, 2. März 2010
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Was ihr wollt – WAS WOLLT IHR?

von Tea Kolbe Sechs Wochen nach Probenbeginn zu Shakespeares „Was ihr wollt“ stehen wir also heute Abend vor der ersten Hauptprobe. Endlich!!! Kann ich da nur sagen. Komödie hin oder her, ich halte Knallbonbons, Karneval und Kauderwelsch nach dem ganzen Fasnachtsgedöns nicht länger aus. Nach spätestens drei Wochen gehen einem die ewig gleichen Slapstick-Nummern auf […]

von Tea Kolbe

Sechs Wochen nach Probenbeginn zu Shakespeares „Was ihr wollt“ stehen wir also heute Abend vor der ersten Hauptprobe. Endlich!!! Kann ich da nur sagen.

Komödie hin oder her, ich halte Knallbonbons, Karneval und Kauderwelsch nach dem ganzen Fasnachtsgedöns nicht länger aus. Nach spätestens drei Wochen gehen einem die ewig gleichen Slapstick-Nummern auf den Keks – doch sie müssen geprobt werden. Immer gleiche Diskussionen, mit immer gleichen Menschen – doch sie müssen geführt werden. Täglich die gleiche Musik – doch sie muss gehört werden. Und mehr und mehr und vor allem unaufhaltsam drängt sich mir die Frage auf …

Was würde ich anders machen?

Dies ist der wohl fatalste Moment einer Assistentin, die selber grad erst inszeniert hat. Also: Die Fragen nach warum, weshalb und wie runter schlucken und versuchen dabei kein Magengeschwür zu kriegen. Doch auf Dauer geht das leider meistens nicht gut. Durch Augenrollen, schweres Ausatmen und (ich muss es hier gestehen) heimliches lesen anderer Bücher während der Probe, haben die Kollegen Schauspieler schnell gecheckt wie es einem geht. Und dann gehen die Diskussionen los. Warum? Weshalb? Wie? Und „Was wollt ihr“

Man sollte mir mit dem wichtigsten Helfer auf der Bühne, dem Gaffa-Klebeband, den Mund zu kleben. Nur das Abreißen tut leider immer so weh …

Doch nun geht es nicht um mich, sondern ich muss EINmal eine Lanze für die Schauspieler auf der Bühne brechen. Denn denen liegt diese Frage, bei jeder Produktion auch wieder im Magen. Doch da sprechen dann halt die Hierarchien im Theater für sich. Welcher Wichtigtuer ist der wichtigste in dieser Seifenoper und hat somit das Zepter in der Hand? Punkt, Punkt, Punkt?

Die Macht der Gewohnheit wird uns in jeder weiteren Produktion wieder einholen und jeder wird mit sich selber und einer Flasche Bier diese Fragen und Ungereimtheiten diskutieren müssen.

Also freuen wir uns jedes Mal umso mehr auf eine Premiere, weil dann im besten Fall 785 NEUE Menschen, wieder etwas völlig neues sehen und darüber ganz neu diskutiert wird. Und dann bleibt nur noch die Frage an euch: Was wollt ihr?

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