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Wasser für alle

«Wasser für alle – alle für Wasser» lautet das Motto von Viva Con Agua. Die Nonprofit-Organisation setzt sich für sauberes Trinkwasser weltweit ein. Dabei nutzt sie Kultur als Brückenbauerin und die Wirtschaft als Mittel zum Zweck – so im Mai beim Goba-Festival in Gontenbad. von Andri Bösch
Von  Gastbeitrag , 
Sauberes Trinkwasser: Dafür setzt sich Viva Con Agua ein. (Bild: David Walter)

Sechshundert Millionen Menschen auf der Erde haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

2006 wird der Profifussballer Benjamin Adrion, der damals für den FC St.Pauli in Hamburg spielt, in einem Trainingslager auf Kuba mit dieser Tatsache und der prekären Trinkwassersituation der dortigen Bevölkerung konfrontiert. Zurück in Deutschland hängt er seine Fussballkarriere kurzerhand an den Nagel und gründet einen gemeinnützigen Verein: Viva Con Agua de St.Pauli (VCA).

Was als Idee im Umfeld des linken Hamburger Fussballclubs begann, ist heute eine Organisation, welche bisher über drei Millionen Menschen mit Wasser- und Hygieneversorgung erreichen konnte.

Wasser und Bildung Hand in Hand

Gregor Anderhub, jetziger Geschäftsführer von Viva Con Agua Schweiz, ist fast von Anfang an in diese Geschichte involviert. 2007 kam er nach Hamburg, wo er eigentlich nur zwei Monate bleiben wollte, schliesslich aber zweieinhalb Jahre in jener Wohngemeinschaft von Benjamin Adrion «hängen blieb». 2009 war der heute 33-Jährige dann Mitbegründer des Vereins in der Schweiz.

«Bei unseren Projekten verfolgen wir grundsätzlich zwei Aspekte. Einerseits geht es darum, den Menschen einen dauerhaften Zugang zu Wasser, sanitärer Versorgung und Hygienemassnahmen zu ermöglichen», erzählt Anderhub. Wasserprojekte alleine würden nicht so viel Sinn machen, es brauche die Koppelung dieser Elemente sowie Ausbildungen in Hygienethemen für die Menschen in den betroffenen Ländern. «Andererseits geht es uns aber auch um Bildungsarbeit – wir wollen Bewusstsein und Aktivierung für die Wasserproblematik schaffen. Das versuchen wir auf der Basis von freudvollen und positiven Aktivitäten wie Musik, Kunst und Sport, welche weltweit Menschen verbinden.»

Il mosaico: Benefizkonzert für Viva con Agua mit Werken von Beethoven, Brahms und Schumann:
4. Mai, Tonhalle St.Gallen

Gerade im musikalischen Bereich ist VCA sehr gut vernetzt; Künstler wie die Basler Rapperin La Nefera oder Knackeboul engagieren sich für den Verein. Auch in der Ostschweiz finden immer wieder Benefizanlässe statt: Ende April traten im St.Galler Jugendkulturraum Flon unter anderem die Punkband Bear Pit oder der im Kollektiv Klimastreik Ostschweiz involvierte Liedermacher Simon Hotz für Viva con Agua auf. Und am 4. Mai spielt das Wattwiler Jugendorchester Il Mosaico ein Benefizkonzert in der Tonhalle St.Gallen zugunsten der Organisation.

Jede Flasche als «flüssiger Flyer»

Neben kulturellen Anlässen zwecks Sensibilisierung und Spendengenerierung geht Viva Con Agua auch einen unternehmerischen Weg: Seit 2017 gibt es in der Schweiz ein VCA-Mineralwasser, produziert und vertrieben von der Firma Goba in Gontenbad. Die Idee dahinter ist simpel: «Jede Flasche generiert 15 Rappen an Spendengeld für VCA und fungiert gleichzeitig als flüssiger Flyer», sagt Gregor Anderhub.

Das Goba-Festival

Musikalische Rundgänge in der Moorlandschaft (um 12 Uhr), Vorträge rund ums Mineralwasser (um 13.15 Uhr), geführte Rundgänge (um 11 und 14 Uhr) und eine Abendbar: Das ist das tägliche Festprogramm von Montag 6. bis Freitag 10. Mai. Am Samstag 11. Mai geht ab 14 Uhr das Konzertprogramm von Viva Con Agua über die Bühne.

Goba-Festival: 4. bis 11. Mai, Gontenbad
goba-welt.ch, vivaconagua.ch

Goba habe man ausgewählt, weil die Firma eine nachhaltige Unternehmensstrategie praktiziere und das Wasser aus der lokalen Quelle in Gontenbad abfülle. Ebendort findet Anfang Mai auch das achttägige GOBA-Festival statt, mit Rundgängen durch den neugebauten Firmenstandort, Vorträgen in Bezug zu Wasser, einer Lindy Hop Soirée und als Finale am 11. Mai einem Konzertabend mit Bondaa und Dabu Fantastic aus Zürich, der Rorschacher Band Panda Lux und der Pop-Electronica-Newcomerin Ayu aus Bern. Die kompletten Ticketeinnahmen gehen an Viva Con Agua.

Das zivilgesellschaftliche Engagement des Vereins ist beträchtlich; ehrenamtliche Crews sind in über 60 Städten tätig, sammeln Spenden, informieren Menschen, veranstalten Kulturanlässe, sei das in der Schweiz, in Deutschland oder seit kurzem auch in Mosambik, einem jener Projektländer, in denen VCA tätig ist. Dass solches Engagement notwendig bleibt, zeigt die Tatsache, dass im Jahr 2019 noch immer sechshundert Millionen Menschen über kein sauberes Trinkwasser verfügen und gar zweieinhalb Milliarden keinen Zugang zu sanitären Anlagen haben.

Dieser Beitrag erschien im Maiheft von Saiten.

Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

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Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

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Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

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Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

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Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

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Von Angela Kuratli,
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Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

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Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

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Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

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«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

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Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

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Theblacksalt1

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Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Bücherherbst: Réduit von Alexander Raschle

Hoff­nung in ei­ner ver­stei­ner­ten Welt

Von Richard Butz,
Bildschirmfoto 2026 10 28 um 16 11 18

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter