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Vom Zauber des Dazwischen

Gian Trüb und Michael Schneider der St.Galler Band Heera (Bild: pd)

Gian Trüb und Michael Schneider der St.Galler Band Heera (Bild: pd)

Die St.Galler Band Heera hat vergangenes Jahr die EP The Days In Between herausgebracht. Rund ein halbes Jahr später findet am 7. März die Plattentaufe im Palace statt. Saiten hat mit der Band gesprochen. 

Gleich vor­ab: Be­vor ihr, hoch­ge­schätz­te Le­ser*in­nen­schaft, jetzt ir­ri­tiert die Ka­len­der zückt: Yes, den ta­len­tier­ten Mu­si­ker:in­nen von Heera ist ihr Zeit­plan tat­säch­lich ein we­nig durch­ein­an­der­ge­ra­ten, oder war­um fei­ert man ei­ne Plat­ten­tau­fe vie­le Mo­na­te nach dem ei­gent­li­chen Re­lease? Die fünf­tei­li­ge EP The Days In Bet­ween er­schien näm­lich schon im ver­gan­ge­nen Som­mer – ge­tauft wird aber am 7. März im Pa­lace in St.Gal­len. 

Aber kei­ne Sor­ge, das soll ge­nau­so sein, wie uns Gi­an Trüb, der ge­mein­sam mit Mi­cha­el Schnei­der Heera formt, im Ge­spräch er­klärt: «Nach dem Re­lease von The Days in Bet­ween, un­se­rer DIY-Wa­gen­tour und dem Mo­nat als «SRF 3 Best Ta­lent Au­gust» war schlicht­weg ex­trem viel los. Wir wa­ren stän­dig un­ter­wegs und durf­ten ex­trem viel er­le­ben und da­zu­ler­nen, hat­ten aber nie ei­nen Mo­ment, um die­se EP be­wusst in ei­nem ei­ge­nen Kon­zert­rah­men zu fei­ern. Das ho­len wir jetzt nach. Es ist des­halb kei­ne klas­si­sche Plat­ten­tau­fe, son­dern, ganz im Sin­ne der EP, ein Tag zwi­schen Ver­än­de­run­gen. Ein be­wuss­tes In­ne­hal­ten. Wir fei­ern die­ses Ka­pi­tel und schla­gen gleich­zei­tig das nächs­te auf.»

Selbst­er­mäch­ti­gung und Sit­com-Sound­track

Vor dem Hin­ter­grund des ewi­gen «Hö­her-Schnel­ler-Wei­ter» der Al­go­rith­men, das Bands und Ar­tists ge­gen­wär­tig un­ter Dau­er­stress setzt, macht die­se Form der Ent­schleu­ni­gung to­tal Sinn. Denn ob Mu­sik die­ser Ta­ge ihr Pu­bli­kum fin­det, hat oft we­ni­ger mit der ei­gent­li­chen Qua­li­tät der Kunst als viel­mehr mit Mo­men­tum zu tun und hängt oft am will­kür­li­chen «Dau­men hoch oder Dau­men run­ter» von mensch­li­chen und nicht­mensch­li­chen Ent­schei­dern. 

Dass Heera, die in ih­rer EP ei­nen ent­schei­den­den Mo­ment ih­rer Band­ge­schich­te aus­ma­chen, sich dem ent­ge­gen­zu­stel­len ver­sucht, ist Selbst­er­mäch­ti­gung. Und über­haupt: Die­se fünf Songs of­fen­ba­ren ei­nen be­son­de­ren Zau­ber, der un­be­dingt ge­wür­digt wer­den soll­te.

Und yes, viel­leicht ist das jetzt ein Mil­len­ni­al ex­klu­si­ves Ver­weis­sys­tem, aber die­se EP trägt die ar­chi­vier­te DNA ei­nes ge­wis­sen Zeit­geis­tes in sich, den vie­le von uns mit rea­len Mu­sik­ge­schmack-Er­we­ckungs­mo­men­ten ver­bin­den. In den aus­klin­gen­den 00er Jah­ren er­leb­te ei­ne gan­ze Rei­he von In­die-Folk-Bands durch ih­re Prä­senz in US-Se­ri­en­sound­tracks ei­nen kom­ple­xen Auf­stieg, der sie auch in Mit­tel­eu­ro­pa oh­ne (Mu­sik)TV- oder Ra­dio­prä­senz be­rühmt mach­te. 

Sit­coms wie Scrubs, Ca­li­for­ni­ca­ti­on oder OC Ca­li­for­nia (al­le­samt üb­ri­gens so mit­tel­gut ge­al­tert) setz­ten vor al­lem in emo­tio­na­len Mo­men­ten auf sphä­risch-zer­brech­li­che Bands wie De­ath Cab For Cu­tie, The Shins, Snow Pa­t­rol oder Bright Eyes. Und die­ser Sound fand sei­nen Weg aus den Tren­nungs­sze­nen di­rekt auf un­se­re Mix­tapes. 

