, 15. Dezember 2017
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Vision nimmt Formen an

Partizipative Stadtplanung im Fortsetzungsmodus: Nach dem Verfahren der aktiven Bürgerbeteiligung werkelt St.Gallen seit einem Jahr an der Neugestaltung seiner City. Am Donnerstag wurde über das weitere Vorgehen orientiert. Es gibt einen neuen Marktplatz-Wettbewerb.

Bilder: Stadt St.Gallen

Stadträtin Maria Pappa und Stadtplaner Florian Kessler hatten einiges zu tun am Donnerstag. Am Vormittag erklärten sie im Amtshaus den Medien, wie es mit der Neugestaltung im Gebiet Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt weitergehen soll. Am Nachmittag haben sie die interessierte Öffentlichkeit ins Kirchgemeindehaus St.Mangen eingeladen.

Das Wettbewerbsprojekt wird 2018 bereits zehn Jahre alt, 2011 und 2015 sind Vorlagen zur Neugestaltung der City an der Urne gescheitert.

«Forum» bestimmt, wo’s lang geht

Nun wird zum Neustart geblasen. Als Ausgangslage dienen jetzt die Ergebnisse aus dem «Forum Marktplatz». Das waren die Grossgruppen-Workshops aus Vertreterinnen und Vertretern von Parteien, Verbänden, Organisationen und Grundeigentümer sowie aus interessierten Personen aus der Bevölkerung. Um das partizipative Experiment anlaufen zu lassen, ist 2016 ein Verpflichtungskredit von 120’000 Franken gesprochen worden.

In zwei Marathonveranstaltungen haben die Workshops im Januar und April dieses Jahres zuerst Bedürfnisse und Ansprüche an das Areal formuliert und anschliessend die unterschiedlichen Haltungen zur künftigen Form des Marktes, zum Umgang mit der Calatravahalle, zur Rondelle sowie zum Standort der öV-Haltestellen zum Ausdruck gebracht.

Rondelle, Blumenmarkt und Union.

Im Mai sind die Ergebnisse in einem Schlussbericht zusammengefasst und priorisiert worden. Der Stadtrat hat den Bericht im Herbst behandelt und eigene Wünschbarkeiten formuliert. Dazu gehört, dass einige der Forumsergebnisse noch geschärft werden sollen. Das betrifft die Lage der öV-Haltestellen am Bohl, den Markt und ein möglicher Bibliotheksstandort Union/Blumenmarkt.

Ein neuer Wettbewerb solls bringen

Der Stadtrat hat entschieden, in diesem Rahmen einen offenen, anonymen Planungswettbewerb durchzuführen, der Schub bringen soll. Die Kosten werden auf 285’000 Franken veranschlagt. Für die vertieften verkehrstechnischen Abklärungen (öV) sind 90’000 Franken eingesetzt worden, 50’000 Franken als Zusatzkredit für die Weiterführung der partizipativen Planung.

Die Höhe des Rahmenkredites, der letztlich für die Neugestaltung des Marktplatzes nötig ist und über den an der Urne abgestimmt werden muss, ist noch offen. Er lässt sich erst nach den Ergebnissen des Planungswettbewerbes festlegen. Die Ergebnisse aus der Forumsarbeit sollen in den Planungswettbewerb einfliessen. Angesprochen sind interdisziplinäre Teams aus den Bereichen Landschaftsarchitektur, Architektur, Städtebau, Licht- und Verkehrsplanung.

Die Neugestaltung der City hat Visions-Charakter. Es wird an grosse, flexibel nutzbare Flächen und publikumsorientierte Erdgeschosse gedacht. Die bestehende Rondelle soll als Verpflegungsort oder Kiosk in das Konzept integriert werden. Ferner wird ein ständiger Markt – jedoch ohne feste Installationen – angestrebt. Auch sollen Fahrradabstellplätze und Abstellplätze für Taxis im Gestaltungskonzept untergebracht werden.

Grün wird zum Gestaltungsmerkmal des Platzes. Die City-Neugeburt kann nach Auffassung des Stadtrates entweder in flexibel umgesetzten Etappen oder als Ganzes erfolgen.

