Kategorie
Autor:innen
Jahr

Vibrierende Steine

Arthur Schneiter baut seit Jahrzehnten Instrumente aus Stein. In einer Reihe von Aufführungen bringt er sie in seiner Werkstatt in Schönenberg an der Thur zum Klingen, im Zusammenspiel mit Schlagzeuger Ernst Brunner und Tänzerin Micha Stuhlmann. Von Charles Uzor
Von  Gastbeitrag , 

«Wie weiss man, was kommt?» Dies ist eine mögliche Frage nach der Werkstatt-Aufführung der Improvisation Ohrmuscheln auf Treibsand, die knapp vor Jahresende in Arthur Schneiters Atelier erstmals gegeben wurde. Was Lithophone und Metallophone, Instrumente aus Stein und Metall an Klang-Reichtum erzeugen, ist erstaunlich und scheint direkt an eine archaische Wahrnehmung anzuknüpfen.

Streichen, schleifen, klopfen

Gewicht und Leichtigkeit, Stille und Schwingung erzählen eine Geschichte, die nirgendwo aufgeschrieben ist und einen in ihren Bann zieht. Verzückte Mikrotöne der Tonskulpturen aus Stein und elektrisierende Wirbel des Tamtams schmiegen sich an einen Tanz, der mit wenig viel zum Ausdruck bringt. Hellwach agiert das Trio Stuhlmann-Schneiter-Brunner: streichelnd, schleifend, klopfend, wirbelnd und wartend, mimisch und still, oder die Zeit wie mit einem Amboss schlagend – eine prozessuale Aufführung, die wie das Formen einer Skulptur anmutet, mit viel Kraft und Konzentration.

Erstaunlich, wie die Klänge zum Vibrieren und zur Resonanz kommen, wie sie ohne Verstärkung den Raum füllen! Auch wie der Tanz Micha Stuhlmanns den Raum füllt, zuckend auf Brunners Rhythmen reagiert oder die Ruhe in Schneiters Spektraltönen wiederaufnimmt. Dieser kalte Schlaf des auf dem Stein liegenden Körpers findet in den selbstgebauten Lithophonen die perfekte Entsprechung. Jedes dieser Instrumente scheint, unabhängig vom Spieler, seine Persönlichkeit, seinen eigenen Charakter auszustrahlen; vielleicht ist es das, was ihre Wahrnehmung so besonders macht. Man fühlt sich vom Stein direkt angesprochen, man fühlt sich frei von Akkorden und Melodien, befreit von Musik – ein Zustand, von dem schon John Cage träumte.

Geschichten zwischen Herz und Hirn

Dass sich mit der Zeit Formen ergeben, leise Melodien, die kommen und gehen, eine Stille, die sich nicht scheut, die Zeit auszuhalten oder die Ruhe im Blick der Tänzerin, ist die Folge langer Improvisationsarbeit und eines grossen Anspruchs an Verbindlichkeit.

Seit Herbst 2018 treffen sich Micha Stuhlmann, Arthur Schneiter und Ernst Brunner zu gemeinsamen Sessions. Schneiter und Brunner schauen auf eine jahrelange Arbeit zurück, in der viele Musik-Projekte entstanden sind (unter anderem die CD thetys, Hörprobe hier). Micha Stuhlmann, die oft mit Musikern im Bereich elektronischer, experimenteller Musik zusammenarbeitet, interessieren die Klänge, die über die Berührung und Bewegung der Steine entlockt werden.

Dass hier niemand Chef ist, wirkt wohltuend. Die Spielweisen ergeben sich in freier Folge: Vordergrund und Hintergrund, Begleitung und Solo, Warten und Ereignis wechseln sich ab. So werden Hierarchien des Hörens aufgelöst, die Wahrnehmung des Augenblicks, feinster Staubpartikel und Metallsplitter macht den Klang der Steine körperlich, als Berührung, Beben und Geruch.

Werkstatt Arthur Schneiter, Weitenaustrasse 6b, Schönenberg an der Thur (S-Bahn Haltestelle Kradolf)
Weitere Aufführungen: 21./22. und 28./29. Februar, 19.30 Uhr, 1. März 17 Uhr. Platzzahl beschränkt, Anmeldung hier.

arthurschneiter.ch

Obwohl das Stück ausser dem Hören selbst kein «Thema» hat, entstehen zwischen Herz und Hirn viele Geschichten. Das Publikumsgespräch nach der fast einstündigen Improvisation öffnet weite Räume der Assoziation, Geschichten, die fortgesponnen werden zu neuen Geschichten. Das Projekt Ohrmuscheln auf Treibsand bietet ein seltenes Erlebnis des Hörens und der Kommunikation, auf der Bühne, auf dem Boden, im Publikum.

 

 

 

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
IMG 1890 2

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43