Eine Farbdusche gefällig oder eine Kuschelstunde im lachsfarbenen Zelt? Der «Unraum» machts möglich. 24 junge Künstlerinnen und Künstler besetzen ein Abbruchhaus.
Grrrrrr. Der Kamin bleckt die Zähne und streckt die rote Zunge weit ins Zimmer hinaus, knickt sie sogar rechtwinklig ab: «Komm mir nicht zu nahe! Und wenn Du es doch tust, garantiere ich für nichts.» Ausser für eine gehörige Portion Kunst. Unter dem Dach, im Bad, in der Waschküche, im Garten, im Keller, auf dem Herd und in der Sitzwanne, in den Zimmern, im Gang – Kunst überall.
Ein altes Wohnhaus in der Linienstrasse 17 in St.Gallen ist zum Kunst-, soll heissen zum zweiten «Unraum» mutiert (den ersten gab es im vergangenen Jahr in Rotmonten): «Lange wurde das Haus strapaziert und daran gezehrt, um Menschen einen Unterschlupf zu bieten. In den letzten zwei Wochen durfte das Haus sich endlich entfalten.» Dann kommt der Abriss. Aber der scheint noch unendlich fern, so vital wie sich das Haus mit den Arbeiten 24 junger Künstlerinnen und Künstler präsentiert.
So mancher der Namen war schon in anderen Zusammenhängen zu hören, im Nextex etwa oder bei «Junge Kunst» im Flon. Doch was für ein Unterschied! Während sich die jungen Künstlerinnen und Künstler in letzterem mit wenigen Laufmetern pro Person, kunstuntauglichen Stellwänden und somit einer nicht sehr geeigneten Gesamtsituation auseinandersetzen müssen, ist das Haus in der Lilienstrasse geradezu eine Aufforderung, sich künstlerisch auszutoben. Und das tun sie denn auch, die jungen Wilden. Da wird gebaut, gehängt, gesprayt, gemalt, konstruiert und dekonstruiert, da erobert sich die Kunst noch den hintersten Quadratzentimeter.
Ob alles Kunst ist, was da herumsteht und -liegt? Darauf kommt es nicht an, entscheidend ist, dass die Kunstschaffenden zusammengefunden haben und es schaffen, das ganze Spektrum der Kunst zu integrieren und stimmig zu präsentieren, selbst konventionell anmutende Malerei. Jeder Raum schlägt ein anderes Kapitel auf und doch fügen sich alle zu einer grossen Installation. Chaotisch ist es, aber auch energiegeladen, spannungsvoll und überraschend.
So bekommt etwa der Begriff der Overall-Structure völlig neue Bedeutung, wenn die Farbe ausgehängte Schranktüren, den Schüttstein, Boden, Wände, eben einfach alles bedeckt. So wild geht es nicht überall zu, es gibt beispielsweise auch ein Zeichnungskabinett durchsetzt mit Digitaldrucken und Versatzstücken echter Natur. Im Keller fliegt ein Leuchtstäbchenschwarm, und zwischen Eierkartons kommt Partystimmung auf.
Wem das alles nicht reicht, kann sich im Garten noch eine Portion Weihnachtsstimmung abholen. Oder die Künstlerliste mitnehmen. Denn das ist gewiss: Unter den dort Genannten gibt es einige, denen wir künftig in den Kunsträumen der Region wieder begegnen werden, und es auch wollen.
Ort: Lilienstrasse 17, St.Gallen – Lachen
Beteiligte: Claudia Bühler / Elias Buess / Elvira Bärtschi / Fridolin Schoch / Gundula / Julia Kubik / Juri Römmel / Joel Roth /Kim Schläpfer / Luca van Grinsven / Matea W. Elten / Mats Hartmann / Pauer Mirko / Ramona Gschwend / Roman Karrer / Pascal Schwendener / Paula Förster / Rouven Stucki / Sandi Gazic / Selina Buess / Stefan Schöbi / Una Lupo / Valentin Beck & Adrian Rast
Öffnungszeiten: Mittwoch, 12.2. von 17–20 Uhr Donnerstag, 13.2. von 17–20 Uhr Freitag, 14.2. Finissage ab 18 Uhr mit Musik und Überraschungen
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