, 8. Januar 2018
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Tschüss Print? Hallo Staat?

Finanzierungskrise, Medienkonzentration, Nischenpublikationen, No-Billag: Die «Erfreuliche Universität» im Palace widmet die nächsten drei Dienstagabende der Medienlandschaft 2018.

Vor dem «gemeinsamen Abenteuer»: Die «Joint venture»-Blätter «St.Galler Tagblatt», «Luzerner Zeitung» und «Aargauer Zeitung» am Tag der Bekanntgabe.

Im Sommer 2014 trimmen das «St.Galler Tagblatt» und seine Regionalausgaben ihren Mantelteil auf zwei Bünde, wenige Monate später führt die NZZ Mediengruppe ihre Regionaltöchter «St.Galler Tagblatt» und «Luzerner Zeitung» zu einem Geschäftsbereich zusammen, samt gemeinsamem Chef. Im Herbst 2016 erschienen alle Regionalzeitungen der NZZ-Mediengruppe erstmals in einem einheitlichen Layout, im Juli 2017 stellen «St.Galler Tagblatt» und «Luzerner Zeitung» samt Partnerzeitungen auf die Zweibund-Zeitung um und kommen seither im «gemeinsamen Mantel» daher; der erste Bund ist bis auf die Focus-Seite identisch und wird abwechselnd in Luzern und in St.Gallen produziert. Die Printausgabe der «Ostschweiz am Sonntag» wird per Ende Oktober 2017 eingestellt, kurz davor wird das Korrektorat der NZZ-Regionalmedien nach Bosnien outgesourced.

Im Dezember ist nun bekannt geworden: Das «St.Galler Tagblatt» und seine Lokalausgaben werden Teil eines neuen, riesigen Medienkonzerns. Die Besitzerin NZZ schliesst mit Peter Wanners AZ Medien ein Joint Venture – sofern dieses von der Wettbewerbskommission abgesegnet wird. Kommt das Joint Venture zustande, umfasst es rund 80 Medientitel und erreicht über zwei Millionen Leserinnen und Leser.

Derweil kauft Christoph Blocher sich weiter ein in die deutschschweizer Medienlandschaft; «seine» BAZ-Holding riss sich im vergangenen August den Wiler Gratiszeitungsverlag Zehnder unter den Nagel, der insgesamt 25 Titel zählt und an die 800’000 Leserinnen und Leser in der ländlichen Ost- und Zentralschweiz sowie den Kantonen Aargau, Solothurn, Bern und Zürich erreicht.

Und sonst so? Die Romandie ist quasi ausgehungert in Sachen Medienvielfalt
und wird von Deutschschweizer Unternehmen beherrscht. Die grossen Player Tamedia, Ringier und NZZ machen jedes Jahr zwei- bis dreistellige Millionengewinne und beherrschen mittlerweile über 80 Prozent des deutschsprachigen Pressemarkts – während sie gleichzeitig ihr Kerngeschäft, den Journalismus, schröpfen. Und der Service public, die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft, wird kurzerhand grundsätzlich infrage gestellt: am 4. März wird darüber abgestimmt, ob die Billag-Gebühren abgeschafft werden sollen – was das Ende der SRG, so wie wir sie kennen, bedeuten würde.

Zurück in die Ostschweiz: Die St.Galler Regierung hat als Reaktion auf das Joint Venture wenige Stunden nach der Bekanntgabe ihre Besorgnis mitgeteilt und angekündigt, zu prüfen, «welche Massnahmen sie allenfalls im Bereich der kantonalen Medien- und Kommunikationspolitik treffen soll, um den regionalen Service Public im Medienbereich sicherzustellen». Saiten hat bei Regierungspräsident Fredy Fässler nachgefragt. Ausserdem haben wir Vincent Kaufmann, den Direktor des Instituts für Medien und Kommunikationsmanagement an der Universität St.Gallen, zum geplanten Joint Venture und der Zukunft der Regionalzeitungen befragt – zu finden in der Januarausgabe von Saiten.

 

Dienstag, 9. Januar, 20:15 Uhr
:
Finanzierungskrise und Medienkonzentration – 
Ein Blick auf die Medienlandschaft in der Schweiz 2018.

Kaspar Surber, Journalist bei der WOZ, bietet eine Einführung in die Medienökonomie, stellt die wichtigsten Akteure in der Schweiz und ihre Ziele vor und geht der Frage nach, wie sich Journalismus künftig finanzieren lässt.

Dienstag, 16. Januar, 20:15 Uhr
Medientalk: Das «Tagblatt», Blochers Gratiszeitungen und die Nischen – wer hat noch eine Stimme in der Ostschweiz?

Welche Bedeutung kommt den kleineren Titeln wie Saiten oder der Schaffhauser AZ in dieser heiklen Situation zu? Der Medientalk mit Mario Stäheli (Geschäftsleiter St.Galler Nachrichten), Corinne Riedener (Redaktorin Saiten), Marlon Rusch (Co-Redaktionsleiter Schaffhauser AZ) und Stefan Schmid (Chefredaktor «St.Galler Tagblatt»).

Dienstag, 23. Januar, Tür 20:15 Uhr:
Podiumsdiskussion: No-Billag – wie weiter mit dem öffentlichen Radio und Fernsehen?

Die No-Billag-Initiative ist eine der radikalsten seit langem. 
Sie fordert nichts weniger als die Abschaffung der öffentlichen Medien in der Schweiz. Soll tatsächlich jede und jeder nur für
 das bezahlen, was sie oder er konsumiert – oder wären die Folgen für die Qualität der Medien und die demokratische Debatte verheerend? Auch die Interessen der Befürworter, die es auf die Werbegelder der SRG und die politische Einflussnahme abgesehen haben, werden an diesem Podium diskutiert.

palace.sg

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