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«Weitsicht und Tiefsinn»: Das Zeughaus Teufen feiert

«Austausch, Bereicherung, Glücksgefühl»: Solches und noch viel mehr war die letzten zehn Jahre lang im Zeughaus Teufen und bei dessen Leiter Ueli Vogt zu finden. Am Freitag feiert es Jubiläum – hier ein paar Stimmen zum Haus und zum Ueli.
Von  Redaktion Saiten

Unverzichtbare Begegnungsstätte

Das Zeughaus Teufen hat sich zu einem Ort überraschender Begegnungen und aussergewöhnlicher Sichtweisen entwickelt. Dies scheint mir in Ueli Vogts unbändiger Neugier und seinem bewussten Verzicht auf jegliche Berührungsängste zu wurzeln. Als Besucherin kann man sicher sein, Entdeckungen zu machen und erfrischende Konstellationen von Architektur, Design, bildender Kunst, Musik, Literatur sowie von Tradition und Zeitgenössischem zu erleben. Die vielen Kooperationen mit anderen Institutionen, Bildungsstätten und Kultursparten erweitern den Ort in die Schweiz hinaus. Zugleich bietet das Zeughaus ein Zuhause und eine Begegnungsstätte für das Regionale und Lokale. Es ist dieser Mut zur Nah- und Fernsicht, die zu Weitsicht und Tiefsinn führen und das Zeughaus für die Ostschweiz unverzichtbar machen.

Corinne Schatz, Kunsthistorikerin

 

Ueli Vogt im Treppenhaus des Zeughauses Teufen. (Bild: Katalin Deér)

 

Irgendwie anders

Ich denk an Ueli Vogt. Er ist ein spannender Typ. So war auch seine Arbeit im Zeughaus Teufen. 4 Worte, die mein Gefühl dafür beschreiben:
– irgendwie anders
– unerschrocken
– talentiert
Habe auch noch ein isländisches Sprichwort gefunden, das passt. Im langweiligen Alltag waren Uelis Ideen und Ausstellung jeweils… die Rosine am Ende des Hotdogs.

Beni Bischof, Künstler

 

Gleitmittel und Gehstock

Nach Teufen gehen heisst ins Zeughaus gehen. Ins Zeughaus gehen heisst ein Zuhause sehen. Hier wuchern und winken die Spuren jener, die durchs Haus gegangen und fürs Haus etwas angestellt haben. Manchmal verschwindet etwas und etwas Neues kommt, etwas anderes entsteht oder wird durch die Veränderung neu gesehen. Die Überlagerungen sind Teil der Erinnerung. Ich bin Teil davon. Ich darf auch übersehen, verpassen, blöd finden. Kunst ist Trost. Gleitmittel und Gehstock, Sand im Getriebe und Widerspruch im Denken. Hier bin ich aufgehoben, herausgefordert, willkommen. Hier finde ich Austausch, Gespräch, Bereicherung, Glücksgefühl.

Ursula Badrutt, Kunsthistorikerin

 

Zeughaus-Jubiläumsfeier:
30. September ab 17 Uhr (17.30 Uhr Kinderkonzert mit Marius Tschirky, 19 Uhr Festakt, ab 20 Uhr Kurzführungen)

zeughausteufen.ch

Frisch und frech

Jedes Mal, wenn ich mit Kamera- und Stativtasche über den Zeughausplatz ging, fragte ich mich, welche Ausstellung, welche Einbauten, welche Installationen und Objekte ich antreffen werde. Und es war immer anders! Auch wenn einige Werke ein halbes, ein ganzes oder mehrere Jahre im Ausstellungsraum verblieben und so Teil dessen wurden, auch wenn hin und wieder ein Werk bei der nächsten Ausstellung ganz oder in Teilen vorhanden war, empfand ich das nie als Akt der Faulheit des Kurators, weitere Künstler und ihre Werke auszusuchen, sondern als ein Suchen, Prüfen, wie das Werk in einem anderen künstlerischen Umfeld oder sogar in einer ganz anderen Ausstellung, in einer Ingenieur-Ausstellung über Werkstücke oder Holzverbindungen wirkt und im besten Fall interagiert. Diese 10 Jahre Zeughaus waren einmalig in der Schweizer Museumslandschaft: in dieser frischen und auch mal frechen (darf man das?), manchmal lustigen, aber nie belustigten Art von Ausstellungen mit und über bildende Kunst. Und diese oft in einer überraschenden örtlichen Nachbarschaft oder Verbindung mit ingenieurtechnischen Objekten und Modellen. Kurz und gut, es waren 10 spannende und erfrischende Ausstellungsjahre. Danke!

Christian Schwager, Fotograf

 

Die Hütte der Fragen

Wie ein Schloss steht das Museum auf dem Hügel. Elegant und herausgeputzt mit Fähnchen, von weitem sichtbar und aus der Nähe auch ein wenig trutzburgig-wehrhaft. Vor den Toren campieren manchmal wie bei einem mitteralterlichen Dorf Marktfahrer:innen. Meistens ist der grosse Kiesplatz jedoch vollparkiert. Wo die Besitzer:innen dieser Autos wohl alle sind? Anfangs habe ich sie dicht gedrängt im Innern des Zeughauses erwartet. Aber wie auch für das Rätsel des Parkplatzes sind an diesem Ort selten glasklare Antworten zu finden; vielmehr sind Fragen und geplante Lücken die Queens und Kings dieses Schlosses. Oder eben passender: dieser Hütte, wo der schon fast absurd hochflorige graue Teppich für alle ausgerollt wird.

Johannes Stieger, Ausstellungsmacher

 

Uelis Pesto

Eine der vielen erfreulichen Erinnerungen datiert auf den Sommer 2018. Zum Saiten-Sommerheft über allerhand, was «ins Kraut schiesst», steuerte Ueli einen Beitrag über Peterli bei. Im Zentrum: sein Pesto-Rezept. Selten machte ein Text beim Redigieren so viel Appetit. Er verknüpfte Vergangenheit und Gegenwart, bezog alle Sinne mit ein, war persönlich und informativ, eigen und kollektiv – denn Uelis Peterli-Pesto, das schmeckte man dem Text an, würde natürlich nicht solo, sondern an einem möglichst grossen Tisch genossen werden. Die zehn Jahre Ueli Vogt in Teufen kommen mir vor wie jenes Pesto: auserlesene Zutaten, überzeugend kombiniert, ein Rezept aus Experimentierlust, Intuition und Erfahrung, sorgsame Zubereitung und ein sicheres Gespür für Qualität. So soll es weitergehen.

Peter Surber, Saitenredaktor

Die hier abgedruckten Stimmen und zahlreiche weitere Texte erscheinen im Jubiläumsbuch des Zeughauses Teufen, das im November publiziert wird.

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Lanz Jacqueline,  

Treffende, einmalige Texte, freut mich für Ueli Vogt.Ich war leider nicht oft im Museum, aber ich werde Ueli vermissen. Herzlichst Jacqueline Lanz

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