«Wir könnten auf irgendeinem Hügel – dem Freudenberg zum Beispiel – einen Funken machen und Glühwein schlürfend ins neue Jahr rutschen, nicht?», meinte eine Bekannte letztens ganz begeistert. Äh,.. Freudenberg, ernsthaft? Noch nie was von der Eggersrieter Höhe, dem Fünfländerblick oder dem Hohen Hirschberg gehört? Das sind Hügel. Von dort aus lässt es sich ganz wunderbar ins neue Jahr schlitteln.
Wer es heimeliger und nicht gar so abendländisch mag, könnte sich in der Silvesternacht auch im Linsebühl herumtreiben: Im Bosporus etwas essen, von Beiz zu Beiz ziehen, irgendwann in der Buena Onda stranden. Dort werden Radio Bagdad, Nomuso, Manollo, Moussaka Cissokho mit ihren Freunden einen bunten Abend schmeissen, inklusive Afrobeats, Jazz, Oriental und allerhand Überraschungen.
Man könnte dem verschissenen 2014 auch zusammen mit der Kugl-Crew nachwinken. Denn wo, wenn nicht beim Güterbahnhof, liesse sich eine neue Ära besser begehen… Oder um es platt zu sagen: Irgendwo geht immer ein Türchen auf. Entsprechend wild darf dort auch gefeiert werden, mit den Residents Manuel Moreno, Maria Blessing, Ciril Camen, Juristik und mit den DJs von «Oben am Berg»: Luca Mosso und Indeed.
Oberhalb davon, wenn auch nicht ganz im Appenzellerland, wo Mosso und Indeed herkommen, kann ebenfalls getanzt werden. Und das «z’vill Fester»-Rezept der Tankstell liest sich gewohnt sec: 5te Dimension, Nogohome, Tankstell, Menschen, Wasser. – Recht so. Viel mehr braucht es auch nicht, um seelenruhig in die Zukunft zu schwofen. Und weils so schön wird, kostet der Eintritt nur ein Lächeln.
Wem das alles etwas zu technoid ist, könnte es allenfalls im Palace versuchen mit der Silvesterei. Dort wird die Badener Klezmerband Pamplona Grup dem vergangenen Jahr ordentlich den Marsch blasen – ohne Synthie, dafür mit Geige, Klarinette, Akkordeon, Bass und Kistentrommel. Zur Vorbereitung sei an dieser Stelle der Zupfgeigenhansl wärmstens empfohlen.
Aber hey: Wieso nur tanzen, wenn man dazu auch singen kann. Auf einer Bühne. Wie die Grossen. – Wo? In der Grabenhalle. Aber nicht etwa mit Konserven-Sounds wie in den gewöhnlichen Karaoke-Spünten, nein, sondern live und mit der besten Punkrock-Metal-Headbang-Truppe überhaupt: Karaoke Till Death. Zum Aufwärmen gibts Punkpop von den Delilah-Frauen, zum Verschnaufen 80ies-Töne von DJ Enrico Casablanca.
Man könnte sich zur Abwechslung auch mal raus wagen. Raus aus dieser Stadt, rein in den Thurgau, ab ins Kaff. Das Frauenfelder Kulturlokal feiert nämlich nebst dem verendenden 2014 auch gleich die Neueröffnung an der Grabenstrasse 57. Wieso in die Ferne schweifen, dachte sich wohl der kaff’sche Verein, und hat zur Feier des Jahres das Gute aus der Nähe eingeladen: Sebastian Carter, Sektor C (Techno) und DJ Kool Kut Luke (Funk, Rap).
Nun aber schnell zurück in die Stadt, in die kalte Nacht: Die wohl ausgefallenste Feier steigt nämlich in der Militärkantine. Outdoor. Man kann dort mit dem Luftgewehr auf Christbaumkugeln schiessen. Mit dem Luftgewehr. Weihnachten erschiessen. Hell yeah! Wer Knarren nicht mag, könnte sich wahlweise auch dem Feuerwerken widmen, auf der Kreuzbleiche langläufeln oder in der Lastwagendisco das Tanzbein schwingen. Und danach hausgemachte Gerstensuppe aus der Wöschzaine, Hotdogs mit Sauerkraut oder süsse Torten vernaschen. Ha!
In diesem Sinn: Gehabt euch wohl, treibt es bunt und vergesst nicht, euch ein Alka Seltzer bereitzulegen. Sonst klingt ihr am ersten wie einer meiner Lieblingsautoren. «Ich brauche Wahrheit und Aspirin», pflegte er zu schreiben.
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