Am 13. August 1988 gründete eine Gruppe aus dem Umfeld der Musikfestwochen den Albani-Music-Club in der Steinberggasse. Zum Eröffnungskonzert spielte der US-amerikanische Rock- und Bluesmusiker Willy De Ville auf. Gibt es zum Jubiläum wieder eine grosse Sause?
Nik Fischer: Nein, wir verzichten auf einen grossen Jubiläumsanlass. Stattdessen erzählen wir während einem Jahr Geschichten rund um die vergangenen dreissig Jahre Albani. Ein Foto von Willy De Ville beim Eröffnungskonzert etwa ist auf dem aktuellen Plakat zu sehen. Wir haben eine neue Website und einen neuen Grafikauftritt, zudem gestalteten wir Taschen, Badetücher und vertreiben einen speziellen Jubiläums-Gin.
Willy De Ville 1988 im Albani (Bilder: pd)
Die Clubs Salzhaus, Gaswerk und Kraftfeld, mit denen das Albani gemeinsam im Verein OnThur organisiert ist, feierten kürzlich ihren 20. Geburtstag. Das Albani ist quasi die alte Dame unter den Winterthurer Clubs. Ist dies eher Vorteil oder Hypothek?
Auf jeden Fall eine Herausforderung. Wir sind einer der ältesten noch in Betrieb stehenden Musikclubs in der Schweiz. Den Anfang machten bekannte Acts. Diese über all die Jahre zu halten, war schwierig. Und obschon das Albani in Winterthur stets präsent war, verschwand der Club in den letzten Jahren schweizweit etwas vom Bildschirm.
Was sind die Gründe dafür?
Das Albani ist ein kleiner Club, der bloss 250 Leuten Platz bietet. Und die Musikszene hat sich verändert, viele neue Clubs wurden eröffnet. Die Schweiz hat eine grosse Dichte an Musikclubs – zudem wurde Zürich immer dominanter.
Du bist nun seit bald zwei Jahren für das Programm verantwortlich. Versuchst Du da Gegensteuer zu geben? Worauf legst Du Wert?
Damit ein Club dieser Grössenordnung bekannt bleibt, muss man immer wieder spannende Acts im Programm haben. Ich versuche, neue Bands mit Potential ins Albani zu holen, damit auch Publikum von ausserhalb der Stadt wieder zu uns findet. Wir beschränken uns nicht auf eine Stilrichtung, Blues hat heute eher weniger Platz.
Seit 1900 ein Begriff
Bereits um 1900 wurde im Lokal an der Steinberggasse zu Volksmusik zum Tanz gebeten, in den 1950er-Jahren sorgte ein Kabarett-Programm für Unterhaltung. 1988 gründeten Markus Hodel, Urs Scheiwiller, Ulrich Diener und Max Schoch – alle Teil des Musikfestwochenteams – den neuen Albani Music Club.
Obschon ja genau das in den Anfangsjahren die Stärke des Albani Music Club war. Bei der älteren Generation ist der Club auch deswegen bekannt.
Genau, früher machte dies das Albani aus. Aber Blues hat heute nicht mehr dasselbe Gewicht. Heute setzen wir mehr auf Indie Rock, Alternative, Hip Hop / Rap oder auch elektronische Musik und sprechen ein jüngeres Publikum an. Nebst den Konzerten gehören Partys zum festen Bestandteil des Programms, auch aus finanziellen Gründen. Mit dem Veranstalten von Konzerten kann man heute kaum mehr überleben. Aus diesem Grund erhalten wir über den OnThur-Verein finanzielle Unterstützung von Stadt und Kanton. Die Subventionen teilen wir mit den anderen drei OnThur-Clubs (Salzhaus, Kraftfeld und Gaswerk). Wir versuchen nicht die Mitte des Mainstreams zu bedienen, sondern ein anspruchsvolles Programm zu bieten, das Musikliebhaber und -liebhaberinnen anspricht. Wir möchten innovative Bands auf unserer Bühne sehen.
Mo 13.8. Die Nerven (DE) Di 14.8. Jessiquoi (CH) Mi 15.8. KT Gorique (CH) Do 16.8. Rock’n’Roll Shakedown Fr 17.8. La Boom – die grosse Sause Sa 18.8. Rock City
albani.ch
Was steht ausser Konzerten und Parties noch auf dem Programm?
Seit mehreren Jahren gehört Poetry Slam zum festen Angebot im Albani. Den Sommer über gibt es neu auch den «Steibi Slam» jeweils am letzten Donnerstag im Juli, August und September. Da bauen wir beim Judd-Brunnen auf der Steinberggasse eine kleine Bühne – beim ersten Mal kam zahlreich Publikum. Zudem gibt es die neue Konzertreihe «Ohne Strom», bei der SingerSongwriter aus der Schweiz unverstärkt auftreten. Ein weiteres neues Format ist die «Diskutheek»: eine Podiumsdiskussion, die bisher drei Mal stattgefunden hat.
Das Albani ist auch ein Hotel mit 12 Zimmern. Wie vertragen sich Bassboxen und Betten?
Primär sind wir eine Bar mit Clubbetrieb, das Hotel ergänzt sich aber wunderbar. Hotelgäste haben freien Zugang zu allen öffentlichen Veranstaltungen. Dies lädt geradezu ein, nach dem Konzert oder einer wilden Partynacht einfach ein oder zwei Stockwerke weiter oben zu übernachten. Zudem sind die Preise am Wochenende günstiger als unter der Woche, weil es dann lauter ist im Haus.
Keziah Jones im Albani.
Lärm ist das Stichwort: Wie beeinflusst Euch der veränderte Umgang damit?
Nik Fischer ist seit zwei Jahren Programmchef im Albani. Auf das KV und die Ausbildung zum Hochbauzeichner und folgte ein Studium in Soziokultureller Animation. Nik Fischer lebt in Baden und gründete dort ein Kulturlokal, ein Freiluftkino, eine Konzertagentur und das One Of A Million-Musikfestival mit.
Unsere zentrale Lage mitten in der Altstadt ist Vor- und Nachteil: Wir sind gut erreichbar und an der Steinberggasse mitten in den Musikfestwochen, kriegen aber auch den Wandel in unserer direkten Umgebung zu spüren. Rundherum werden Häuser saniert. Die Mieten steigen, die Nachbarschaft ändert sich. Diese Entwicklung ist in vielen Städten und Ländern zu beobachten. Deshalb stehen wir im regen Austausch mit den Anwohnern und Anwohnerinnen. Einmal im Jahr laden wir zum Nachbarschaftsbrunch ein. Man kommt ins persönliche Gespräch, das hilft.
Zudem stellen wir eine Verlagerung fest: Die Winterthurer Altstadt wird schon fast zu einer Ruhezone, vieles findet heute ausserhalb statt, zum Beispiel auf dem ehemaligen Sulzerareal Lagerplatz, wo sich ein ganzes Areal mit Gastronomie, Hotel und Kinobetrieb entwickelt. Früher waren wir im Zentrum – heute sind wir für viele weiter weg.
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