Grufties der St.Galler Kulturpolitik erinnern sich noch an die Diskussion um das Mummenschanz-Theater. 2002, nach der Expo, wo es die Mummenschanz-Truppe bespielt hatte, wurde es aus mehr oder weniger heiterem Himmel der Stadt St.Gallen angeboten als Spielstätte für Tanz und Theater. Das Theater sah darin einen «Glücksfall», die freie Theaterszene war gespalten, weil sie nur zeitweise Gastrecht darin gefunden hätte und ein eigenes Projekt, das «T-Haus» anpeilte. Ein Standort (auf der Volksbadwiese) schien auch gefunden, doch am Ende wurde aus dem Beinah-Geschenk nichts – die einen wollten die Grünfläche nicht opfern, andere fürchteten die künftigen Betriebskosten. Das Gebäude überlebte trotzdem: Es steht als vielfältiges Gastspiel- und Produktionstheater in Fribourg, muss allerdings gerade saniert werden, mehr dazu auf equilibre-nuithonie.ch/de/.
Jetzt kommt wieder ein Provisoriumsbau auf St.Gallen zu. Das Theater braucht ihn während zwei Spielzeiten als Ersatzbau (warum, erklärt Direktor Werner Signer im Interview). Wir schlagen ins Blaue hinaus vor: Das Provisorium könnte man, statt es nach zwei Jahren wieder abzubrechen, weiter brauchen als provisorisches «Haus der Freien». Mit sinnvollen Anpassungen. Und an einem Standort, der noch zu finden wäre.
Denkbar? Theaterdirektor Werner Signer antwortet: «Das Vorbild für St.Gallens Pavillon ist ja nicht eine Luxuslösung wie in Genf, wo als Ersatz für das Grand Theatre ein Provisorium auf der Place des Nations steht. Auch Zürich hat ein fantastisches Provisorium, die Tonhalle Maag, das über 10 Millionen kostet, und dies nur für Konzerte. Wir planen hingegen einen moderaten Bau, wie beim Ersatzbau für das Theater Bern 2016. Eine solche Baute könnte man möglicherweise weiterverwenden.» Oliver Kühn (mehr von ihm im Interview im Heft) antwortet auf die gleiche Frage: «Wenn das mit einer klaren inhaltlichen und künstlerischen Orientierung und langfristigen, verlässlichen und verbindlichen Planung einhergeht, wäre das sicher ein möglicher Anfang.»
Utopisch? Illusorisch? Superprovisorisch? Oder provisorisch eine Diskussion wert?
Der Theaterkubus, die Ersatzspielstätte für das Theater Bern 2016. (Bild: Felix Brodmann)
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.