Und noch­mals yes, ihr ahnt es: Heera-Stü­cke wie Car­ry Away oder Sun­down funk­tio­nie­ren ge­nau­so – sie sind der emo­tio­na­le Um­a­mi-Boost, der dei­nem Ge­fühls­le­ben ge­fehlt hat. Da­zu passt auch, was Gi­an Trüb über die Her­an­ge­hens­wei­se des Du­os an die­se EP er­klärt: «Vie­le Songs sind aus Stim­mun­gen ent­stan­den, nicht aus Kon­zep­ten. Wir hat­ten oft Bil­der von Über­gän­gen im Kopf: lee­re Büh­nen nach ei­nem Kon­zert, Mo­men­te kurz vor ei­nem Auf­bruch, die­ses Ge­fühl zwi­schen zwei Le­bens­pha­sen. Viel­leicht wirkt die EP des­halb wie ein Sound­track, sie be­schreibt we­ni­ger ei­ne kon­kre­te Sto­ry, son­dern eher ei­nen in­ne­ren Film. Zwi­schen lei­se und in­tro­spek­tiv bis far­big und ex­tro­ver­tiert ent­steht ei­ne dre­a­my Welt, in der man sich ver­lie­ren kann.»

Po­lier­te Träu­me 

Das Da­zwi­schen er­scheint mit Blick auf die­se Plat­te tat­säch­lich als pas­sen­der Dis­kurs­ort, weil im Zwi­schen­raum der Me­ta­mor­pho­se ja stets et­was be­ginnt und par­al­lel da­zu et­was zu En­de geht. Fol­ge­rich­tig tau­melt The Days In Bet­ween bit­ter­süss an­ge­schla­gen durch me­lan­cho­li­sche Traum­wel­ten – und weil Träu­me ja auch nichts an­de­res als ins Ab­sur­de ge­dreh­te Film­col­la­gen un­se­res Un­ter­be­wusst­seins sind, soll­te man Heera ver­mut­lich am bes­ten mit ge­schlos­se­nen Au­gen hö­ren. «The­ma­tisch geht es um das, was zwi­schen den gros­sen Mo­men­ten pas­siert: Ver­än­de­rung, War­ten, Los­las­sen. Um die­se Pha­se, in der man manch­mal das Ge­fühl hat, man tritt auf der Stel­le, und merkt erst spä­ter, dass ge­nau dort Wachs­tum pas­siert ist. Gleich­zei­tig ist es ei­ne Hom­mage an die­se Mo­men­te, die wir mehr schät­zen wol­len.»

Da­mit ein sol­ches Vor­ha­ben wirk­lich funk­tio­nie­ren kann, gilt es, ei­nen fein­füh­li­gen Ba­lan­ce­akt auf Mes­sers Schnei­de zu hal­ten. Denn um den Sweets­pot der Hö­rer:in­nen zu tref­fen, müs­sen die Kom­po­si­tio­nen glei­cher­mas­sen in­tim und fast schon fra­gil wir­ken, sich aber dar­über hin­aus po­liert und bei­na­he welt­um­fas­send prä­sen­tie­ren. Die frü­hen Cold­play hat­ten die­ses Kunst­stück einst per­fek­tio­niert, ehe sie in Rich­tung Sta­di­on kipp­ten und die Ma­gie flö­ten ging. 

Heera ge­lingt es im Spe­zi­el­len auf dem Ope­ner Days In Bet­ween und dem ab­schlies­sen­den Her World die­se Dua­li­tät in ei­ner be­wun­derns­wer­ten Per­fek­ti­on zu exe­ku­tie­ren. Die ge­sam­te EP, bei der nur das popro­cki­ge Stück Pi­cking Flowers ein we­nig aus der Rei­he tanzt, ist tief und kom­plex pro­du­ziert, die Stü­cke agie­ren raum­fül­lend oh­ne jed­we­des Man­spre­a­ding. Ei­ne er­grei­fen­de und an man­chen Stel­len et­was be­re­chen­ba­re Hör­erfah­rung.

Wie aber solls mit die­sem span­nen­den Pro­jekt nach der Plat­ten­tau­fe wei­ter­ge­hen? «2026 wird grös­ser, im Sound und auf der Büh­ne. Un­se­re Live­band wächst: Mit Le­na Schil­ter am Bass und Adri­an Hil­ber am Schlag­zeug ent­steht ei­ne neue Dy­na­mik, neue En­er­gie. Zu­sätz­lich ar­bei­ten wir an ei­ner In­die-Elec­t­ro EP mit Fea­ture, die ei­ne deut­lich elek­tro­ni­sche­re Sei­te von Heera zeigt. Da­zu kom­men Fes­ti­val­shows im Som­mer. Die Show im Pa­lace ist ge­nau die­ser Über­gang: Ab­schluss und Neu­start zu­gleich.»

Heera: The Days In Bet­ween: er­schie­nen 2025, di­gi­tal und auf Plat­te.

Plat­ten­tau­fe am Sams­tag, 7. März, 20 Uhr, Pa­lace St.Gal­len.

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