René Hornung: Was gab den Anstoss, in St.Gallen eine Aids-Charity zu organisieren?
David Schwindling: Ich war vor drei Jahren am Fackelzug dabei, der damals aus Anlass des Welt-Aids-Tages durchgeführt wurde. Ich fand die Beteiligung etwas mager, angesichts der Tatsache, dass HIV und Aids nach wie vor hochaktuelle Themen sind. Deshalb suchte ich nach einer neuen Form. Weil ich am Theater mit einigen Schwulen zusammenarbeite, fand ich dort rasch Leute, die bereit waren, die Aids-Charity mit zu organisieren. Peter Heilker, der Operdirektor des Theaters, unterstützte uns tatkräftig.
Warst du zufrieden mit dem letztjährigen Erfolg?
Beim Anlass kamen über 2000 Franken zusammen, die wir der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen St.Gallen-Appenzell (AHSGA) zur Verfügung stellen konnten. Alle Künstlerinnen und Künstler verzichten auch dieses Jahr auf ihre Gagen und alle Bereiche des Stadttheaters engagieren sich erneut: Kostüm, Maske, Marketing bis hin zur Technik. Das macht den Anlass überhaupt erst möglich. So war rasch entschieden, die Aids-Charity erneut zu organisieren.
Nur mit der Berichterstattung waren wir letztes Jahr noch nicht sehr zufrieden. Die war sehr bescheiden. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr mehr Echo haben werden, wir sind schliesslich weitherum das einzige Theater, das einen solchen Anlass auf die Beine stellt. In Zürich gibt es nichts Vergleichbares.
David Schwindling mit Crew an der letztjährigen Aids Charity.
Du bist Mitglied der Tanztruppe des Theaters und hast daneben noch die beiden eigenen Companies «House of Pain» und «Zimmer frei». Wer tritt denn dieses Jahr alles an der Aids-Charity auf?
Mit dabei sind wieder meine Kolleginnen unserer beiden Companies, Jasmin Hauck und Cecilia Wretemark. Insgesamt werden es mehr Beteiligte sein als letztes Jahr. Es wird getanzt, es wird Musik gespielt, es machen Schauspieler mit – wir sind gerade daran, die letzten Details des Programms zu organisieren. Die AHSGA ist natürlich auch dabei. Es wird auch Ansprachen geben. Moderiert wird der Anlass wieder von Shirly van Bextor, einem Bekannten von mir, der als Dragqueen auftritt.
Ein bisschen Glamour muss sein…
…selbstverständlich! Wir veranstalten zwar keine «Gala», wie das anderorts gemacht wird, aber der «Charity»-Anlass wird eine Mischung aus ernsten Beiträgen und funkelnden Pailletten.
Aids Charity: 1. Dezember, Lokremise St.Gallen, Apéro ab 19 Uhr, Vorstellung um 20 Uhr, Eintritt frei, Kollekte zugunsten der Beratungsstelle für Aids- und Sexualfragen St.Gallen-Appenzell (AHSGA)
Als Untertitel zum Anlass schreibt ihr auf dem Plakat: «Vergessen ist ansteckend». Droht denn Aids vergessen zu werden?
Aids ist kein wichtiges politisches Thema mehr, obwohl weltweit alle zehn Sekunden ein Mensch daran stirbt und sich jährlich zwei Millionen Menschen neu mit HIV infizieren. Allein in der Schweiz sind es jedes Jahr 500 Neuansteckungen. Da ist also noch viel Aufklärung und Prävention nötig. Und es geht auch darum, gegen die Diskriminierung der Betroffenen zu kämpfen.
Dafür sammelt ihr Geld?
Ja, der Eintritt ist wiederum gratis. Die Besucherinnen und Besucher sind aber zum grosszügigen Spenden aufgefordert. Das Geld kommt wiederum der AHSGA zugute.
Jasmin Hauck, David Schwindling und Cecilia Wretemark von der Tanzcompanie «House of Pain».
Hast du konkrete Wünsche, wie das Geld eingesetzt werden soll?
Die gesammelten Gelder sollen für die allgemeine Aufklärung rund um HIV und Aids eingesetzt werden. Aids ist zwar heute behandelbar aber noch immer nicht heilbar. Wenn wir in die Dritte Welt schauen, sieht es noch immer schlecht aus. Viele Menschen haben dort nach wie vor keinen Zugang zu Medikamenten.
Dieses Interview erschien zuerst auf Queer-Lake. Mehr zu dieser Plattform: hier.
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