, 4. Januar 2022
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Warten auf den Klubhaus-Entscheid

In den nächsten Tagen wird die Stadt St.Gallen entscheiden, an wen sie das Klubhaus hinterm Bahnhof verpachtet. Klar ist aber schon: Die Initiant:innen, die dort einen multikulturellen Treffpunkt schaffen wollten, gehen leer aus.

Das ehemalige spanische Klubhaus hinter dem Hauptbahnhof. (Bild: Su.)

Als der «Hogar Español» im letzten Herbst bekannt gab, dass er das Klubhaus aus Mangel an Helferinnen und Helfern nicht mehr weiterführen könne, fand sich rasch eine Gruppe zusammen, die sich schon während der Planungen für das Areal Bahnhof Nord als «Tisch hinter den Gleisen» für alternative Konzepte stark gemacht hatte. Für das Klubhaus schwebte der Gruppe ein multikultureller Treffpunkt vor. Nicht nur das Restaurant, auch die verschiedenen Nebenräume im Haus hätten als Treffpunkt für Migrant:innen, aber auch für Kulturorganisationen, dienen können – so die Idee.

Die Gruppe war unter anderem in Kontakt mit der Genossenschaft Yasmin, einer Gruppe syrischer Frauen, und weiteren Interessierten.

Klubhaus und Fachhochschul-Turm.

Ein solches Konzept wäre allerdings auf finanzielles Entgegenkommen der Stadt angewiesen gewesen. Die Monatsmiete – der Spanierclub zahlte rund 7‘400 Franken Miete pro Monat und weitere gut 1900 Franken pro Monat als Renovationsbeitrag – und vor allem die von der Stadt verlangte Kaution von 60‘000 Franken hätte ein solcher Betrieb nicht von Anfang an aufbringen können.

Doch der Stadtrat trat auf den Wunsch der Gruppe nach einem Mieterlass bis Mitte 2022 nicht ein. Zusätzliche Investitionen ins Klubhaus lägen nicht drin, wurde der Gruppe mitgeteilt.

«Schade, dass der Stadtrat nicht mehr Mut hatte»

Die Gruppe zieht eine ernüchterte Bilanz: «Wir finden es natürlich schade, dass der Stadtrat nicht mehr Mut hatte», gerade auch, weil in den städtischen Konzepten immer wieder von Partizipation und von der Aufwertung der Quartiere die Rede sei. «Wir haben sowohl in unserer Projektskizze, als auch im Gespräch auf diese städtischen Ziele verwiesen. Das hat jedoch nicht viel genützt.»

Laut Auskunft der städtischen Liegenschaftsverwaltung sind nun noch zwei Bewerber:innen in der Endrunde. Entschieden werde in den nächsten Tagen. Ob es sich dabei um rein kommerzielle Projekte handelt, oder ob der Tradition des Klubhauses als Treffpunkt unterschiedlichster Bevölkerungsschichten auch in Zukunft nachgelebt wird, muss sich weisen.

«Wichtiger Ort für die Belebung»

Gebaut wurde das Klubhaus 1888 als Lokal mit zwei Kegelbahnen, in dem vor allem Bahn- und Postmitarbeitende verkehrten. Später wurde der einst offene Innenhof überdacht – und zum grossen Raum mit den Fenstern zu den Gleisen ausgebaut. Im Obergeschoss finden sich kleinere Sitzungszimmer und Säle.

Seit 1981 betrieb es der Spanierclub das Lokal und machte es zum weit über die Stadt hinaus beliebten Treffpunkt. In der Testplanung zum Bahnhof Nord wurde das Klubhaus dann als wichtiger Ort für die Belebung des später einmal zu überbauenden Areals bezeichnet.

Lange war das Gebäude im Eigentum einer eigens gegründeten Genossenschaft, die es dann aber der Familienausgleichskasse des Gewerbes verkaufte, weil die Kasse an seiner Stelle ein Bürohaus bauen wollte. Als dieses Projekt scheiterte, übernahm die Stadt Klubhaus 2015 und renovierte es 2018/19 für 1,8 Millionen sanft – im «Havanna-chic»: Das Dach wurde instand gestellt, die Fassaden wurden nur stellenweise repariert, das Restaurant bekam aber eine neue Küche im Untergeschoss.

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