Volle Tresore, Tendenz steigend
Jährlich werden in der Deutschschweiz rund 600 Millionen Franken von den Lotterien auf die Kantone verteilt. Während der ausgeschüttete Reingewinn kontinuierlich steigt, stapeln sich auch die Reserven in den kantonalen Fonds.
(Bilder: Studio Toericht)
Die Hälfte der Schweizer:innen nimmt einmal im Jahr an Glücksspielen teil, jede siebte Person monatlich, Tendenz steigend. Das zeigt eine Studie von 2022. Die Spieler:innen testen ihr Glück, hoffen auf Trumpf oder sechs Richtige. Die Chance, im Lotto zu gewinnen, ist allerdings kleiner, als von einem Blitz getroffen oder einer herabfallenden Kokosnuss erschlagen zu werden. Gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren der Kauf von Losen und die Teilnahme an Online-Sportwetten kontinuierlich angestiegen. Grund für letzteres ist das neue Geldspielgesetz, wonach Online-Glücksspiele seit 2019 zulässig und ausländische Angebote gesperrt sind.
Was nicht gewonnen wird, bleibt im Topf. Mit der Summe im Jackpot steigt auch die Spielfreude. In der Folge steigen die Einnahmen der interkantonalen Landeslotterie Swisslos und der Loterie Romande. Und damit der Reingewinn der beiden von den Kantonen beauftragten Lotterien.
Von den Swisslos-Einnahmen gehen 66 Prozent an die Spieler:innen in Form von Gewinnausschüttungen, sechs Prozent werden als Provisionen an die Verkaufsstellen ausbezahlt, drei Prozent fliessen in den Betriebsaufwand und 25 Prozent gehen als Reingewinn an die Stiftung Sportförderung Schweiz, welche den Spitzensport fördert, sowie direkt an die 20 Deutschschweizer Kantone, das Tessin und das Fürstentum Liechtenstein.
Die Kantone und das Ländle erhalten den Löwenanteil, etwa zehn Prozent gehen an den Spitzensport. Der über Lose generierte Gewinn wird nach Bevölkerungszahl verteilt, der durch übrige Spiele entstandene jeweils zur Hälfte nach Bevölkerungszahl und nach Spieleinsatz im jeweiligen Kanton. Im Tessin und im Fürstentum sind ausserdem nicht alle Produkte von Swisslos erhältlich, folglich erhalten sie nur die Gewinnanteile der dort erhältlichen Produkte.
*Die Stiftung Sportförderung ist zuständig für den Spitzensport. Auf kantonaler Ebene wird der Breitensport gefördert. Quelle: Swisslos, Jahresbericht 2024
Für die Aufsicht der Glücksspiele in der Schweiz ist die interkantonale Geldspielaufsicht (Gespa) verantwortlich. Sie überwacht Veranstalter:innen, kontrolliert die Einhaltung der Vorschriften und beobachtet das Spielverhalten. Die von den Kantonen getragene öffentlich-rechtliche Behörde hat ausserdem die Befugnis, Sanktionen und Massnahmen zu verhängen. Weitere Aufgaben können ihr die Kantone selbst übertragen. Zudem erstellt und veröffentlicht die Gespa jährlich einen Tätigkeitsbericht mit Statistiken sowie Zahlen zur Verwendung der Reingewinne aus Lotterien und Sportwetten für gemeinnützige Zwecke durch die Kantone.
Gemäss jenem aus dem Jahr 2024 wurden rund 680 Millionen Franken Reingewinn von Swisslos und der Loterie Romande an die Kantone und das Fürstentum Liechtenstein ausbezahlt. Laut Bundesverfassung müssen diese die Gelder für gemeinnützige Zwecke verwenden, allerdings obliegt die Ausgestaltung der Kriterien zur Vergabe den Kantonen.
Gemäss dem 2019 ratifizierten Geldspielkonkordat haben sich ausserdem die Kantone und die Gespa auf Regelungen zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Spielsucht geeinigt und damit auch verpflichtet, transparent über die Verwendung der Lotteriefondsgelder Auskunft zu geben. Allerdings werden fehlende Auskünfte von der Gespa nicht geahndet und auch von Swisslos nicht weiterverfolgt.
