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Tumbler

Gerade werden Milliarden investiert und Gesetze sistiert, um die Menschen vor einem Virus zu schützen. Aber was ist mit dem Schutz des Klimas? Eine Kurzgeschichte der Kinderbuchautorin Anna Schindler.
Von  Gastbeitrag , 

Die Erde dreht sich. Seit dem Urknall taumelt sie um die Sonne. Und ich taumle mit, zwischen Ozeanen, Urwäldern, schmelzenden Polen und wütenden Feuern. Ich teile Licht und Schatten mit einer Trillion Tieren und siebenkommasieben Milliarden Menschen. Mit Menschen, die gerade mit einem winzigen Virus kämpfen. Mit Menschen, die Gewaltiges erschaffen haben: Atomkraftwerke, Autobahnen, Abfallberge, Aspirin, die sieben Weltwunder, die Windmühlen, das Wasserrad und die Waschmaschinen.

Im Glas unserer Waschmaschine spiegelt sich mein Gesicht. Die Trommel dreht sich und mit ihr alles in ihr drin: Bettwäsche, Handtücher, Tenside, Duftstoffe, Bleichmittel und Phosphate. Die Maschine wirft bunte, seifenblasenumspülte Wäschestränge an die Scheibe. Sie spült, dreht, knetet und schleudert. Immer schneller und schneller, bis sie in der Zielgerade verlangsamt und stillsteht. Die Stoffwürste bleiben im Gewölbe der Maschine hängen. Ich klaube das feuchte Geknäuel aus der Trommel und trage das Gewaschene zum Tumbler. Der Tumbler! Mein effizienter Assistent zwischen Haushalt und Beruf.

An der Türe des Wäschetrockners klebt eine ausgeschnittene Zeitungs-Schlagzeile: AUFSCHREI DER MEERE – WIE WIR SIE SCHÜTZEN.

Darunter in der Handschrift meiner Tochter: Eine Ladung Wäsche im Tumbler = 2332 Gramm CO2. An der Leine = 0 Gramm CO2!

Ich betrachte den Wäscheberg unserer vierköpfigen Familie, der auch jetzt, in Corona-Zeiten eine beachtliche Höhe aufweist.

Die wirklichen Hindernisse sind zwischen den Taten und Worten versteckt.

Ich habe ein Déjà-vu. Denke an die Zeit der Anti-AKW-Demos, die oft mit Tränengas und Gummigeschossen endeten. Und mein verzweifeltes Gefühl, nichts dagegen tun zu können. Meine Wut, dass offenbar keine Dringlichkeit besteht, den Atom-Wahnsinn zu beenden. Die Angst der Jungen, dass offenbar keine Notwendigkeit besteht, den Klimawandel zu stoppen. Innert kürzester Zeit schaffen wir Menschen es, Hektaren von Wald und Natur zu zerstören, CO2 in die Luft zu schleudern und damit den Klimawandel exponentiell voranzutreiben. Aber diese Angst ist übermorgen, das Virus ist heute.

Tatsächlich ist es erstaunlich, was eben mit unserer Welt geschieht. Schulen werden stillgelegt, Geschäfte geschlossen, die Flugzeuge bleiben mehrheitlich am Boden. Es werden unvorstellbare Summen bereitgestellt, um das Virus im Zaum zu halten. Um unsere Gesundheit zu schützen. Aber was ist mit dem Schutz kommender Generationen?

Könnte die Menschheit tatsächlich etwas aus dem Corona-Zeitalter lernen? Meine Gedanken drehen sich um ein klimaneutrales Happy-End. Wie soll das gehen?

Das stärkste Mädchen der Welt reitet auf einem Pferd durch einen Wald von Sonnenkollektoren und Windrädern. Sie kämpft für und nicht gegen die Windmühlen. Und mit ihr kämpfen unzählige Nachgeborene. Sie tragen Schilder, auf denen steht: WIRKLICH, WIR LEBEN IN FINSTEREN ZEITEN. Sie stehen einer Handvoll Oligarchen gegenüber, die gerade dabei sind, mit ihren Geldern wieder die Wirtschaft anzukurbeln, das Militär zu bewaffnen, Flugzeuge mit Touristen zu füllen und Bäume zu fällen.

Das Mädchen steigt vom Pferd und hebt die Herren in die Luft. Sie ruft: «Stop it – now!» Sie schleudert die Mächtigen in die Luft und stellt sie wieder auf den Boden. Die Männer schlottern mit den Knien, klappern mit den Zähnen und flehen um Gnade. Sie tun endlich all das, was das Mädchen will, und alles wird gut.

Aber was, wenn sie es nicht tun? Dann ist es zu spät. Es wird Zeit für Plan B.

Anna Schindler ist Schauspielerin und Kinderbuchautorin in Herisau. Zuletzt erschienen von ihr die Bilderbücher Robert räumt auf (2020) und Bis zum blauen Meer und zurück (2019), beide bei der Edition Pastorplatz.

anna-schindler.ch

Entweder mit dem offiziellen Wegweiser des Kollapsologen namens Jem Bendell, in dem zu lesen ist, dass wir uns einen Notvorrat anlegen und keine Immobilien an Küstengebieten kaufen sollen. Denn wir müssen uns wappnen gegen Feuersbrünste, Überschwemmungen, Epidemien, Insektenplagen, Hungersnöte und Flüchtlingsströme. Ein Zusammenbruch unserer Gesellschaft steht unmittelbar bevor, warnt Bendell in seinem Aufsatz «Deep Adaptation».

Oder mit dem inoffiziellen Wegweiser, der nur der jungen Generation vorbehalten ist. Jedenfalls für die, die für das Projekt «Arche Noah der Lüfte» auserwählt wurden. Die Auserwählten erhalten eine Anleitung, um sich ein mit Solarkollektoren ausgestattetes Skyboard zu bauen. Damit verlassen sie die brennende, virenverseuchte Erde. Sie lassen den ehemals blauen Planeten zurück und surfen durch die Galaxis, um neue Welten zu erforschen. Ein einsames Salon-Orchester spielt zum Abschied ein allerletztes Mal «Salut d’amour», bis der letzte Flügel Feuer fängt und auf Erden nur noch die Spezies der Bärtierchen überlebt.

Ich nehme den Wäschekorb, lege einen Sack Wäscheklammern darauf und stelle ihn ins Zimmer meiner Tochter.

 

Blackbox heisst die neue Rubrik auf saiten.ch. Ihre Einführung ist der Corona-Krise geschuldet. Der Kulturbetrieb steht seit Mitte März still, Konzerthäuser, Theater, Kinos, Museen, Clubs: geschlossen. Für das Publikum ist das schade, für viele Kulturschaffende weit mehr: eine existentielle Bedrohung. Die Saiten-Blackbox macht drum eine Bühne auf für Bilder, Texte, Filmbeiträge, Songs und anderes. Kein Streamen um jeden Preis, sondern Originale sollen hier zu sehen und zu hören sein, kurz kommentiert, erklärt oder einfach so. Und dies – soweit zumindest der Plan – über Corona hinaus.

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz