Kategorie
Autor:innen
Jahr

Villa Wiesental bekommt ein «Office»-Gebäude

Die Villa Wiesental, erbaut 1880, an der St.Galler Rosenbergstrasse neben der heutigen Autobahneinfahrt, soll renoviert und mit einem «Office»-Gebäude ergänzt werden. Was ist von der heute präsentierten neusten Lösung des ewigen «Falls Wiesental» zu halten?
Von  René Hornung , 
Die Villa mit dem geplanten Neubau dahinter in einer Projekt-Visualisierung.

Seit Jahren wird um die St.Galler Villa Wiesental gestritten. Geplant und gebaut hat sie 1880 Baumeister Daniel Oertly für Konsul Konrad Menet-Tanner. Letzterer war nach seiner Konsulartätigkeit in Uruguay in seine Heimat zurückgekommen. Verwendet wurden für sein Wohnhaus hochwertige Materialien. Die Villa war in ihrer Zeit ein Prunkbau – doch unter Schutz gestellt wurde sie nie.

Die Villa Wiesental in einer Aufnahme von 2013.

Heute steht sie in verlottertem Zustand verriegelt und verrammelt an der verkehrsumbrandeten Ecke der Rosenbergstrasse neben der Autobahneinfahrt in den Stichtunnel.

Der letzte Versuch, auf dem Areal ein Projekt zu entwickeln, scheiterte 2012. Das Generalunternehmen HRS Real Estate, dem die Villa seit dem Erwerb von Vorbesitzerin Swisscanto gehört, lancierte einen Wettbewerb unter bekannten Architekturbüros. Sieger war das Büro Caruso St John aus London und Zürich mit seiner «Stadtkrone». Die Villa selbst wäre dafür abgebrochen worden. Doch daran entzündete sich derart viel Widerstand, dass nun länger gar nichts mehr ging.

Das Projekt «Stadtkrone» von 2012.

Jetzt scheint der gordische Knoten durchschnitten. Am Dienstag stellten HRS, Stadt und die städtische Pensionskasse ein neues Projekt vor. Der Sachverständigenrat – das beratende Gremium in Sachen Städtebau und Architektur – habe es bereits hoch gelobt, betonten die Beteiligten. Es besteht in der Sanierung der Villa und einem daneben gestellten «Office»-Gebäude, lies: Bürohaus. Über der Tiefgarage stehen sechs Stockwerke plus Attika. Der Neubau wird fast doppelt so hoch wie die Villa und höher als der «Leopard» daneben.

Der Neubau mit Villa (links) und «Leopard» (rechts).

Um die Villa bleibt ein Rest des Gartens. Dieser wird öffentlich zugänglich und die markante Linde dort wird stehenbleiben. Das Erdgeschoss des Neubaus soll ebenfalls öffentlich werden, zum Beispiel als Café, das dann auch den Garten nutzen kann.

«Urbaner Auftakt zur Stadt»

Entworfen hat das aktuelle Projekt das Zürcher Architekturbüro von Roger Boltshauser – ein bekannter Name in der Architekturszene. Das «Office»-Gebäude wird dieses Mal nicht mehr an die Villa angedockt, sondern steht mit einem Abstand von ein paar Metern in der Längsrichtung der Rosenbergstrasse. Dafür muss der bestehende Lokremisenweg verlegt werden, und die Pläne sehen auch schon den Velotunnel vor, der vielleicht dereinst unter der grossen Strassenkreuzung durchführen wird. Der Neubau wird zur Kreuzung «einen neuen Hochpunkt als Eingang und urbanem Auftakt zur Stadt bilden», schreiben die Projektverfasser. Damit wird er wohl die «Torsituation» konkurrenzieren, die bisher immer der Villa zugeschrieben wurde.

Wie sich der Neubau dann aussen präsentieren wird, ist wohl noch nicht ganz klar. In den unteren Geschossen soll die neue Fassade begrünt werden, doch dann heisst es in bestem Architektendeutsch in der Medienmitteilung: «Mit der Wahl des Klinkers sucht der Neubau den Bezug zum Bahnhofareal mit seinem industriellen Charakter. Farblich ist ein grünlicher Farbton angedacht, in Anlehnung an die Farbigkeit der Villa. Die Fassade wird mit einem feingliedrigen Relief strukturiert, wodurch Bezüge zu den umliegenden Bauten, insbesondere der Fassade der Villa, geschaffen werden.»

Bis hin zur Gartengestaltung durch das Zürcher Landschaftsarchitekturbüro Müller Illien wird viel versprochen: «An der Westseite der Villa geben eine Magnolie und ein Blumenhartriegel der Villa und dem Platz einen angemessenen Rahmen. Die alte Linde wird durch die neue Interpretation der Umgebungsgestaltung zum prägenden Platzbaum und erhält eine neue Strahlkraft.»

Sowohl in der Villa wie auch im Neubau sind Büronutzungen vorgesehen. Die Villa kann dank guter Grundsubstanz innen renoviert und mit einem Lift ergänzt werden. Der Neubau soll in den oberen Geschossen flexibel unterteilbar sein. Bauherrin wird die Pensionskasse der Stadt St.Gallen. Sie kauft HRS die Villa und das Grundstück ab und investiert rund 28 Millionen in Sanierung und in den Neubau. Planen wird das Ganze noch die Verkäuferin HRS, die sich damit ein Stück des Kuchens sichern kann.

In ersten Reaktionen äusserten sich der Verein Pro Villa Wiesental, aber auch der Heimatschutz zufrieden, dass sich nun eine Lösung mit dem Erhalt der Villa abzeichnet. Auf eine architektonische Beurteilung sei man gespannt, schreibt der Verein Pro Villa Wiesental. Wenn alles klappt, startet der Umbau 2020.

Der Vergleich zu 2012

Architektur-Renderings können täuschen, aber sie ermöglichen einen gewissen Vergleich. Im erwähnten Wettbewerb von 2012 liessen drei Projektverfasser die Villa neben ihren Neubauten ebenfalls stehen. Sie stammten von den Architekturbüros Baumschlager Eberle Architekten, Morger Dettli und vom St.Galler Büro von Thomas Keller.

Das Projekt 2012 von Morger Dettli.

Das Projekt 2012 von Baumschlager Eberle Architekten.

Das Projekt 2012 von Thomas Keller.

 

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover