Irgendwo, draussen in der Wüste, schlägt ein alter Mann seine Peitsche auf den kargen Boden. In einer Hütte zieht eine alte Frau mit viel Schminke an einer Wasserpfeife, während drei Jungs in blauen Adidas-Trainern und weissen Turnschuhen eine Anlage aufbauen. Und drei Frauen machen den Abwasch, während sie ein Klagelied singen.
Habib Galbi heisst es, «Liebe meines Herzens», angetrieben von einem kargen Hip-Hop-Beat. Dazu tanzen die Jungs in Trainern etwas, das aussieht wie der Six-Step eines B-Boys, aber keiner ist. Es sind die hüpfenden Schritte arabischer Tänze – eher B-Bedouinen, also. So beginnt das Video, mit dem A-WA zurzeit die Welt erobert:
Zumindest den nahen Osten. Das Lied basiert zwar auf einem jemenitischen Volkslied, gesungen in einem jemenitischen Arabisch. Aber das Video ist nicht auf der arabischen Halbinsel gedreht, sondern in Israel – denn von hier sind die drei Schwestern, die Habib Galbi singen: Tair, Liron und Tagel Haim sind die Töchter eines jemenitischen Juden – und es sind dessen alte Platten, die es ihnen schon in ihrer Jugend angetan hatten.
Produziert wurde das Stück von einem anderen Juden jemenitischer Abstammung: Tomer Yosef, der mit seiner israelisch-amerikanischen Band Balkan Beat Box Traditionen aus dem nahen Osten und dem Balkan mit Hip-Hop, Reggae und Elektronik verbindet. Trotzdem eroberte das Stück aus dem Land des Feindes die Herzen der Fans von Tanger bis Amman. Und zu Hause, in Israel, stürmte es die Hitparaden, wie noch nie zuvor ein Lied in Arabisch, der Sprache des Feindes.
Die Haim-Schwestern haben noch mehr modernisierte jemenitisch-jüdischer Lieder auf Lager: Bald erscheint auch ihr Debut-Album. Erst touren sie aber noch durch Europa und machen auf ihrem Weg am Freitag im Palace halt.
A-WA im Palace: Freitag, 16. Oktober, 21 Uhr Infos: palace.sg
Bild: Luke Brossette, Titelbild: Tomer Yosef
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