Im Museumsquartier liegt ein «Wiesli». Schon seit rund 40 Jahren wird das kleine Areal, eingebettet zwischen Notker-, Ekkehard-, Hadwig- und Museumsstrasse von der Nachbarschaft als Gemeinschaftsgarten und Spielplatz genutzt, auch gewisse Instandhaltungsarbeiten haben die Anwohnerinnen und Anwohner übernommen.
Seit Mai 2017 ist bekannt, dass die Besitzerin des kleinen Areals, die St.Galler Pensionskasse, mit einer Überbauung die Hälfte des «Wiesli» wieder als Wohnfläche nutzen will.
Man wolle das liebgewonnene Fleckchen Erde keinesfalls verlieren, so der Tenor in der Nachbarschaft. Nach gescheiterten Verhandlungen mit der Stadt und der Pensionskasse bliebe nun nur noch eine Möglichkeit: Per Volksinitiative will das Komitee «Rettet das Wiesli» erreichen, dass das Areal der Grünzone zugewiesen wird und somit nicht mehr überbaut werden kann.
Quartier sammelt über eine Million Franken
«Für uns würde eine Welt zusammenbrechen, der Bau würde das Quartier komplett verändern», sagt Initiativpräsident Reto Schmid. Für ihn ist klar, dass nach der Überbauung ein wichtiger Treffpunkt für Jung und Alt verschwinden würde.
Mit 1,2 Millionen Franken, die die Nachbarschaft aufgeworfen hatte, wollte man das Areal der Pensionskasse abkaufen. Da diese aber in ihren Berechnungen mit 2,2 Millionen auf deutlich mehr kam und auch die Gespräche nicht die gewünschten Erfolge brachte, habe man sich nun für eine Volksinitiative entschieden.
Quartierherz «zerstört»
Philipp Zünd, Leiter Immobilienanlagen bei der St.Galler Pensionskasse versteht den Unmut der «Wiesli»-Nutzer durchaus, verweist aber gleichzeitig auf eine simple Tatsache hinsichtlich der Nutzung der Fläche: «Die sgpk hat diese kostenlos, unkompliziert und gerne zur Verfügung gestellt. Es ist aber immer noch im Eigentum der sgpk.»
Gebaut würde zudem nicht irgendetwas, sondern ein Neubau mit Mietwohnungen für ältere Personen und solche mit Handicap. Ausserdem würde nicht das ganze «Wiesli» überbaut, sondern nur die Hälfte.
Für Reto Schmid vom Initiativkommitee ist klar, dass ein geplanter Umbau auf dem «Wiesli» das «Quartierherz zerstört». Schliesslich habe die gesamte Nachbarschaft rund um das Gelände tatkräftig mitgeholfen, das Quartier aufzuwerten und somit auch attraktiver zu machen.
Dass die Pensionskasse nun Mietwohnungen für ältere Menschen und solche mit Handicap bauen will, sei zwar schön, daraus aber gleichzeitig Profit zu schlagen sei auch nicht richtig, findet Schmid.
Stadtpark in unmittelbarer Nähe
Philipp Zünd von der sgpk hält dagegen: «Die Hälfte des Areals bleibt grün und kann weiterhin als Spielwiese genutzt werden.» Auch das Argument, dass viel Grünfläche verschwinden würde, stimme nicht. Der Stadtpark läge schliesslich keine 50 Meter vom «Wiesli» – und weiter: «Der Sachverständigenrat der Stadt St.Gallen steht dem Vorhaben positiv gegenüber.»
Dass die Pensionskasse auf eine höhere Schätzung des Werts des Areals gekommen sei, habe überdies einen einfachen Grund: «Aufgrund der Tatsache, dass das Areal in der Bauzone W4 und somit bebaubar ist, ergibt sich ein Marktwert, der deutlich höher ist, als jener für Grünzonen.»
Nun soll es also eine Volksinitiative richten. Die Unterschriftensammlung dauert noch bis zum 9. November. Kommen die nötigen 1000 Unterschriften zusammen, wird das Begehren innert der kommenden 24 Monate dem Stimmvolk vorgelegt. Und während dieser Zeit bleibt das «Wiesli» so, wie es ist.
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