Die meisten Kantone haben für die Lotteriefondsgelder mindestens einen Fonds, je nach zu förderndem Bereich. In St.Gallen und dem Thurgau sind es deren zwei, die beiden Appenzell verfügen über je drei Fonds, von denen jeweils einer nicht nur über die Lotteriegelder gespiesen wird. Über die letzten fünf Jahre sind diese Fonds schweizweit angestiegen, denn gemäss Swisslos steigen die ausgeschütteten Gewinne bereits seit 2010 kontinuierlich an und werden auch in Zukunft tendenziell ansteigen.
Ende 2024 befanden sich in den beiden St.Galler Fonds rund 55 Millionen Franken inklusive der Fondsverwaltungskosten. Der Ringkanton selbst gibt auf den öffentlich einsehbaren Dokumenten als Reserve allerdings nur die «frei verfügbaren Mittel» an: Rund 15 Millionen Franken in dem Fonds, der neben Gesundheit, Bildung und Forschung, Denkmalpflege, Sozialwesen, Jugend und Erziehung, Umwelt- und Entwicklungshilfe auch Kultur und übrige gemeinnützige Projekte finanzieren soll, sowie rund 7 Millionen in dem für den Breitensport zuständigen Fonds.
Der Umgang mit den Lotteriefondsgeldern variiert von Kanton zu Kanton teilweise stark, somit auch die Abrechnungen und Zahlen. Aus administrativen Gründen werden teilweise Reingewinn-Anteile des Vorjahres ausgewiesen, in anderen Fällen werden die tatsächlich erhaltenen Mittel ausgewiesen, selbst wenn sie aus Teilzahlungen unterschiedlicher Reingewinn-Anteile aus verschiedenen Geschäftsjahren von Swisslos stammen. Für diese Recherche hat Saiten sich mit allen vorhandenen Zahlen beschäftigt und hält sich in der Folge an jene der Gespa. Quelle: Gespa, Entwicklung der Lotteriefonds in Prozent, gemessen am Stand 2020
In Appenzell Innerrhoden befinden sich rund 1,4 Millionen Reserven in den drei Fonds und in Ausserrhoden etwa 5,5 Millionen, inklusive Verwaltungskosten (diese fallen in Innerrhoden nicht an), davon werden 5 Millionen als frei verfügbar angegeben. Im Kanton Thurgau befinden sich sogar rund 66 Millionen in den beiden Fonds, als frei verfügbare Mittel und inklusive Fondsverwaltungskosten.
Die Reserven sind also stabil – nicht nur in der Ostschweiz. Doch die Vergabepraxis variiert von Kanton zu Kanton und damit auch die Art und Weise wie die Beiträge verrechnet werden.
Somit ist es am Ende schwer, die Kantone überhaupt miteinander zu vergleichen. Was mit den Geldern passiert, lässt sich im Artikel über die Kulturfeindlichkeit nachlesen sowie in einem weiterem über die Vergabeprozesse und Richtlinien der Ostschweizer Kantonen (schon jetzt im Heft zu lesen).
Lotteriefonds
Die St.Galler SVP versucht vermehrt, aus ideologischen Gründen Beiträge aus dem Lotteriefonds zu streichen. Es laufen verschiedene Bestrebungen, die Vergabepolitik neuzuregeln. Eine Motion der bürgerlichen Fraktionen wirft diverse Fragen auf.
Die Sparmassnahmen des Bundes dürften sich insgesamt negativ auf die Kulturförderpolitik der Kantone auswirken. Kommt hinzu, dass diese ihrerseits sparen. Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten.
Mit dem Entlastungspaket 27 will der Bund sparen. Ein Blick in die 59 Massnahmen zeigt: Viele davon haben direkte und indirekte Folgen für die Schweizer Kultur – es sind die wohl schädlichsten seit langer Zeit.
Nach jahrelanger Arbeit hat Sonart im Mai die Honorarrichtlinien für professionelle Musiker:innen veröffentlicht. Was diesen die Existenzgrundlage sichern soll, verschärft für Veranstalter:innen und Konzertlokale die finanziellen Probleme – mit entsprechenden Rückkopplungen auf das Booking.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.