, 27. August 2017
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FCSG vs. YB 2:2 – Schlechter Lohn für die Espen

Die Berner Young Boys gleichen kurz vor Schluss aus. Vor allem in der zweiten Halbzeit waren die St.Galler klar besser, der Lohn dafür ist bescheiden. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.

FCSG – YB 2:2

17 Uhr 54 – Während der St.Galler Anhang ihre Mannschaft beklatscht, räumen wir allmählich zusammen und haben mit diesem Remis einen weiteren Grund, uns heute Abend zu bemitleiden. Meine Knie umklammernd werde ich heute Abend in der Dusche sitzen und James Blunt hören. Morgen arbeiten, Ramona gestern nicht für ein Date überreden können, St.Galler Heimsieg verpasst. Nicht schön. Macht’s gut.

Abpfiff – Es bleibt beim 2:2. Im Stadion herrscht eine seltsame Lethargie. Niemand scheint so richtig zu realisieren, was eben passiert ist. Viele bleiben auf ihren Plätzen und starren sich wortlos an.  Ab und zu branden Pfiffe auf, die dem Schiedsrichter-Trio gelten. Die St.Galler sind auf alle Fälle mit dem 2:2 schlechter bedient als die Hauptstädter, die im zweiten Durchgang trotz Rückstand praktisch keine brauchbaren Chancen erspielten. Die St.Galler müssen sich ankreiden lassen, ihre Konterchancen nicht genutzt zu haben.

Minute 91 – Ausgleich YB. Zwei Minuten stiller Protest von R.S. und R.S., das Handspiel verdächtige Tor niederzuschreiben. Nun machen wir es trotzdem.

Minute 90 – Und nun kommt King für Barnetta. Majestätsbeleidigung, dass King nicht von Anfang an spielte. Barnetta wird derweil vom St.Galler Anhang gefeiert. Berechtigterweise, denn Barnetta zeigte vor allem im zweiten Durchgang eine vorzügliche Leistung. In dieser Ausführung ein unverzichtbar belebendes Element im Spiel des FCSG.

Minute 90 – Passend zur 90. Spielminute die Aufstellung des FCSG samt Wechsel. Lopar – Koch, Hefti, Hagi, Wittwer – Tschernegg (Taipi), Kukuruzovic – Aratore, Barnetta, Tafer (Ben Khalifa) – Buess.

Minute 87 – St.Gallen kontert weiter. Taipi stürmt nach vorne, passt in die Mitte zu Buess, aber ein Berner hält irgendwie einen Fuss dazwischen. Eckball. Zeitgewinn.

Minute 83 – Bei der französischen Minutenangabe von eben erinnert sich R.S. an das gestrige 2. Liga interregio-Spiel zurück. Der Schiri war dort ebenfalls französischsprechend. Nach einem harten Einsteigen eines Gegners verleitete das einen Bazenheider Spieler zu einer fremdsprachigen Reklamation: „ca, c’est presque… Rot.“

Minute 82 – Die beiden Fankurven verbünden sich nochmal. „Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten“ ist in beiden zu lesen. Wer damit gemeint ist, muss man unseren Lesern vermutlich nicht erklären.

Minute quatre-vingt – Ben Khalifa kommt für den zwar etwas glücklosen, aber fleissig arbeitenden Tafer. Die St.Galler wirken noch immer seltsam souverän. Aber noch steht es nur 2:1.

Minute 79 – St.Gallen kontert. Taipi lanciert Buess, leider etwas zu wenig steil. Der Stürmer versuchts mti einem Lupfer, erfolglos.

Minute 77 – Ein Doppel-Doppelpass? Wir staunen noch immer. Wir können uns nicht erinnern, das bisher jemals von einer St.Galler Mannschaft gesehen zu haben. Man war immer der Meinung, das gebe es gar nicht. Wie Atlantis, ein Einhorn oder Delfine. Nun haben wir alles gesehen.

Minute 75 – Ein Doppel-Doppelpass zwischen Taipi und Barnetta. Die Berner sind so komplex, dass von Bergen brachial einschreiten muss.

Minute 72 – „Steht auf, wenn ihr St.Galler seid“ schallt es aus dem Espenblock. Nur nicht zu früh feiern, nur nicht zu früh…

Minute 70 – Taipi vorhin mit dem Tunnel. Im Ohr Züri West: „irgendwo geit e Türe uf, viellech nume ganz e schmale Schpaut.“

Minute 67 – Wenn YB schon in der östlichen Schweiz Mühe bekundet, dürfte es in der Europa League nicht fürs Weiterkommen reichen.

Minute 63 – 11’550 Zuschauer sind heute hier. Und sehen, wie St.Gallen zu weiteren Chancen kommt.

