Weithin wird mit der HSG als Leuchtturm der Ostschweiz hausiert. Aber selbst Leuchttürme werfen Schatten. Wo Regierung und Rektorat bisher nicht so recht hinschauen wollten und die Finanzkontrolle eifrig mitschattierte («um das Vertrauensverhältnis zur kontrollierten Institution nicht zu gefährden»), pfunzelt nun die mediale Stirnlampe umher und bringt endlich etwas Licht ins Dunkel der Spesen- und sonstigen Mauscheleien.
Behörden und Hochschule wehren sich mit aller Vehemenz gegen die Vermischung jener zwei Themenfelder, welche die HSG derzeit umtreiben: die geplante Uni-Erweiterung am Platztor auf der einen, die Spesenskandale auf der anderen Seite. Im Juni stimmt die Kantonsbevölkerung über den Neubau ab. Es geht um 160 Millionen Franken. Nüme gad nüt, ein Betrag, der natürlich in keinem Verhältnis steht zu den paar zu viel bezogenen Spesenfränklein.
Wer jetzt von den unschönen Einzelfällen auf die ganze Institution schliesst, so muss man diese Rhetorik deuten, wer also diese von bürgerlicher Seite für unzulässig erklärte Vermischung trotz allem vornimmt, handelt bar jeder Vernunft und gegen die Interessen von Land und Leuten. Weshalb diese Vermischung aber unzulässig sein soll, hat bisher niemand schlüssig erklären können. Selbst die Unileitung spricht mittlerweile von der Notwendigkeit eines Kulturwandels. Deutlicher kann die HSG nicht sagen, dass da und dort eben doch die pure Gier grassiert.
Es gibt durchaus Stadtbewohner, die überhaupt nicht wollen, dass die HSG näher ins Stadtzentrum vorrückt. Immerhin gäbe es auch auf dem Rosenberg noch Boden, den die HSG bebauen könnte. Eine freundnachbarschaftliche Beziehung baut man nicht auf, indem man sich einfach in die Stube des Nachbarn hockt und womöglich noch nicht einmal die schmutzigen Schuhe ausgezogen hat. Darum schlägt Saiten vor: Ja zum Platztor-Campus, aber nur wenn die Geisteswissenschaften massiv ausgebaut und Naturwissenschaften eingeführt werden. Das würde zusätzlich eine Dozenten- und Studentenschaft anziehen, für deren «Kultur» sich die Uni tendenziell weniger oft entschuldigen müsste.
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.