Von Clowns und dem Mutigsein

Der 19-Jährige Nando Kuhn hat ein Theaterstück geschrieben. (Bild: pd/Copyright Nando Kuhn)

Als Abschlussarbeit für die Fachmittelschule in Trogen hat der 19-jährige Nando Kuhn ein Bühnenstück geschrieben. Dieses handelt vom Clown Piko, dem es nicht mehr gelingt, lustig zu sein. Die vorerst einzige Aufführung findet am 16. Januar in der Grabenhalle statt.

Auf der Büh­ne zu ste­hen, war für Nan­do Kuhn aus He­ris­au seit je­her ein gros­ser Traum. «Mei­ne Mut­ter sagt im­mer, ich hät­te ge­sun­gen, be­vor ich re­den konn­te», er­zählt der 19-Jäh­ri­ge. Spä­tes­tens, als er im Kin­der­gar­ten­al­ter den Film Mam­ma Mia! ent­deck­te, war sei­ne Be­geis­te­rung für Mu­sik und Schau­spiel voll­ends ent­facht. Sei­ne El­tern, selbst kul­tu­rell in­ter­es­siert, aber nicht mu­si­ka­lisch oder künst­le­risch ak­tiv, hät­ten ihn da­bei vor­be­halt­los un­ter­stützt. 

Prak­tisch sein gan­zes Le­ben lang sind Mu­sik und Schau­spiel fes­ter Be­stand­teil von Kuhns Le­ben. Sie sei­en für ihn ein Aus­gleich, oh­ne den er den All­tag wohl nicht aus­hal­ten wür­de, sagt der He­ri­sau­er. «Sie sind wie ei­ne ei­ge­ne Spra­che.» Ei­ne Spra­che, mit der er Din­ge ver­ar­bei­ten, Pro­ble­me an­spre­chen oder auch mal Po­li­ti­sches auf­grei­fen kön­ne. «Ich bin ein­fach ger­ne auf der Büh­ne. Da kann ich Voll­gas sein, wer ich bin». 

Im Som­mer schliesst Kuhn die Fach­mit­tel­schu­le in Tro­gen mit dem Schwer­punkt Päd­ago­gik ab, da­nach möch­te er Schau­spiel stu­die­ren. Als Ab­schluss­ar­beit hat er das Ein-Per­so­nen-Büh­nen­stück Die Wahr­heit trägt Schmin­kege­schrie­ben, das am 16. Ja­nu­ar in der Gra­ben­hal­le zum ers­ten Mal ge­zeigt wird. 

Die «es­ka­lier­te» Ab­schluss­ar­beit

Ur­sprüng­lich woll­te Kuhn nur ei­nen Mo­no­log für die im Früh­ling an­ste­hen­den Schau­spiel­auf­nah­me­prü­fun­gen er­ar­bei­ten. «Aber ir­gend­wann sag­te ich zu mir: Wenn ich das schon ma­che, dann ma­che ich es rich­tig, und zwar im gros­sen Rah­men.» Ob­wohl es «et­was es­ka­liert» sei, ha­be sei­ne Ab­schluss­ar­beits­be­treue­rin und Schau­spiel­leh­re­rin Bar­ba­ra Bucher ihn stets un­ter­stützt. Nach und nach ent­wi­ckel­te sich so aus dem Mo­no­log ein abend­fül­len­des Pro­gramm, in­klu­si­ve Fi­nan­zie­rung, Raum­su­che, pro­fes­sio­nel­ler Be­leuch­tung und mu­si­ka­li­scher Be­glei­tung.

Im Zen­trum des Stücks steht der «clown­ar­ti­ge Co­me­di­an» Pi­ko. Die­ser muss als Clown im­mer lus­tig sein. Doch das wird zur Her­aus­for­de­rung, und der Druck zu per­for­men steigt – bis Pi­ko in sei­ner Gar­de­ro­be zu­sam­men­bricht. «Und um ge­nau die­sen Mo­ment geht es, den Mo­ment, wenn die Mas­ke fällt», er­zählt Kuhn. Pi­ko blickt dann in sei­ne Ver­gan­gen­heit und das Pu­bli­kum er­fährt, wie die Kunst­fi­gur über­haupt ent­stan­den ist.

Die Angst, nicht ge­nug zu sein

Im Stück geht es um Leis­tungs­druck, Er­war­tungs­hal­tung und die Angst, nicht zu ge­nü­gen. The­men, mit de­nen Kuhn selbst Er­fah­run­gen ge­macht hat: «Als ich in ei­ner Selbst­fin­dungs­pha­se war – wo­bei man das ja ei­gent­lich ein Le­ben lang ist – ha­be ich ge­merkt, wie an­spruchs­voll es sein kann, bei sich zu blei­ben. Ich ha­be ver­sucht, mei­nen ei­ge­nen Weg zu fin­den und ich selbst zu sein, auch wenn das nicht im­mer auf Ver­ständ­nis stiess. Trotz fa­mi­liä­ren Rück­halts war die­ser Weg nicht frei von Un­si­cher­hei­ten und Rei­bung.» 

Er sei über­zeugt, dass die­se Er­fah­rung vie­le Men­schen tei­len. Für das Stück ha­be er des­halb nicht nur ei­ge­ne Er­leb­nis­se und sol­che aus sei­nem Um­feld ver­ar­bei­tet, son­dern auch Ein­drü­cke aus der Li­te­ra­tur.

Je nä­her sein Auf­tritt rü­cke, des­to ner­vö­ser wer­de er, sagt Nan­do Kuhn. «Aber es ist ein sehr freu­di­ges Ner­vös­sein. Auf der Büh­ne zu ste­hen und zu per­for­men ist ei­ner der in­tims­ten Mo­men­te. Aber ich zei­ge mich ger­ne von die­ser ver­letz­li­chen Sei­te, ob­wohl es Mut braucht. Es ist ein­fach sehr be­frei­end und dass ich ein Thea­ter­stück spie­len kann, gibt mir so viel, dass die Freu­de fast al­les an­de­re über­wiegt.» Den Mut da­zu schöpft er aus sei­nem Um­feld. Fa­mi­lie und Freund:in­nen, aber auch Lehr­per­so­nen ge­ben ihm Rück­halt und un­ter­stüt­zen ihn. 

«Plan B ist Plan A.» 

Kuhn kann es kaum er­war­ten, bis es los­geht: «Wenn es vor­bei ist, bin ich si­cher trau­rig.» Mit der «Welt­pre­mie­re», wie er die Auf­füh­rung in der Gra­ben­hal­le mit ei­nem Au­gen­zwin­kern nennt, sei es aber noch nicht vor­bei. Es sol­len wei­te­re Auf­füh­run­gen von Die Wahr­heit trägt Schmin­ke in re­gio­na­len Klein­thea­tern fol­gen. 

Ab dem Früh­ling will sich Nan­do Kuhn auf die Auf­nah­me­prü­fun­gen kon­zen­trie­ren – er will die Schau­spie­le­rei zu sei­ner Pro­fes­si­on ma­chen. Es ste­hen Schau­spiel­schu­len in Zü­rich, Wien, Ber­lin und Ham­burg auf der Lis­te. Die Kon­kur­renz ist gross und die Plät­ze sind be­grenzt. Ei­nen Plan B ha­be er nicht. «Plan B ist Plan A.» Wenn es nicht auf An­hieb klap­pe, ver­su­che er es ein­fach wei­ter. Und sonst blie­be im­mer noch die Mu­sik als mög­li­che Stu­di­en­rich­tung. 

Aber ei­nes sei klar: «Ich möch­te auf die Büh­ne.»

Die Wahr­heit trägt Schmin­ke: 16. Ja­nu­ar, 19 Uhr, Gra­ben­hal­le St.Gal­len

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