Sechshundert Millionen Menschen auf der Erde haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
2006 wird der Profifussballer Benjamin Adrion, der damals für den FC St.Pauli in Hamburg spielt, in einem Trainingslager auf Kuba mit dieser Tatsache und der prekären Trinkwassersituation der dortigen Bevölkerung konfrontiert. Zurück in Deutschland hängt er seine Fussballkarriere kurzerhand an den Nagel und gründet einen gemeinnützigen Verein: Viva Con Agua de St.Pauli (VCA).
Was als Idee im Umfeld des linken Hamburger Fussballclubs begann, ist heute eine Organisation, welche bisher über drei Millionen Menschen mit Wasser- und Hygieneversorgung erreichen konnte.
Wasser und Bildung Hand in Hand
Gregor Anderhub, jetziger Geschäftsführer von Viva Con Agua Schweiz, ist fast von Anfang an in diese Geschichte involviert. 2007 kam er nach Hamburg, wo er eigentlich nur zwei Monate bleiben wollte, schliesslich aber zweieinhalb Jahre in jener Wohngemeinschaft von Benjamin Adrion «hängen blieb». 2009 war der heute 33-Jährige dann Mitbegründer des Vereins in der Schweiz.
«Bei unseren Projekten verfolgen wir grundsätzlich zwei Aspekte. Einerseits geht es darum, den Menschen einen dauerhaften Zugang zu Wasser, sanitärer Versorgung und Hygienemassnahmen zu ermöglichen», erzählt Anderhub. Wasserprojekte alleine würden nicht so viel Sinn machen, es brauche die Koppelung dieser Elemente sowie Ausbildungen in Hygienethemen für die Menschen in den betroffenen Ländern. «Andererseits geht es uns aber auch um Bildungsarbeit – wir wollen Bewusstsein und Aktivierung für die Wasserproblematik schaffen. Das versuchen wir auf der Basis von freudvollen und positiven Aktivitäten wie Musik, Kunst und Sport, welche weltweit Menschen verbinden.»
Il mosaico: Benefizkonzert für Viva con Agua mit Werken von Beethoven, Brahms und Schumann: 4. Mai, Tonhalle St.Gallen
Gerade im musikalischen Bereich ist VCA sehr gut vernetzt; Künstler wie die Basler Rapperin La Nefera oder Knackeboul engagieren sich für den Verein. Auch in der Ostschweiz finden immer wieder Benefizanlässe statt: Ende April traten im St.Galler Jugendkulturraum Flon unter anderem die Punkband Bear Pit oder der im Kollektiv Klimastreik Ostschweiz involvierte Liedermacher Simon Hotz für Viva con Agua auf. Und am 4. Mai spielt das Wattwiler Jugendorchester Il Mosaico ein Benefizkonzert in der Tonhalle St.Gallen zugunsten der Organisation.
Jede Flasche als «flüssiger Flyer»
Neben kulturellen Anlässen zwecks Sensibilisierung und Spendengenerierung geht Viva Con Agua auch einen unternehmerischen Weg: Seit 2017 gibt es in der Schweiz ein VCA-Mineralwasser, produziert und vertrieben von der Firma Goba in Gontenbad. Die Idee dahinter ist simpel: «Jede Flasche generiert 15 Rappen an Spendengeld für VCA und fungiert gleichzeitig als flüssiger Flyer», sagt Gregor Anderhub.
Das Goba-Festival
Musikalische Rundgänge in der Moorlandschaft (um 12 Uhr), Vorträge rund ums Mineralwasser (um 13.15 Uhr), geführte Rundgänge (um 11 und 14 Uhr) und eine Abendbar: Das ist das tägliche Festprogramm von Montag 6. bis Freitag 10. Mai. Am Samstag 11. Mai geht ab 14 Uhr das Konzertprogramm von Viva Con Agua über die Bühne.
Goba-Festival: 4. bis 11. Mai, Gontenbad goba-welt.ch, vivaconagua.ch
Goba habe man ausgewählt, weil die Firma eine nachhaltige Unternehmensstrategie praktiziere und das Wasser aus der lokalen Quelle in Gontenbad abfülle. Ebendort findet Anfang Mai auch das achttägige GOBA-Festival statt, mit Rundgängen durch den neugebauten Firmenstandort, Vorträgen in Bezug zu Wasser, einer Lindy Hop Soirée und als Finale am 11. Mai einem Konzertabend mit Bondaa und Dabu Fantastic aus Zürich, der Rorschacher Band Panda Lux und der Pop-Electronica-Newcomerin Ayu aus Bern. Die kompletten Ticketeinnahmen gehen an Viva Con Agua.
Das zivilgesellschaftliche Engagement des Vereins ist beträchtlich; ehrenamtliche Crews sind in über 60 Städten tätig, sammeln Spenden, informieren Menschen, veranstalten Kulturanlässe, sei das in der Schweiz, in Deutschland oder seit kurzem auch in Mosambik, einem jener Projektländer, in denen VCA tätig ist. Dass solches Engagement notwendig bleibt, zeigt die Tatsache, dass im Jahr 2019 noch immer sechshundert Millionen Menschen über kein sauberes Trinkwasser verfügen und gar zweieinhalb Milliarden keinen Zugang zu sanitären Anlagen haben.
Dieser Beitrag erschien im Maiheft von Saiten.
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