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Wenn Brennnesseln erzählen könnten

Pflanzen im Museum? Höchstens im Herbarium oder als Gemälde. Vielleicht noch als floristische Installation. Aber als eigenständige Protagonisten? Das Kunstmuseum Liechtenstein ruft darum kurzerhand das «Parlament der Pflanzen» aus.
Von  Kristin Schmidt , 
Jochen Lempert: Detail aus Botanical Box, 2009–2020, Silbergelatine auf Barytpapier. (Bilder: pd)

Pflanzen sind dynamisch. Pflanzen wuchern. Pflanzen siedeln auch dort, wo sie nicht sollen. Sie halten sich nicht an Wegraine, Beete oder Grenzen. Kaum werden betonierte Flächen sich selbst überlassen, sind die Pflanzen wieder da. Sie wurzeln in kleinsten Spalten, brechen Asphalt auf und passen sich sogar erhöhter Radioaktivität an.

Pflanzen können viel und sind für Menschen und Tiere unerlässlich. Trotzdem werden Pflanzen vernichtet, manipuliert und instrumentalisiert. Pflanzenethik ist zwar durchaus ein Forschungsthema, aber breit etabliert hat es sich bisher nicht. Wer also gibt den Pflanzen eine Stimme?

Geprägt vom anthropozentrischen Blick

Das Kunstmuseum Liechtenstein ruft kurzerhand das «Parlament der Pflanzen» aus. Wie also sähe die Welt aus, wenn die Pflanzen demokratisch organisiert wären? Sicherlich nicht wie die Ausstellung in Vaduz. Nur an wenigen Stellen grünt es; sich selbst überlassen sind die Pflanzen an keiner Stelle, stattdessen gibt es sogar Schnittblumen – kaum eine erstrebenswerte Pflanzenexistenz. Aber ein Museum ist weder ein Botanischer Garten noch ein Dschungel. Die Ausstellung versucht auf anderen Wegen, den Pflanzen zu ihrem Recht zu verhelfen oder wenigstens ein neues Bewusstsein für sie zu wecken.

Pflanzen sind seit Jahrhunderten ein wichtiges künstlerisches Motiv. Aber ihre Darstellung war stets von einem anthropozentrischen Blick geprägt: Die Lilie wurde zum Zeichen der Reinheit erkoren, Rosen stehen seit dem Altertum für die Liebe, Eichen gelten nicht nur im Christentum als heiliger Baum.

Inzwischen sind neue Zuschreibungen entstanden. So grüsst bereits im Foyer des Kunstmuseum Lichtenstein ein roter Nelkenstrauss die Eintretenden – das Symbol der Nelkenrevolution 1974 in Portugal. Weitere Sträusse im Obergeschoss erinnern an die Rosenrevolution, die Tulpenrevolution, die Jasminrevolution. Die russische Künstlerin Anna Jermolaewa versammelt die Blumen der sogenannten Farbrevolutionen in unterschiedlichen Vasen: die unschuldige Pflanze als Sinnbild des friedlichen Aufstandes, aber leider als Schnittblume gekappt, nicht länger lebensfähig.

Das Parlament der Pflanzen:
bis 17. Januar, Kunstmuseum Lichtenstein

kunstmuseum.li

Ursprünglicher sind die Gewächse auf den gleich daneben hängenden Fotografien von Isabella Hollauf. Die Österreicherin hat die Barrandovské terasy nahe Prag aufgenommen. Diese Hotel- und Freizeitanlage ist seit Jahrzehnten sich selbst überlassen. Längst haben die Pflanzen selbst die unwahrscheinlichsten Winkel zurückerobert. Doch so poetisch die Bilder sind, einmal mehr dominiert sie der menschliche Blick.

Einen anderen Zugang hat Jochen Lempert. Der Fotograf und Biologe nimmt sich selbst zurück und überlässt den Pflanzen das Feld. Langes Beobachten, geduldiges Warten und sein geschulter Blick führen zu Bildern wie jenem einer explodierenden Brennesselblüte: Wenn es trocken und warm genug ist, platzt sie auf, Blütenstaub schiesst in die Luft und wird vom Wind davongetragen. Ein kleines Wölkchen voller Energie und Lebenskraft – im richtigen Augenblick von der Kamera festgehalten.

Pflanzen als Akteurinnen der Geschichte

So manches aus dem Leben der Pflanzen wirkt auf Menschen geradezu unheimlich. Carl von Linné beispielsweise entwickelte seine einflussreiche Pflanzenklassifikation basierend auf den Geschlechtsorganen von Blüten, weswegen Moralisten die Botanik als ungeeignetes Betätigungsfeld für Frauen empfanden. Aber bei den Moosen funktionierte Linnés System nicht, deren Fortpflanzung ist für das Auge nicht sichtbar.

Gerade deshalb interessiert sich die Künstlerin Andrea Büttner dafür: «Im Zuge ihrer Charakterisierung wurden Moose stets mit den Themen Minderwertigkeit, Erniedrigung und Bewertung in Verbindung gebracht.» Büttner fotografiert die Schönheit der Moose, lässt sie im Museum einen Stein bewachsen und zeigt, dass Anspruchslosigkeit eine Stärke sein kann.

Den meisten Eigenwert, die grösste Initiative traut Uriel Orlow den Pflanzen zu. Der Künstler versteht Pflanzen als Akteurinnen der Geschichte und zeichnet beispielsweise die Migration von Blumen oder Heilpflanzen nach. Immer wieder arbeitet er die starke Verschränkung von Europa und Afrika heraus.

Learning from Artemisia thematisiert die Malariaprophylaxe durch Beifuss. Da die Weltgesundheitsorganisation das Gewächs nicht offiziell als Medizin anerkennt, ist es unter dem Druck global agierender Pharmakonzerne, dennoch lassen seine Heilkraft und der Einsatz der Einheimischen hoffen.

Uriel Orlow geht den Spuren des Kolonialismus nach, braucht aber weder Erklärungen noch Ermahnungen. Seine Installationen und Filme sind bildgewaltig und eindrucksvoll. Solche Erzähler braucht die Welt der Pflanzen!

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
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Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

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Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

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Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

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Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

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Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

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