Kategorie
Autor:innen
Jahr

Von Neuhausen bis Pjöngjang

Geischterfahrer ist das zweite Album der Schaffhauser Papst & Abstinenzler. In unverfälschtem Schaffhauser Dialekt, mit Standortfragen und Surf-Musik. von David Nägeli
Von  Gastbeitrag

Papst & Abstinenzler – der Name der Band wirke nach durchgeknallter Anwaltskanzlei, meint der Slam-Poet Gabriel Vetter. Die Musik hingegen klingt wie ein Blick von Neuhausen aus über den Rheinfall – ohne Postkarten-Romantik und spät in einer schwarzen Nacht. Oder im Schaffhauser Dialekt gesagt: «Ä Schtärnschnuppe schloht mer ä Loch in Chopf, niemer machts zue. Und ein macht scho ä Loch in Bode und seit: bald isch Rueh.» Dazu hört man musikalische Leihgaben aus Italowestern, deutschem Krautrock und der restlichen Welt. Oder mit einem Songtitel von Papst & Abstinenzler gesagt: London – Neuhuuse – Pjöngjang.

«Liebi isch än Drumbeat, 24 Schtund am Tag»

Aufgenommen im Startrack-Tonstudio SH des Aeronauten-Sängers Olifr «Guz» Maurmann, klingt das Ende Januar erschienene Album Geischterfahrer in den ersten Songs nach Stiller Has – oder auch mal nach den Aeronauten. Mit ausgeprägt nonchalanten, lakonischen Texten des Sängers Jürg Odermatt. Dann öffnen sich die Schubladen: Blues-Gitarren unter düsterem Gesang, ein Western-Instrumental à la Ennio Morricone und als musikalischer Höhepunkt: Malcolm Mooney. Mit einem Feature von Malcolm Mooney, dem US-Amerikanischen Sänger der deutschen Krautrockband Can. Was als Spoken-Word-Track beginnt, fliesst elegant in repetitive Perkussion über. «Liebi isch än Drumbeat, 24 Schtund am Tag», singt Odermatt.

Spannendes entsteht bei Papst & Abstinenzler im Raum zwischen Text und Musik: In London – Neuhuuse – Pjöngjang (einem Song über die innere Leere bei ihrer fiktiven Welttournee) hört man glückliche Gitarrenklänge und Melodien, welche sich der globale Pop längst angeeignet hat. Und der Text darüber, in unverfälschtem Schaffhauser Dialekt: «Nu wel ich kei Uusbildig ha, machi dä ganz Scheiss mit Tanzä und mit Gsang». Das Resultat: Pop mit Schwiizerdütsch. Glückliche Melodien mit Vorstadt-Tragik. Und Surf- und Südland-Musik mit bissigem Kommentar zur Schaffhauser Standortförderung (Schöner Schtärbe).

Der Ohrwurm bohrt tief

Der Mittelpunkt des Albums ist der gleichnamige Song. «Ich bin en Geischterfahrer. Has scho immer gwüsst, und es wird mer immer klarer», singt Odermatt. Ein Solo-Schwimmen gegen den Strom – und nicht nur gegen die Strömungen am Rheinfall. Geischterfahrer ist ein dreieinhalb Minuten langes Crescendo und steigert sich im wiederholten «Fahred aifach wiiter falsch». Hört die Musik auf, bleibt der Satz als Ohrwurm im Kopf hängen. Und vielleicht auch als Einladung.

 

Geisterfahrer ist das zweite Album von Papst & Abstinenzler. Vor vier Jahren erschien Hell, aufgenommen in Odermatts Wohnzimmer. Damals noch als Duo aus Dani Gysel (Gitarren, Banjo) und Odermatt. Heute sind Papst & Abstinenzler mit Martin Fischer (Drums) und Nico Feer (Bass) als Quartett zu sehen. Ihr neues Album zeigt unter anderem, dass sich der Dialekt aus der Nordostschweiz hervorragend für Gesang eignet und wie dem Alltag Geschichten entwachsen. Und dass der (Nord-)Ostschweiz die Geisterfahrer ganz gut tun.

Geisterfahrer im Paradies

Die Feder von Odermatt erkennen die Schaffhauserin und der Schaffhauser übrigens auch ohne Papst & Abstinenzler gehört zu haben. Für Konfrontationen mit Mächtigen und Meinungsmachern der Stadt sorgte bereits der Blog «Verfaulte Geschichten», den Odermatt mit dem «Lappi»-Journalisten Christian Erne bis letzten August führte. Die verfaulten Geschichten waren auch eine Art Geisterfahrer im «kleinen Paradies» Schaffhausen.

Jetzt mitreden: 1 Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
Von Neuhausen bis Pjöngjang – «Saiten» über P&A | Papst & Abstinenzler,  

… uns: Das beste Magazin weit und breit, das Ostschweizer «Saiten», schreibt online über unser Album …

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Im di­gi­ta­len Dschun­gel zu Hau­se

Die An­sied­lung des In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land in St.Gal­len ist Pie­ro Sti­nel­li zu ver­dan­ken. Er kon­tak­tier­te vor zehn Jah­ren die Ver­ant­wort­li­chen von ar­chi­ve.org aus ei­ge­nem An­trieb. In den 90er-Jah­ren war der Mit­grün­der von Va­di­an.net und Klang und Kleid ein In­ter­net­pio­nier.

Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39

Sehn­sucht nach Frei­heit

Das Thur­gau­er Pop-Phä­no­men Noe­mi Be­za ver­öf­fent­licht An­fang Ju­ni ih­re neue EP. You’ll Find Me The­re ver­eint Coun­try-Vi­bes mit ast­rei­nem Pop – was man ein we­nig ver­misst, sind Ecken und Kan­ten.

Von  Jeremias Heppeler
1 Pressefoto Noemi Beza Youll Find Me There

Kolumne: Stimmrecht im Juni

Back to the Fu­ture

Von  Liliia Matviiv

Ausstellung in Herisau

70 Jah­re und 70 Pup­pen

Von  Vera Zatti
70 Jahre SG Ausstellung

«Gros­ses Lob für die­sen Kel­ler»

Nach 22 Jah­ren gibt Mat­thi­as Pe­ter die Lei­tung der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne ab. Vom Raum ist er nach wie vor be­geis­tert. Aber dem Ka­ba­rett ging es auch schon bes­ser, er­zählt er im Ge­spräch.

Von  Peter Surber
2606 Redeplatz Matthias Peter

Für ei­nen Mo­ment be­rührt

Die Thur­gau­er Künst­le­rin Mi­cha Stuhl­mann be­fasst sich in ih­rem neu­en Pro­jekt mit dem Da­sein im Mo­ment. Am 7. Ju­ni fin­det da­zu ein Work­shop in St.Gal­len statt und am 26. Ju­ni zeigt sie mit ih­rem En­sem­ble die fi­na­le Per­for­mance in Kreuz­lin­gen. 

Von  Vera Zatti
Martin Schweingruber DA SEIN Vorpremiere 20260509 tgkultur 31 von 49