Minute 60 – Mutmasslich Kukuruzovic zieht von der Mittellinie oder „sogar no dehinter“ ab, wie R.S. mit der Aura eines allwissenden Professors in weiser Ruhe anmerkt. Der Abschluss geht knapp am Tor vorbei und kam gar ohne die in St.Gallen sonst so obligate Aufforderung des Publikums – ein langgezogenes „Schüüüüss“ – aus. Zeiten ändern sich, das wusste schon Bushido.

Minute 58 – YB wechselt. Bin ich eigentlich der Einzige, der beim Namen Roger Assalé immer an einen Schlagerstar denken muss? Heisst denn einer so ähnlich? #followerpower

Minute 53 – Der zahme Taktikfuchs Sepp Ruardiola hat sich mittlerweile auf der Pressetribüne ausgebreitet, liegt auf dem Rücken und schnurrt zufrieden. Sagt dann: „Kukuruzovic und vor allem Taipi sind gut im Spiel, was sich sofort auf das St.Galler Spiel auswirkt. Barnetta hat mehr Bälle und ist entsprechend federführend bei den meisten Angriffen. Tafer ist zwar noch glückloser als Aratore, aber arbeitet gut zurück. Der FCSG verdient sich die Führung hier nachträglich.“

Minute 52 – Und noch eine. Barnetta kommt sogar zweimal zum Abschluss, scheitert aber. Sowas nennt man dann wohl Druckphase, wir kannten das bisher nur vom Hörensagen.

Minute 49 – Und dann hat der FCSG gleich noch mal eine grosse Chance. Wir sind etwas verwirrt.

Minute 49 – Da hat sich so manch einer am Pausentee verschluckt. Wir sind es uns ja eigentlich gewöhnt, nach der Halbzeitpause langsam an den Platz zurückzukehren, uns umzusehen, ob gewechselt wurde, und dann abzuwarten, bis etwas passiert. Ein Tor in der 46. Minute hat Seltenheitswert.

Minute 46 – Nur ein paar Sekunden braucht der FC St.Gallen in Halbzeit Zwei, um in Führung zu gehen. Wieder trifft Aratore, es steht 2:1!

Minute 45 – Den Ausgleich hat der FC St.Gallen noch vor der Pause geschafft. Auch das Spiel wurde etwas besser. R.S. geh jetzt zu seinem vorher sorgfältig ausgesuchten Platz, falls die Kiss-Cam doch reaktiviert wird.

Minute 39 – Das Spiel nimmt Fahrt auf. Vor dem Ausgleich scheiterte Karin Hagi mit dem Kopf nach einem Freistoss Barnettas. Eben zog Sulejmani ab, sah seinen Schuss aber von Lopar pariert. Die Ballbesitzwechsel nehmen zu, das Tempo entsprechend auch. Es könnte durchaus noch Spass machen hier.

Minute 36 – Ausgleich für den FCSG! Eigentlich war die Aktion schon fast vorbei. Der Pass auf Barnetta so kläglich, dass dieser den Ball gar nicht annehmen konnte. Er gibt ihm aber noch einen kleinen Schubs, via YB-Spieler landet der Ball bei Aratore, der zieht aus rund 20 Metern einfach mal ab. Tor!

Minute 33 – R.S. sinniert immer noch über das Gegentor. Irgendwie erinnert das an den gestrigen Besuch der 2.Liga interregio-Partie Bazenheid – Kreuzlingen. Auch da konnte das Heimteam das Spiel nicht mit flachen, einfachen Bällen von hinten raus aufbauen. Auch da führte das zu Gegentoren. Hoffentlich wird das hier noch besser, weil das Heimteam gestern schon zur Pause 0:4 zurücklag.

Minute 29 – Ein Spiel, das nach grundsätzlichen Überlegungen dieses Spiels verlangt. Fussball ist ein Spiel, das eine Ansammlung von unzähligen Entscheidungen ist. Meist müssen sie innert Sekundenbruchteile getroffen werden. Nehme ich den Ball mit dem linken oder rechten Fuss an? Passe ich den Ball zum Nebenmann oder schlage ich den weiten Seitenwechsel? Grätsche ich oder versuche ich, den Gegenspieler zu begleiten? Beim Gegentor war es Taipi, der sich für die Entscheidung zu lange Zeit nahm. Vorhin könnte Buess Barnetta aussichtsreich in die Tiefe schicken, zögert aber eine Sekunde zu lange und schliesst selber ab. Drüber. Zu viele falsche Entscheidungen bei Grün-Weiss bisher.