Grobtermine gesetzt

Der Countdown für die erste Bauetappe kann schon in vier Jahren stattfinden, wenn alles rund läuft. Die Grobtermine für die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmark sind gesetzt: In der ersten Hälfte des nächsten Jahres soll das Ergebnis der verkehrlichen Machbarkeitsstudie vorliegen und die Standortentscheidung für die Bibliothek getroffen werden. Ebenso sind für diesen Zeitraum das Vorliegen des Wettbewerbsprogramms mit den entsprechenden Information und die Ausschreibung des Wettbewerbes angesagt.

Gegen Ende 2018 sollte dann das Resultat des Planungswettbewerbs vorliegen, sodass Anfang 2019 ein drittes «Marktplatz Forum» zum Thema Wettbewerbsresultat stattfinden kann.

Der Antrag für den Rahmenkredit für die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt könnte nach diesem Fahrplan bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2019 vorliegen, sodass Mitte Jahr ein Urnenentscheid möglich wäre. Bei positivem Ausfallen startet die Projektierung, die wohl bis Ende 2020 dauern würde. Die erste Bauetappe wäre dann frühestens 2021 möglich.

Noch Fragen?

Die öffentliche Informationsveranstaltung im Kirchgemeindehaus St. Mangen lief routiniert ab. Auf vier Flipcharts konnten die etwa 100 Besucherinnen und Besucher ihre Fragen notieren lassen, die dann zügig von Stadträtin Maria Pappa von der Direktion Bau und Planung und vom Leiter des Stadtplanungsamtes, Florian Kessler, beantwortet wurden.

Wann ist Schluss mit dem Individualverkehr am Marktplatz und Bohl? Der Entscheid sei getroffen, den Individualverkehr aus dem Areal zu verbannen, sagte Pappa. Die Inkraftsetzung werde aber durch Einsprachen blockiert. Da werde noch das Verwaltungsgericht entscheiden müssen.

Wie lange dürfen auf dem Blumenmarkt noch Autos parkiert werden? Das machte die Stadträtin ebenfalls von der Erledigung der Einsprachen abhängig.

Wird der Blumenmarkt baulich von der möglichen Bibliotheksverlegung aus der Hauptpost betroffen? Pappa meinte, dass darüber noch nichts gesagt werden könne, zumal der Standort Union/Blumenmarkt für die Bibliothek gegenwärtig gar nicht feststehe.

Warum wird der ÖV am Marktplatz und Bohl nicht unterirdisch geführt? Stadtplaner Kessler sieht gewichtige Hinderungsgründe bei den immensen Kosten und dem baulichen Aufwand einer solchen Lösung.

Wo gibts Realersatz für die Parkplätze, die mit der Neugestaltung Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt aufgehoben werden? Laut Pappa ist Ersatz bereits vorhanden, in den vielen Parkgaragen rund um das Areal.

Wann kann ein Markt stattfinden, wann nicht? Immer dann, wenn keine Veranstaltungen auf dem Marktplatz durchgeführt würden, sagt Pappa.

Was geschieht mit der Calatravahalle? Je nachdem wie die Haltestellen-Frage für den ÖV entschieden würde, könne die Calatravahalle abgebrochen oder auch stehengelassen werden, meinte Kessler.

Was bedeutet die Erdgeschoss-Nutzung? Damit sei eine Nutzungsverknüpfung der Erdgeschosse in den Liegenschaften mit dem öffentlichen Platz gemeint. Die Eigentümer der Häuser seien daran interessiert, sagte der Stadtplaner.

Und wann, Frau Stadträtin, können Sie Ihre erste Bratwurst auf dem neuen Marktplatz essen? Pappa hofft, dass das noch in ihrer Amtszeit möglich ist.

1 Kommentar zu Vision nimmt Formen an

  • Christoph Maeder sagt:

    Die ganze planerische Betriebsamkeit um den Marktplatz ist für mich als Einwohner von St. Gallen immer unverständlicher. Was ist denn eigentlich nicht gut am jetzigen Zustand? Die Rondelle gehört renoviert, weil sie in einem beschämenden Zustand ist, der Calatravabogen als städtebauliche Perle muss bleiben und damit ist doch im grossen Ganzen alles in Ordnung und funktioniert. Und die doofen Streitereien wegen ein paar Parkplätzen versteht doch auch schon lange niemand mehr …

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