Der Wahnsinn, diese direkte Demokratie! Ständig mitreden, über alles mögliche abstimmen – zumindest der stimmberechtigte Teil der Bevölkerung. Manchmal sogar über Dinge, die uns eigentlich gar nichts angehen und von denen wir, wenn wir ehrlich sind, auch gar nicht viel verstehen.
Die Burka zum Beispiel bzw. der Niqab. Kaum zu glauben, dass all die fucking Provinznester in der Schweiz am 7. März über ein derart komplexes Thema wie die Vollverschleierung von Frauen muslimischen Glaubens richten sollen.
Es ist ja leider nicht so, dass dieser Abstimmungskampf mit differenzierten Argumenten geführt wird. Breite öffentliche Debatten aus postmigrantischer und transnationaler Perspektive finden nicht statt. Stattdessen wird, ausgehend von rassistischen und fremdenfeindlichen Kreisen, schon wieder über die Zugehörigkeit von Minderheiten verhandelt.
Der Subtext: Ihr seid «anders», ihr gehört nicht dazu. Ihr seid ein Problem, das gesondert behandelt werden muss. Das betrifft nicht nur die Musliminnen und Muslime in der Schweiz, sondern auch alle anderen mit Migrationsbiografie in diesem Land.
Diese ausgrenzende Gesinnung hat eine lange Tradition in der Schweiz. Sie wird seit der «Überfremdungsinitiative» in den 1970er-Jahren von den rechtspopulistischen Kreisen wie ein Sauerteig gefüttert.
Das toxische Gemisch konnte über die Jahre munter weitergären und ohne Schulterzucken wurde so 2009 über ein Verbot von Minaretten abgestimmt. Der vorläufige Höhepunkt war die Annahme der «Masseneinwanderungsinitiative» 2014.
Und jetzt also das Verhüllungsverbot. Als wäre das nicht genug, versuchen die Initianten (ja, es sind nur Männer, die sich an diesem Thema so abarbeiten) diesmal auch noch die Frauenrechte zu instrumentalisieren für ihre rassistische Agenda.
Wie wichtig ihnen diese sind, sieht man an ihrem Stimmverhalten in all den Abstimmungen und Vorstössen der letzten Jahrzehnte, als es tatsächlich um die Rechte der Frauen gegangen ist.
Diese Initiative hätte gar nicht erst zur Abstimmung kommen dürfen. Sie spaltet, sie ist rein symbolpolitisch und verheerend für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in diesem Land. Sie fördert antimuslimischen Rassismus und Stereotype. Sie verunmöglicht eine ernsthafte und differenzierte Debatte über die Selbstbestimmung muslimischer Frauen.
Ein «Nein» einzulegen heisst nicht, für einen Verhüllungszwang zu sein, sondern sich nicht von rassistischen, reaktionären Kreisen einspannen zu lassen – für eine zukunftsfähige Schweiz, in der alle die gleichen Rechte haben, unabhängig von Religion, Nationalität, Sprache, Sexualität oder Geschlecht.
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.