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Unruhe und Unordnung in St.Galler Bandräumen

Am Disorder-Festival dieses Wochenende öffnen St.Galler Bands die Türen ihrer Proberäume: Konzerte im kleinen Rahmen, Jamsessions und Experimente sind dabei garantiert.
Von  Urs-Peter Zwingli
Disorder 2018: Drill am Proben. (Bilder: Skiba Shapiro)

Das Disorder-Bandraum-Festival geht in die sechste Runde: Dieses Wochenende laden wieder rund 20 Stadtsanktgaller Bands zu Konzerten in ihre Proberäume ein. Dazu gibts allenfalls Bier und Club Mate aus dem Bandrüümli-Kühlschrank, nach den kostenlosen Konzerten geht oft ein Hut für die Kollekte durch die Reihen.

Wer in den Jahren zuvor dabei war, weiss: Von intimen Auftritten vor einer Handvoll Zuschauer über Garagengigs, Kopfhörerkonzerte, Jams und Outdoor-Konzerte kann am Disorder vieles passieren. Der Name des Festivals – Unordnung – ist Programm. «Wir wünschen uns Experimente, sowohl in der Musik als auch der Performance», sagt dazu Thiemo Legatis vom Disorder-Team.

Die Organisatoren geben auch nicht vor, welche Bands auftreten dürfen und welche nicht. «Wir wählen nicht aus und möchten bewusst auch jungen Bands eine Plattform bieten, deren Material unfertig ist oder die noch nicht viel Konzerterfahrung haben», sagt Legatis, selber seit Jahren als Schlagzeuger der St.Galler Band All Ship Shape aktiv.

Bandräume und Gigs sind rar geworden

Denn niederschwellige Auftrittsmöglichkeiten sind in St.Gallen für junge Bands rar geworden, wie Legatis sagt: «Es gibt natürlich Angebote wie die Startrampe am Openair, der BandX-Contest oder die Vermittlungsseite Bandlager. Aber dafür muss man als Band schon einen gewissen Leistungsausweis haben.»

Disorder Bandraum-Festival 2019: 27. und 28. September, verschiedene Orte in St.Gallen.

Programm und Spielzeiten: disorder.ch

Wenn eine Band ihr Material einfach mal ausprobieren und Reaktionen des Publikums einholen möchte, sei es hingegen schwierig. Bars wie das Titty Twister und der Bierhof im Linsebühl, das Hardy’s im Zentrum oder das CMC in der Metzgergasse veranstalteten in den 2000er und Anfang der 10er-Jahre regelmässig kleine Konzerte – sie alle sind mittlerweile zugegangen oder werden mit anderem Konzept betrieben. Und auch die Bühnen in der Grabenhalle oder im Palace sind für junge Bands schwierig zu erreichen.

Das Disorder möchte wenigstens an einem Wochenende im Jahr diese Lücke füllen. Daneben, so sagt Legatis, seien auch bezahlbare Bandräume schwierig zu finden. Es gebe zwar ein Angebot von subventionierten Proberäumen, diese seien aber rar und müssen im Turnus nach einigen Jahren wieder freigegeben werden.

Disorder 2018: Eibish am Proben.

Das unkomplizierte Underground-Festival ist in der St.Galler Musikszene mittlerweile ein Begriff geworden: Das definitive Programm und die Spielzeiten werden erst wenige Tage vor dem Festival auf der Disorder-Website veröffentlicht, weil sich erfahrungsgemäss in letzter Minute noch Bands anmelden.

Von Hardcore bis Folk

Stilistisch ist das Festival breit aufgestellt: klassischer Tough-Guy-Hardcore von Drill, Folksongs von Mo Klé (früher bekannt als René Greenfield), experimenteller Rock von Karluk. Letztere sind Stammgast und waren bei fast jeder Disorder-Ausgabe mit dabei.

Spielen werden weiter unter anderem Locque (Post Rock), Subaqua (Songwriter-Duo), The People’s Republic (Post Pop), No Brain Justice und Sun Rays in the Mist – einige der musikalischen Projekte sind so frisch, dass sich online noch kaum Material dazu finden lässt. Musikalische Überraschungen sind also garantiert.

Das Programm wird an den beiden Abenden so koordiniert, dass es möglich sein sollte, zwei bis drei der Bandräume auf Stadtsanktgaller Boden zu besuchen – wer mit dem Velo unterwegs ist, hat einen Vorteil. Das inoffizielle Epizentrum des Festivals sind die Proberäume in der Reithalle, wo mehrere St.Galler Bands eingemietet sind, von denen einige zudem am Disorder auftreten.

«2018 gab es dort eine spontane Jamsession bis vier Uhr früh», sagt Legatis. Ein Monsterjam, der ganz im Sinne des Disorder-Festivals war: ungeplant, wild, überraschend für Musiker und Publikum.

Dieser Beitrag erschien im Septemberheft von Saiten.

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