, 8. Februar 2011
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Verfaulte Geschichten

In der aktuellen Ausgabe schreibt der «Saiten»-Korrespondent aus Schaffhausen, Florian Keller, über den mehr oder weniger neuen Blog «Verfaulte Geschichten». Die beiden Blogbetreiber beklagen in einem Eintrag von gestern, dass Kellers Bericht online nirgends zu lesen sei, hier ist er: Niemand ist sicher vor Verfaulten Geschichten Seit etwas mehr als zwei Monaten erfreut ein neuer […]

In der aktuellen Ausgabe schreibt der «Saiten»-Korrespondent aus Schaffhausen, Florian Keller, über den mehr oder weniger neuen Blog «Verfaulte Geschichten». Die beiden Blogbetreiber beklagen in einem Eintrag von gestern, dass Kellers Bericht online nirgends zu lesen sei, hier ist er:

Niemand ist sicher vor Verfaulten Geschichten
Seit etwas mehr als zwei Monaten erfreut ein
neuer Kultur- und Politblog die Schaffhauser
Medienlandschaft. «Verfaulte Geschichten»
nennt sich das Projekt, in Anlehnung an ein
Lied der seit zwölf Jahren aufgelösten Schaffhauser
Band Böser Bub Eugen. Die Songzeile
«was war gewesen und was gibt es noch zu tun»
ist dem Blog nach eigenen Angaben Programm.
Wenn auch nicht ausdrücklich deklariert, darf
durchaus angenommen werden, dass ebenfalls
der Nation-of-Swine-Blog der «Woz»-Redaktoren
Daniel Ryser und Carlos Hanimann Modell
gestanden hat.
Verfaulte Geschichten erscheinen seit dem
Start praktisch täglich, obwohl nur zwei Autoren
mitwirken: Christian Erne und Jürg Odermatt,
der eine Lehrer, der andere Autor, beide
Kulturveranstalter, beide Wortkampfsportler.
«Wir sind keine Journalisten und schreiben
trotzdem.» Sie betreiben den Blog, weil keine
etablierte Publikation den Platz biete, den sie
brauchten, um Öffentlichkeit zu schaffen.
Verfaulte Geschichten deckt im wesentlichen
drei Sparten ab: lokales Kulturschaffen,
Politik und Medienkritik. Die Texte fächern
sich vom mehrspaltigen Einwurf bis zum in der
Bloglandschaft fast unzumutbaren 20’000-Zeichen-
Interview, häufig sekundiert von Audiound
Video-Trouvaillen. Regionalbezug wird
wo immer möglich hergestellt, und das braucht
Recherche. «Dorfleben» heisst konsequenterweise
eine der Hauptkategorien. Im Verbund
mit «Polemik», «Konspiration», «Behauptung»
oder «Propaganda» werden Protagonisten des
kleinen Paradieses gnadenlos ins Fadenkreuz
genommen. Keiner ist sicher, nicht der Dorftrottel,
nicht der Dorfhäuptling und schon gar
nicht der Dorfblattverleger. Nur wer etwas leistet,
kommt ungeschoren davon. Das sind dann
die fundierten Beiträge über Schaffhauser Kulturschaffende.
Der neue Blog bezieht Stellung und versteckt
sich nicht hinter einer Neutralitäts-
Fassade, wie das derzeit so beliebt ist. Gerade
jetzt stehen die Waffennarren im Visier der
Autoren. – In bester pazifistischer Tradition
ihrer Namensgeber Böser Bub Eugen, welche
bereits für den GsoA-Sampler von 1992 gegen
den Kauf von FA/18-Kampfflugzeugen ihr Lied
«Nei Chasper, nei, es git kein Flüger» beigesteuert
haben (unvergessen auch: «Erwin und
sein Sturmgewehr sind keine Freunde mehr /
Er hats zum Altpapier gebracht / Erwin, das
hast du gut gemacht!»). Wer sich für Waffengewalt
stark macht, wie aktuell der Präsident der
Kantonalen Offiziersgesellschaft Harald Jenny,
wird zu Recht durch den Kakao gezogen. Der
Text «Ich bin die NRA – wozu Harald Jenny
heimlich headbangt» führt die feine Klinge der
polemischen Rhetorik.
Verfaulte Geschichten biedert sich nicht
an und das tut wohl in einer kleinen Stadt wie
Schaffhausen, wo sonst niemand dem anderen
zu stark auf die Füsse tritt. Wer Versöhnung
sucht, kassiert den nächsten Schlag unter die
Gürtellinie. Die verfaulten Geschichten halten,
was sie versprechen. Sie sind polemisch,
politisch hochgradig unkorrekt und verletzend
scharf. Sensationell!

 

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