Überfremdungsgeheul im Dauerloop
Als erstes Land weltweit soll die Schweiz eine Bevölkerungs-Obergrenze einführen. Mit angeblicher «Überfremdung» und «Überbevölkerung» hadert man nicht zum ersten Mal lautstark und öffentlich. Die Argumente für die «Nachhaltigkeits-Initiative» – ein herrlicher Euphemismus jener Partei, die sich sonst gegen Nachhaltigkeit wehrt – sind die ewigselben aus der Plattitüden-Trickkiste bewährter SVP-Rhetorik: Dichtestress! Heimatverlust! Islamisierung! Fürchtet euch!
Es sind ähnliche Argumente, wie sie 1970 James Schwarzenbach für die Überfremdungsinitiative aus seinem Fascho-Hut zauberte. Damals wie heute verkennen die Initiant:innen (aktuell mit Ostschweizer Unterstützung von -Esther Friedli über Diana Gutjahr bis Mike -Egger), dass der Wohlstand der Schweiz massiv von der Migration abhängt.
Die Initiant:innen verkennen, dass der Wohlstand der Schweiz massiv von der Migration abhängt.
Auch Ostschweizer Unternehmer:innen profitieren von der Personenfreizügigkeit und deren flankierenden Massnahmen. Diese steht nun auf dem Spiel. Am Kantonsspital St.Gallen arbeiten Personen aus über 60 Nationen, bei Lebenmittelhersteller Züger aus rund 35. Ausländisches Personal erledigt oft unangenehme Jobs zu unattraktiven Arbeitszeiten. Ohne ausländische Fachkräfte fehlen Pflegende, Ärzt:innen, Service-Personal oder Chauffeur:innen – sagen nicht nur Gewerkschaften, sondern auch Wirtschaftsverbände. Und gemäss IHK fehlen der Ostschweiz bis 2035 rund 60’000 Arbeitskräfte – unabhängig von der Initiative.
Aber rationale Argumente sind bekanntlich nicht Steckenpferd der Sünneli-Partei. Deren Anhänger:innen hobby-horsen eher mit populistischen Schlagwörtern und Angstmacherei über die Wiesen. So behauptet SVP-Chef Marcel Dettling, Zahlen zu ausfallenden Rentenbeiträgen seien weithergeholt, die Linke müsse anerkennen, dass die ganzen «Asylschmarotzer» die «Schweiz plündern».
Ja, die Schweiz wächst, aber das geht noch lange nicht mit Heimatverlust einher. Den Wohlstand gefährden undurchdachte, ideologisch motivierte Initiativen der SVP, wie die, gegen die es am 14. Juni Nein zu stimmen gilt.
Der FC St.Gallen nützt eine frühe rote Karte gegen Lugano gnadenlos aus und schickt den bisher so souveränen Leader gleich mit 5:0 nach Hause. Ein denkwürdiger Nachmittag zum Nachlesen hier im SENF-Ticker.
Bücherherbst
Das Naturmuseum St.Gallen eröffnet Mitte November zum zehnjährigen Bestehen seines Neubaus den Ausstellungsbereich «Mensch und Universum». Zwischen Klimakrise und Sternenhimmel geht es um eine ziemlich grosse Frage: Wo stehen wir eigentlich?
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
Bevor die Kunsthalle St.Gallen im Dezember wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis April 2027 schliesst, dreht sie nochmals voll auf. In der Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» präsentiert sie im laufenden Monat ein dichtes, buntes Programm an Kunst und Kultur.
In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.