Wie kann man der lokalen Bevölkerung Architektur vermitteln? Wie macht man Menschen auf Besonderheiten und Qualitäten von Gebäuden aufmerksam, an denen sie meist achtlos vorbeigehen, weil diese Häuser ja schon immer dastanden, weil man sie kennt?
Die Kunsthistorikerin Nina Keel und Uzwils Stadtplaner Marco Bruggmann nahmen sich der Aufgabe an. Und sie fanden eine ganze Reihe besonderer Gebäude, jenseits der bekannten, denkmalgeschützten Objekte wie der historischen Fabrikhallen der Architekten Pfleghard & Haefeli oder des Landhauses Waldbühl, ein nationales Kulturgut von 1911, geplant vom englischen Architekten Baillie Scott für Theodor Bühler.
Welche anderen besonderen Bauten von wenig bekannten oder unbekannten Architekt:innen stehen in Uzwil? Gemeindepräsident Lucas Keel bezeichnet die Architektur im Ort im Vorwort zur neuen Publikation als «technisch, ohne viel Firlefanz, funktional ausgelegt, praktisch». Aber auch er war erstaunt, über «Feinheiten, die es schaffen, Architektur und Menschen zueinander zu bringen». Besser sei oft nicht teurer, stellt er fest, es brauche einfach «etwas mehr Grips, mehr Befassung mit Baukultur in der Konzeptionsphase». Und weil Bauten jahrzehntelang stehen, lohne sich das.
Wohnhaus an der Unteren Rosenbergstrasse, Uzwil
Neun Gebäude haben Nina Keel und Marco Bruggmann ausgewählt. Vom bescheidenen Wohnhaus, über das Kino, Reihenhäuser und das Hochhaus bis zum Güterschuppen am Bahnhof. Alle zwei Monate wanderte ein «Plakatwald» in die Nähe der vorgestellten Objekte, fotografiert hat Ladina Bischof. Gestaltet hat die Plakate und das nun erscheinende Buch Laura Prim. Zu jedem Objekt gibt es nicht nur architektonische Beschreibungen, sondern auch Aussagen der Bewohner:innen. Auf dem Insta-Kanal @baukultur_uzwil präsentiert Anina Frischknecht zusätzlich Kurzfilme.
Buchvernissage: 17. November, 14 Uhr, Güterschuppen SBB, Friedbergstrasse 4, Uzwil
Jetzt sind die neun Gebäude im Buch Woher? Wohin? – Baukultur in Uzwil versammelt. Die Publikation sei kein Lehrbuch, kein Nachschlagewerk, «aber die Objekte stehen für Gestaltungslust», betont Nina Keel. Sie will das Bewusstsein für sorgfältige Baukultur und die Qualitäten des Bestandes schärfen. Mit dem Ziel, dass bewusstere Entscheide getroffen werden beim Neu- oder Umbau eines Hauses.
Das ist auch Werner Binotto wichtig. Der frühere St.Galler Kantonsbaumeister ist ortsplanerischer Berater in Uzwil. In seinem Text macht er Überlegungen zur Umgebung der Bauten, zu den Strassen, zu Parkplätzen und Gärten: «Die Häuser an einer Strasse sind selten einheitlich gebaut. Es sind vielmehr unterschiedliche Charaktere, die nebeneinanderstehen und zusammen den Strassenzug formen. Wenn sie einander ähnlich sind, harmonieren sie in der Regel besser, als wenn jeder Bau möglichst schrill an den Strassenrand tritt.» In diesem Punkt lobt Werner Binotto das industriell geprägte Uzwil mit seinen geordneten Strassenzügen.
SBB-Güterschuppen, Friedbergstrasse 4, Uzwil
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.