Minute 25 – YB führt, weil die St.Galler Defensivprotagonisten überfordert sind mit dem flachen Aufbau. Lopar spielt Taipi an, der den Ball vom Tor wegführen will. Ihm mangelt es an Tempo, Idee und Anspielstation. Ein Berner luchst ihm die Kugel ab und stellt alleine vor Lopar, den er dann bezwingt.

Minute 20 – Der zahme Taktikfuchs Sepp Ruardiola ist heute bei uns zu Gast und stellt fest: „Die St.Galler spielen ein 4-2-3-1, das vor allem offensiv vielversprechend besetzt ist. Es liegt an der Doppelsechs mit Taipi und Kukuruzovic, die offensiv ambitionierten Spieler in Szene setzen zu können. Das misslingt bislang, weil die beiden im Aufbau zu viele Bälle verlieren.“

Minute 17 – Sowohl die St.Galler als auch die YB-Fans haben per Spruchband und Sprechgesang eine Botschaft an den heute anwesenden ersten Staatsanwalt Thomas Hansjakob im Gepäck. „Trotz Unsicherheitskonzept“ im Espenblock „Dr Fuessball läbt“ bei YB. Die Sprechgesänge zitieren wir hier nicht, ihr könnts euch denken.

Minute 15 – Sowas wie ein Konter der St.Galler. Barnetta spielt in den Lauf von Buess, doch der vertändelt und scheint sich dann sogar noch zu verletzen. Es geht aber offenbar weiter.

Minute 13 – Taktisch stellen wir fest, dass Contini wieder auf die Viererkette setzt, die man schon zum Saisonauftakt verwendete. Stete Konstante ist Karin Hagi. Die 48-jährige Verkäuferin am Uzwiler Bahnhofskiosk durfte heute mal wieder ihre Schicht schieben.  Die mentholzigarettenabhängige Sonja ist ihr mal wieder entgegengekommen.

Minute 11 – Der FCSG hat Mühe, den Ball hinten raus zu spedieren. Wir wehren uns ja wirklich nicht gegen einen geordneten Spielaufbau, aber wenn das dann darin endet, dass der Ball in letzter Sekunde vor dem heranbrausenden YB-Stürmer ins Aus geschlagen wird…

Minute 5 – Aha, der dilettantische Sprint Lara Crofts ist also wirklich so geschehen und gründet auf einer Verletzung. Croft verlässt das Feld, geht die Welt retten. Taipi kommt.

Minute 3 – Tschernegg hat eben zum Spring angesetzt. Ob es der gestrige Restalkohol ist oder tatsächlich der Wahrheit entspricht, weiss ich nicht. Jedoch sieht es so aus, als würde Tschernegg trotz Sprintbewegung an Ort und Stelle treten. Wie einst anno 2001, als ich Lara Croft am Computer an die Wand manövrierte, die virtuelle Powerfrau aber ohne einen Meter vorwärts zu kommen in Sprintbewegung weitermarschierte. Gegen die Wand. Die Frisur würde ja passen.

Minute 1 – Just als der Unparteiische die Begegnung freigibt, trifft R.S. ein. Bedeutungsschwanger mit Rucksack und unstetem Atem. So, als wär das alles, was wir hier machen, von journalistischem Eifer getrieben. Dabei wollen wir doch nur gratis ins Stadion und die leckeren Sandwichs im Presseraum geniessen. Dafür im Übrigen der Rucksack. Für den Znacht.

15 Uhr 54 – Ohne den musternden Blick von R.S., der jeweils seine knapp zwei Meter Körpergrösse beängstigend hinter meinen Schultern aufbaut, um meine Einträge unter kritischen Augenschein zu nehmen, schreibt es sich ausgesprochen angenehm. Die neue Freiheit feiere ich, indem ich mir aus dem Presseraum das Papier mit den Aufstellungen sicherte. Natürlich nicht, um einä z’bauä. Äffchenemoji, das seine Augen verlegen hinter den Pfoten versteckt. Hihi.

15 Uhr 47 – Herzlich Willkommen zum Liveticker. Das „F“ steht für Fachkenntnisse. Ich, R.S., mühe mich noch am lustlosen Kaffee ab, den man den Presseschaffenden hier offeriert und versuche, den gestrigen Abend zu rekonstruieren. Ausser den üblichen Fixpunkten – Box, Lounge im Trischli, Extravagant, je nach Gelingen der vorherigen Etappe –  ist mir nicht viel geblieben. Das zersplitterte Handydisplay lässt aber auf darauf schliessen, dass sich Unrühmliches abspielte. Sagt zumindest der innerliche Horatio Caine in mir. R.S. ist derweil verspätet. Unbestätigten Gerüchten zufolge sucht er nach einer günstigen Sitzgelegenheit für die Kisscam in der Pause.
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