts beherbergen kann.
Ganz besonders «rorschacherisch» ist dabei die Kleberei, die vom Verein nebelfrei unter der Leitung von Richard Lehner Kultur in die ehemaligen Industriegebäude der Feldmühle bringt, bis das geplante Wohnbau-Projekt realisiert werden kann. Die ursprüngliche Idee sei es gewesen, der Region Räume mitten in der Stadt zu öffnen, die normalerweise nicht zugänglich waren, erklärt Lehner.
Bilder: pd
«Im ersten Jahr stand der Gedanke des Abschiednehmens von den historischen Industriehallen im Vordergrund», sagt der ehemalige Radio- und Zeitungsmacher. «Aus diesem Grund haben wir Filme über die Feldmühle gezeigt, die Geschichte der italienischen Einwanderung aufgezeichnet und Podiumsdiskussionen und Lesungen organisiert.»
Begeistertes Publikum
Als nach der ersten Saison klar war, dass das Umbauprojekt noch nicht realisiert werden konnte, hat Lehner mit seinem Team die ehemalige Kantine der Feldmühle zur «Kleberei» umfunktioniert, der Name angelehnt an die Klebebänder, die die Cellux früher dort herstellte. Nun bot sich lokalen Bands die Chance, im einmaligen Ambiente aufzutreten, aber auch schweizweit bekannte Künstler:innen fanden ihr Publikum – dank den grosszügigen Platzverhältnissen auch während der Pandemie.
«Unsere Auslastung beträgt im Durchschnitt etwa 80 Prozent der Sitzplätze, was sehr erfreulich ist, ebenso, dass zunehmend auch Menschen aus St.Gallen, dem Appenzellerland, dem Thurgau und aus Vorarlberg den Weg in die Kleberei gefunden haben», sagt Lehner.
Zum Abschluss des vierten Kleberei-Jahres hat er unsere Rorschacher Gruppe Roman Games zu einem Unplugged-Konzert mit befreundeten Musiker:innen eingeladen. Die Bands werden dabei im intimen Setting der Kleberei ihre elektrisch verstärkten Instrumente gegen akustische eintauschen und ihre Songs aufs Nötigste reduziert, minimal verstärkt, zum Besten geben. Ziel ist es für einmal nicht, das Publikum mit pulsierenden Beats zum Tanzen zu bringen, sondern stillen Zuhörer:innen die Feinheiten der Arrangements und die Nuancen der Texte nahe zu bringen.
Klavier statt Synthesizer
Roman Games-Keyboarder Peter Niedermaier wird seine Tastenburg mit Hammond-Orgel und Synthesizer gegen das goldene Klavier austauschen, das Rorschach von der Aktion «Pianos am See» kennt. Schlagzeuger Thomas Gschwend verzichtet auf Trommeln und Drumsticks und wird den Rhythmus auf einem Cajón vorgeben. Gitarrist Christoph Walzl muss auf der akustischen Gitarre ohne seine zahlreichen Effektgeräte auskommen, auch Bassist René Glogger tauscht seinen lauten E-Bass gegen einen warmen akustischen Sound ein. «Jedes Lied kann man unplugged spielen», sagt Glogger, «es ist nur eine Frage der Interpretation».
Rorschach unplugged: 11. November, Kleberei Rorschach
kleberei.ch
Künstler:innen aus der Region, die an dieser Freinacht in der Kleberei mit zwei, drei Songs mitmachen wollen, melden sich gerne mit einer kurzen Email bei romangame@mac.com
Neben Roman Games werden zum einen die Rorschacher Bands Waterback mit Oswaldo Dolci, der seit 30 Jahren in der Rorschacher Szene mitmischt, und Lowray um den Singer/Songwriter Tobias Maienfisch auftreten. Während diese beiden Acts mit ihren feinen, filigranen Songs keine Mühe mit dem akustischen Format haben werden, kann man hoch gespannt sein, wie etwa Gitarrist Hüe und Sänger Doppelmeter von der St.Galler Punkband Tüchel ihren Auftritt in der Kleberei gestalten.
Auch darf man sich darauf freuen, wie die Rheintaler Band A New Day, die vergangenes Jahr in Widnau mit den «Living Room Sessions» von sich reden machte, im reduzierten akustischen Set klingen wird. «Ein visuelles und akustisches Erlebnis» soll es laut Bandleader Paul Gruber werden, und wer A New Day einmal live gesehen hat, weiss, dass er damit nicht zu viel verspricht.
Eingeladen haben die Roman Games dazu ein paar Überraschungsgäste, die derzeit in ihren Proberäumen am Tüfteln sind, ob sich ihr Sound für «Rorschach Unplugged» anpassen lässt – etwa die Rheintaler Jazzlegende Carlo Lorenzi oder die Iltenrieter Folk-Rocker Greendale.
Die Gastgeber von The Roman Games. Roman Elsener (mitte) ist Sänger und Gitarrist der Band.
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