Kategorie
Autor:innen
Jahr

Was mit der Abwanderung verloren geht

Ist es das Studienangebot oder sind fehlende Arbeitsplätze schuld? Liegts am Image des Kantons oder gar am Charakter seiner Einwohner? Am Ende der Podiumsdiskussion zur Abwanderung junger Erwachsener aus dem Kanton blieben im Palace St.Gallen viele Fragen offen.
Von  Marion Loher

Etrit Hasler will nicht jammern. «Jammern ist doof», sagt der Stadt- und Kantonsparlamentarier der SP, «und schlimm ist die Abwanderung nicht. Trotzdem müssen wir uns fragen: Was geht verloren, was bleibt hier?» Und er gibt die Antwort gleich selber: «Uns gehen vor allem Geisteswissenschaftler verloren, und das spüren wir in der Politik und in der Kultur.»

Hasler war am Dienstagabend zusammen mit Brigitte Traber (Raumplanerin der Stadt St.Gallen) und Dani Fels (Stadtforscher und Dozent an der Fachhochschule St.Gallen) Gast am Podium der Erfreulichen Universität im Palace. Thema: Die zunehmende Abwanderung junger Erwachsener. Der Kanton St.Gallen hat vor wenigen Wochen Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass vor allem immer mehr 20- bis 29-Jährige ihren Heimatkanton verlassen. 2014 waren es noch 3902 Personen, zwei Jahre später bereits 4140. Gleichzeitig sind in diesem Zeitraum immer weniger Gleichaltrige zugezogen.

IT-Offensive: gut und recht, aber…

Die städtische Raumplanerin warnte davor, auf dieser «negativen Wanderungsbilanz herumzureiten». Bei den Zu- und Wegzügen habe es schon immer Schwankungen gegeben, sagte sie, auch massive. Trotzdem: Weshalb verlassen so viele junge Leute den Kanton und kommen nicht zurück, wollte Gesprächsleiterin und Saitenredaktorin Corinne Riedener wissen. Eine «grosse» Frage, sagte Dani Fels, die schwierig zu beantworten sei. Liegt es an der «extremen Verschlossenheit» der St.Gallerinnen und St.Galler, wie eine Frau aus dem Publikum feststellte? Oder an St.Gallens «Image einer langweiligen Stadt», wie eine andere vermutete?

Dani Fels jedenfalls zeigte Verständnis dafür, dass man aus dem Kanton abwandert: «Es wird ja an so vielem immer wieder geschraubt.» Einen wichtigen Grund sieht er in den eingeschränkten Studienmöglichkeiten: «Die Kunst fehlt.» Die IT-Offensive sei zwar gut und recht, und in ihren Bemühungen, Jugendliche zum richtigen Zeitpunkt abzuholen, wahrscheinlich einzigartig, aber eben nicht alles. Glücklicherweise sei das Architekturstudium wieder eingeführt worden, so Fels, ein «interessanter Bachelor mit Potenzial».

Die Stadt verliert, die Region gewinnt

Abwanderung findet aber nicht überall im Kanton im gleichen Masse statt. «Es gibt einen Unterschied zwischen Stadt und Region», sagte Brigitte Traber. Die Stadt verliert, die Region gewinnt. Woran liegt es? An fehlender Attraktivität? Am hohen Steuerfuss? «Wir haben relativ hohe Pro-Kopf-Ausgaben und sollten uns deshalb schon fragen, ob beispielsweise der Lastenausgleich noch korrekt ist», so die städtische Raumplanerin.

Für die Attraktivität einer Stadt sind ihrer Meinung nach die Qualität des öffentlichen Raumes wichtig sowie Arbeitsplätze mit guten Rahmenbedingungen und bezahlbarer Wohnraum. Hierfür sei in St.Gallen einiges getan worden, zum Beispiel die Neugestaltung des Bahnhofsplatzes, die Erhöhung der Anzahl subventionierter Krippenplätze oder das gute Angebot an Teilzeitarbeitsplätzen.

Weniger attraktiv hingegen ist das Lädelisterben in der Innenstadt. «Aber darauf wurde noch keine Antwort gefunden», kritisierte Hasler. Er wünscht sich eine «lebenswerte Stadt», damit die Menschen nicht nur für eine kurze Zeit hierherziehen. Und da sieht der Politiker auch die kulturellen Institutionen in der Pflicht. «Sie müssen sich mehr austauschen, besser vernetzen – auch mit der Stadt.»

Die abwesenden Abwesenden

Etwa 40 Personen waren an diesem Abend ins Palace gekommen. Das Thema interessiert, in ihm steckt Zündstoff. Doch die heissen, kontroversen Debatten blieben aus, zu ähnlich waren sich die drei Podiumsteilnehmer in ihren Positionen und Meinungen. So war dann auch die Frage aus dem Publikum in der anschliessenden Diskussionsrunde nicht ganz ungerechtfertigt: «Weshalb sitzt kein Vertreter der betroffenen Altersgruppe auf dem Podium?».

Dort sassen sie zwar nicht – Corinne Riedener zitierte aber ein paar Statements von jungen Abwanderern. Zum Beispiel dies:

«Abgehauen bin ich primär aufgrund des Studiums. HSG war keine Option für mich. Und ich hatte auch sehr Lust auf eine grössere Stadt und neue Bekanntschaften. Als ich nach meinem Auslandsemester in Berlin nach Zürich zurückgekommen bin, war mir noch klarer, dass ich in einer Stadt von einer bestimmten Grösse leben möchte. Ich verstehe mich aber auch in meinem Status als Wahlzürcherin durchaus immer noch als St.Gallerin; mitunter aufgrund des Dialektes, der immer mal wieder auffällt. Und es gibt etliche Lokale und Institutionen in St.gallen, die mir immer noch sehr gefallen. Ich würde, obwohl ich mittlerweile sehr zuhause bin in Zürich, nie ganz ausschliessen, wieder irgendwann in St.Gallen zu landen. Derzeit aber ganz sicher nicht.»

Und dies:

«Ich wollte schon länger mal weg, weil ich schon immer in St.Gallen gelebt habe. Ich wollte einfach mal ein anderes Umfeld kennenlernen, auch weil ich mit meinen Projekten und meiner Musik hier oft in einer Sackgasse gelandet bin: Das Publikum hat mir gefehlt, und alles immer für eine Handvoll Freunde zu machen, ist zwar ganz nett, bringt mich aber nicht weiter. Wie lange ich weg bleibe, weiss ich noch nicht, aber ich probiere, mir hier ein Netzwerk aufzubauen und an meinen Projekten weiter zu arbeiten.»

Oder dies:

«Ich plädiere für eine neue Hochschule, mehr Arbeitsplätze für Querköpfe und Kreativschaffende – IT ist nicht die Lösung.»

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze