, 7. März 2018
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Union-Gebäude: umbauen oder schleifen

Stadt und Kanton St.Gallen haben die lange versprochene Erklärung zur Zukunft der gemeinsamen Bibliothek veröffentlicht. Am Standort Union/Blumenmarkt wird weiter geplant. Aber ob das Gebäude aus den 1950er-Jahren stehen bleiben wird, ist offen.

Zuerst war die nun publizierte Mitteilung zur Bibliothekszukunft auf Anfang 2018, dann auf Mitte Februar angekündigt. Doch weil die Politiker um das inzwischen deutlich ausgefallene Ja zur Theatersanierung zitterten, schoben sie die Mitteilung zur Bibliothekszukunft vor sich her. Man wollte kulturskeptische Stimmberechtigte nicht noch mit einem weiteren Grossprojekt kopfscheu machen.

Was Saiten schon in der Januarausgabe zur «nomadischen Bibliothek» schrieb, ist jetzt behördlich bestätigt: Stadt, Kanton und die Hausbesitzerin des Uniongebäudes, die Helvetia Versicherungen, haben den Standort genauer angeschaut: «Die Untersuchungen durch das kantonale Hochbauamt haben die Machbarkeit inzwischen bestätigt. Die weiteren Planungsarbeiten sind auf den laufenden partizipativen Prozess zur Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt abgestimmt», heisst es in der gemeinsamen Medieninformation von Stadt, Kanton und Helvetia.

Ideal sei der Standort, weil er mitten in der Stadt liegt, zwischen den Universitätsstandorten auf dem Rosenberg und dem künftigen Campus am Platztor sowie der Fachhochschule. Und wichtig sei, dass die Kinder- und Jugendbibliothek am gleichen Ort untergebracht werden könnte.

Union als Teil der St.Galler Architekturgeschichte

Doch viele Fragen bleiben ohne Antwort. Etwa die nach einem Umbau oder Abriss des Uniongebäudes. Daran hängen auch die künftige Gestaltung des Marktplatzes und ein städtebaulicher Grundsatzentscheid: Steht das heutige Union, das in den Stadtgraben hineingebaut wurde, richtig?

Das 1950/51 entstandene Uniongebäude wurde von den beiden Architekten – Vater und Sohn – Ernst Hänny geplant. In diesem St.Galler Architekturbüro arbeitete auch der später berühmt gewordene Ernest Brantschen. Das Union sei aber definitiv kein Brantschen-Bau, hält Architekt und Zeitzeuge Max Graf fest, der in jenen Jahren ebenfalls im Büro Hänny arbeitete. Als der junge Brantschen ins Büro Hänny eintrat, sei die Union-Planung bereits abgeschlossen gewesen, erinnert sich Max Graf.

Und noch eine Korrektur zum Bericht in der Januar-Printausgabe von Saiten: Während der Planungen am Union starb Ernst Hänny junior, nicht der Vater. Ernest Brantschen wurde später Partner im Büro Hänny. Auch andere, in St.Gallen wichtige Architekten begannen ihre Laufbahnen hier. Etwa Fritz Stähli oder Hanspeter Nüesch sowie die Architekten Bärlocher und Unger, «die damals immer das Neuste aus Zürich nach St.Gallen mitbrachten», wie sich Max Graf erinnert.

Ein Architekturwettbewerb soll Antworten liefern

Ein anderes ungeklärtes Thema: Was könnte aus dem Vadiana-Gebäude im Museumsquartier werden, wenn die Kantonsbibliothek dort ganz auszieht? Und: Ist es klug, wenn sich eine von der Öffentlichkeit finanzierte Bibliothek in einem Gebäude im Besitz einer Versicherungsgesellschaft einmietet? Denn klar sei – so die Medienmitteilung –, dass die Helvetia Hausbesitzerin bleiben will.

Einige Antworten soll ein Architekturwettbewerb liefern, der 2019 ausgeschrieben wird. Danach sei der Entscheid «Sanierung oder Neubau» möglich. Entgegen des im Kanton geltenden Ablaufs – zuerst ein Grundsatzentscheid mit Kosten, erst danach ein Architekturwettbewerb – wird hier nach dem in der Stadt üblichen Ablauf geplant: Zuerst der Architekturwettbewerb, dann die parlamentarischen Beratungen mit den Kreditanträgen und den nötigen Volksabstimmungen. Wieviel Geld dereinst zu bewilligen sein wird, muss sich erst noch zeigen.

Klar ist, dass vor 2027 sicher keine Bücher, CDs und DVDs aus der Hauptpost gezügelt werden.

Apropos Bücherei: Schon mal in der kleinsten Bibliothek St.Gallens gewesen? Die «Lesebiene» in der Telefonkabine der ehemaligen Poststelle im Linsenbühl wurde vor fünf Jahren eröffnet und hat sich längst etabliert im Quartier, auch weil sie von ihren Leserinnen und Lesern selber bestückt wird. Die Medienschule St.Gallen hat sie besucht:

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